Steuern und Finanzen
Steuern und Finanzen in Uruguay
Uruguay besteuert traditionell nur, was im Land verdient wird. Seit dem 1. Januar 2026 gilt das nicht mehr uneingeschränkt: Die Ley 20.446 zieht auch Mieten und Verkaufsgewinne aus dem Ausland heran. Wer neu zuzieht, darf einmalig wählen, wie er besteuert wird — und diese Wahl lässt sich nicht nachholen.
Uruguay galt jahrzehntelang als das Land, in dem ausländisches Einkommen unbehelligt bleibt. Das war nie ganz richtig, und seit Anfang 2026 ist es noch weniger richtig. Wer heute nach Uruguay zieht, sollte die neue Lage kennen, bevor er den Umzug plant. Denn eine der wichtigsten Entscheidungen fällt einmalig, und wer sie verpasst, kann sie nicht nachholen.
Das Grundprinzip: besteuert wird die Quelle
Uruguay besteuert nach dem Territorialprinzip. Maßgeblich ist nicht, wo du wohnst, sondern wo das Einkommen entsteht. Wer in Uruguay arbeitet, ein Geschäft betreibt oder eine Wohnung vermietet, zahlt hier Steuern. Wer von einer deutschen Rente lebt, zahlt darauf in Uruguay grundsätzlich nichts.
Die Einkommensteuer heißt IRPF. Sie ist gestaffelt, mit einem Grundfreibetrag, unterhalb dessen gar nichts anfällt. Für Angestellte zieht der Arbeitgeber sie direkt vom Lohn ab und führt sie an die DGI ab, das uruguayische Finanzamt. Wer selbständig ist, meldet sich dort selbst an.
Was sich am 1. Januar 2026 geändert hat
Mit der Ley 20.446 hat Uruguay den Kreis dessen, was als uruguayisches Einkommen gilt, deutlich erweitert. Das ist die wichtigste Änderung seit Jahren, und viele ältere Ratgeber im Netz kennen sie noch nicht.
Zinsen und Dividenden aus dem Ausland wurden schon seit 2011 mit zwölf Prozent besteuert. Neu ist, dass jetzt auch Mieteinnahmen aus ausländischen Immobilien dazugehören und, das ist der eigentliche Bruch mit der Vergangenheit, Gewinne aus dem Verkauf ausländischer Aktien, Fonds, Anleihen und Immobilien.
Für wen ist das wichtig? Für alle, die ihr Vermögen nicht nur in Renten halten, sondern in Wertpapieren oder in vermieteten Immobilien in Deutschland. Für den reinen Rentner ändert sich wenig.
Es gibt Abfederungen. Für börsennotierte Papiere, die vor 2026 gekauft wurden, gilt als Anschaffungswert der Kurs zum Stichtag Ende 2025. Der Wertzuwachs davor bleibt also außen vor. Die Regelung ist neu und wird noch ausgestaltet, weshalb hier besonders gilt: mit einem uruguayischen contador oder Steuerberater sprechen, bevor du Vermögen bewegst oder verkaufst.
Die Wahl, die du nur einmal triffst
Wer neu steuerlich ansässig wird, hat ein Wahlrecht, das es so kaum irgendwo gibt.
Variante eins ist die Befreiung: Auf ausländische Kapitaleinkünfte zahlst du im Jahr des Zuzugs und in den folgenden zehn Kalenderjahren nichts. Zusammen also elf Jahre Ruhe. Danach gilt der normale Satz.
Variante zwei ist der dauerhaft ermäßigte Satz: sieben Prozent statt zwölf, dafür ohne zeitliche Begrenzung.
Wer nicht wählt, zahlt die regulären zwölf Prozent.
Welche Variante besser ist, hängt an einer einfachen Frage: Wie lange willst du bleiben, und wie hoch sind deine Kapitaleinkünfte? Wer mit fünfundsechzig kommt und plant, dort alt zu werden, fährt mit den elf Jahren oft sehr gut und kann danach umschichten. Wer sehr hohe laufende Kapitalerträge hat und weit über elf Jahre hinaus denkt, fährt mit den sieben Prozent auf Dauer ruhiger.
Das ist keine Entscheidung, die man nebenbei trifft. Sie gehört in die Vorbereitung, nicht ins zweite Jahr.
Wann du steuerlich ansässig wirst
Die Schwelle liegt bei 183 Tagen Aufenthalt im Kalenderjahr. Daneben kann Uruguay dich auch dann als ansässig behandeln, wenn dein wirtschaftlicher Lebensmittelpunkt hier liegt, also Familie, Wohnung und Einkünfte.
Es gibt zusätzlich Wege in die Steueransässigkeit über Investitionen, mit einer geringeren Anwesenheitspflicht von sechzig Tagen im Jahr. Die dafür nötigen Summen sind 2026 deutlich gestiegen und liegen im Millionenbereich. Für die allermeisten Auswanderer ist das nicht der Weg, und wer ihn dir als Standardlösung verkaufen will, verkauft dir etwas.
Die deutsche Seite, die du nicht vergessen darfst
Zwischen Deutschland und Uruguay besteht ein Doppelbesteuerungsabkommen. Es regelt, welcher Staat welches Einkommen besteuern darf, und verhindert, dass du zweimal zahlst.
Trotzdem endet die deutsche Steuerpflicht nicht automatisch mit dem Umzug. Wer in Deutschland eine vermietete Immobilie behält, bleibt dort beschränkt steuerpflichtig. Und die gesetzliche Rente aus Deutschland wird in vielen Konstellationen weiterhin in Deutschland besteuert, auch wenn du sie in Uruguay ausgezahlt bekommst. Das ist der Punkt, an dem sich die meisten verrechnen: Sie planen mit dem Nettobetrag und übersehen, dass das deutsche Finanzamt weiterhin zugreift.
Lass dir vor dem Umzug von einem deutschen Steuerberater schriftlich sagen, was mit deinen einzelnen Einkunftsarten passiert. Eine mündliche Auskunft am Telefon hilft dir später nicht.
Vermögen, Erbschaft, Schenkung
Uruguay erhebt eine Vermögensteuer, das Impuesto al Patrimonio. Sie greift aber nur auf Vermögen, das in Uruguay liegt, und erst oberhalb eines Freibetrags. Auslandsvermögen bleibt außen vor.
Eine Erbschaft- oder Schenkungsteuer kennt Uruguay nicht. Das ist einer der Punkte, die das Land für ältere Auswanderer besonders interessant machen.
Vorsicht ist trotzdem geboten. Deutschland besteuert nach Paragraf 2 Erbschaftsteuergesetz weiter, wenn Erblasser oder Erbe dort noch ansässig sind. Und deutsche Staatsangehörige bleiben nach dem Wegzug noch fünf Jahre in Deutschland erbschaftsteuerpflichtig. Wer erbt oder vererbt, muss immer beide Seiten anschauen. Mehr dazu steht in der Vorsorge-Mappe.
Das Konto
Ein Bankkonto bekommst du mit der cédula. Ohne sie wird es schwierig, und ohne Aufenthaltsstatus wird es teuer.
Die Banco República, kurz BROU, ist die Staatsbank und die zugänglichste Adresse mit den niedrigsten Gebühren. Ihr Online-Banking hat allerdings eine Einschränkung, die viele überrascht: Auslandsüberweisungen lassen sich darüber nicht auslösen, dafür musst du in die Filiale.
Konten lassen sich in uruguayischen Pesos, US-Dollar oder Euro führen. Der Dollar spielt im Land eine große Rolle: Immobilien werden in Dollar gehandelt, größere Mieten oft ebenfalls, der Alltag läuft in Pesos.
Für Nichtansässige verlangen die Banken eine deutlich höhere Kontoführungsgebühr, teils dreißig bis fünfzig Dollar im Monat. Sobald der dauerhafte Aufenthalt steht, sinkt sie.
Bargeld, Karten, Preise
Karten werden fast überall genommen, auch für kleine Beträge. Uruguay hat den bargeldlosen Zahlungsverkehr in den letzten Jahren stark ausgebaut, unter anderem über eine reduzierte Mehrwertsteuer bei Kartenzahlung.
Die Mehrwertsteuer, das IVA, liegt beim Normalsatz bei 22 Prozent und ist damit hoch. Ein ermäßigter Satz gilt für Grundnahrungsmittel und Medikamente.
Uruguay ist kein billiges Land. Das ist die Enttäuschung, auf die du vorbereitet sein solltest: Im Supermarkt zahlst du für vieles so viel wie in Deutschland oder mehr, besonders für importierte Waren, Elektronik und Autos. Günstiger sind Fleisch, Wein, Gemüse der Saison und ärztliche Versorgung. Die Miete liegt außerhalb der Küstenorte spürbar unter deutschem Niveau.
Wenn du selbständig arbeitest
Wer in Uruguay auf eigene Rechnung arbeitet, meldet sich bei der DGI und bei der Sozialversicherung BPS an. Für kleine Umsätze gibt es vereinfachte Formen wie den Monotributo, der Steuer und Sozialbeiträge in einer Pauschale zusammenfasst. Das ist der übliche Einstieg für kleine Selbständige.
Für Gesellschaften gibt es die SRL, die der deutschen GmbH ähnelt, und die SA, die Aktiengesellschaft. Auf Unternehmensgewinne fällt Körperschaftsteuer an. In den Freihandelszonen, den zonas francas, gelten eigene und sehr günstige Regeln, die aber auf Export und internationale Dienstleistungen zugeschnitten sind.
Was du daraus mitnehmen solltest
Uruguay ist 2026 kein steuerfreies Paradies mehr, und wer es dir als solches verkauft, sollte dich misstrauisch machen. Es ist ein Land mit einem berechenbaren, gut verwalteten Steuersystem, das Zuziehenden einen ehrlichen Vorteil bietet, wenn sie ihn rechtzeitig wählen.
Die Reihenfolge, die sich bewährt hat: erst die deutsche Seite klären, dann die uruguayische Wahl treffen, dann umziehen. Nicht umgekehrt.