Auto & Verkehr
Auto und Verkehr in Uruguay
Dein deutsches Auto kannst du nicht mitnehmen — Ausländer dürfen keine Fahrzeuge einführen. Dafür sind die Straßen gut, die Fernbusse ausgezeichnet, und Uruguay hat sich zum Elektroauto-Land Südamerikas entwickelt. Benzin allerdings ist teuer.
Uruguay ist ein Flächenland mit knapp dreieinhalb Millionen Einwohnern, von denen fast die Hälfte in und um Montevideo lebt. Dazwischen liegen weite, leere Landschaften mit guten Straßen und wenig Verkehr. Autofahren ist hier entspannt, aber es hat seinen Preis.
Das Wichtigste zuerst: dein Auto bleibt in Deutschland
Uruguay erlaubt privaten Ausländern nicht, ein Fahrzeug zollfrei einzuführen. Die Erleichterung für Umzugsgut gilt für Hausrat, nicht für Autos.
Es gibt eine Ausnahme für heimkehrende Uruguayer, die länger als zwei Jahre im Ausland gelebt haben, und selbst dort ist das Verfahren so aufwendig, dass Zollagenten davon abraten. Das Fahrzeug darf vier Jahre lang weder verkauft noch übertragen werden, und der Halter muss sich jedes Jahr beim Zoll melden.
Für dich heißt das schlicht: Verkauf dein Auto vor dem Umzug und kauf in Uruguay ein neues oder gebrauchtes. Rechne aber damit, dass Fahrzeuge dort deutlich teurer sind als in Deutschland, weil hohe Einfuhrabgaben auf allen Neuwagen liegen. Ein Gebrauchtwagen kostet in Uruguay ungefähr das, was in Deutschland ein zwei Jahre jüngerer kosten würde.
Der Hausrat dagegen darf mit
Wer seine Residencia beantragt hat oder besitzt, darf einmalig gebrauchten Hausrat zollfrei einführen. Der Antrag läuft über das Behördenportal, die Abwicklung über einen despachante de aduana, einen zugelassenen Zollagenten. Als Privatperson kannst du am Zoll nichts selbst erledigen.
Zwei Fristen sind wichtig: Der Container sollte nicht ankommen, bevor der Residencia-Antrag läuft, und seit deiner letzten Einreise sollten nicht mehr als hundertachtzig Tage vergangen sein. Ehepaare können zweimal einführen, einmal auf jeden Namen.
Die Packliste muss vollständig und auf Spanisch sein. Wer schludert, zahlt Standgeld im Hafen von Montevideo.
Der Führerschein
Mit deinem deutschen Führerschein und einem internationalen Führerschein darfst du als Tourist fahren. Wer seinen Wohnsitz nach Uruguay verlegt, braucht die uruguayische libreta de conducir.
Ausgestellt wird sie nicht vom Staat, sondern von der jeweiligen Gemeinde, der intendencia. Das heißt: Der Ablauf und die Kosten unterscheiden sich je nach Departamento.
Verlangt werden in der Regel die cédula, ein Wohnsitznachweis, ein Sehtest und eine ärztliche Untersuchung, dazu je nach Gemeinde eine theoretische oder praktische Prüfung. Ein deutscher Führerschein wird häufig anerkannt und erleichtert das Verfahren, eine automatische Umschreibung wie innerhalb der EU gibt es aber nicht. Frag bei deiner intendencia nach, bevor du planst.
Was das Fahren kostet
Kraftstoff ist teuer. Der Staatsbetrieb ANCAP hat das Monopol auf Raffinerie und Import, und die Preise liegen deutlich über dem, was in Nachbarländern verlangt wird. Für viele Haushalte ist das der Grund, das Auto nur für längere Wege zu nehmen.
Auf jedem Fahrzeug liegt eine jährliche Steuer, die patente, die über das landesweite System SUCIVE erhoben wird. Sie bemisst sich nach dem Fahrzeugwert und ist bei größeren Wagen spürbar.
Dazu kommt die Pflichtversicherung, das seguro obligatorio, deren Deckung allerdings niedrig ist. Eine erweiterte Haftpflicht ist dringend zu empfehlen, mehr dazu im Artikel über Versicherungen.
Warum plötzlich alle elektrisch fahren
Uruguay hat sich in wenigen Jahren zum führenden Markt für Elektroautos in Lateinamerika entwickelt, und die Gründe sind einleuchtend: Der Strom ist fast vollständig erneuerbar und im Vergleich zum Benzin günstig, die Einfuhrabgaben auf Elektrofahrzeuge sind stark ermäßigt, und die Entfernungen im kleinen Land passen zu den Reichweiten.
Der Staat hat entlang der Hauptstrecken ein Netz von Schnellladepunkten aufgebaut. Wer ein Haus mit eigener Zufahrt hat, lädt ohnehin zu Hause.
Für einen Zugezogenen, der ein Auto neu kaufen muss, ist das eine ernsthafte Überlegung wert — nicht aus Überzeugung, sondern weil die Rechnung aufgeht.
Straßen und Fahrweise
Die Hauptstraßen, die rutas, sind gut ausgebaut und werden unterhalten. Die Ruta Interbalnearia verbindet Montevideo mit der Küste, die Ruta 5 führt nach Norden.
Nebenstraßen sind oft Schotter, die caminos vecinales. Nach Regen werden sie weich, und ein Wagen mit etwas Bodenfreiheit ist auf dem Land kein Luxus.
Gefahren wird gemächlich und weitgehend gesittet, in Montevideo hektischer. Was Deutschen auffällt: An Kreuzungen wird viel über Blickkontakt geregelt, und Fußgänger haben es nicht leicht.
Zwei Regeln sind strenger als in Deutschland. Erstens gilt Lichtpflicht am Tag auf allen Überlandstraßen. Zweitens gilt für Alkohol am Steuer die Null-Promille-Grenze, und sie wird kontrolliert. Es gibt dabei keine Toleranz und keine Nachsicht.
Mautstellen, die peajes, stehen auf den größeren Strecken und werden bar oder mit Karte bezahlt.
Ohne eigenes Auto
Der Fernbus ist in Uruguay das, was in Deutschland die Bahn wäre, und er ist gut. Vom Terminal Tres Cruces in Montevideo fahren Busse in jede Stadt des Landes, mehrmals täglich, pünktlich, bequem und günstig. Wer ohne Auto lebt, kommt damit überall hin.
Innerhalb von Montevideo fahren Stadtbusse dicht getaktet. Bezahlt wird mit einer aufladbaren Karte.
Ein Schienenpersonenverkehr existiert nur in Ansätzen und spielt für den Alltag keine Rolle.
Taxis gibt es reichlich, dazu Fahrdienste per App in Montevideo und an der Küste. Auf dem Land wird es dünn, dort organisiert man sich über Nachbarn.
Was du daraus mitnehmen solltest
Plane damit, dass dein Auto in Deutschland bleibt und du in Uruguay neu kaufst — und dass dieser Kauf teurer wird, als du denkst.
Wer in Montevideo oder an der Küste wohnt, kommt eine Weile ohne Auto aus. Wer aufs Land zieht, braucht eines, und zwar eines, das Schotter verträgt.
Und wenn du neu kaufst, sieh dir an, was ein Elektroauto in Uruguay kostet. Es ist eines der wenigen Länder, in denen sich diese Rechnung heute schon deutlich lohnt.
Die Papiere am Fahrzeug
Jedes Fahrzeug braucht eine Zulassung bei der Gemeinde, in der es angemeldet ist. Der Fahrzeugschein heißt libreta de propiedad und gehört ins Auto, ebenso der Nachweis der Pflichtversicherung und der Beleg über die bezahlte patente.
Eine regelmäßige technische Hauptuntersuchung nach deutschem Vorbild gibt es nicht landesweit einheitlich; die Anforderungen unterscheiden sich je nach Departamento und Fahrzeugart. Für Taxis und gewerbliche Fahrzeuge ist die Prüfung strenger.
Beim Gebrauchtwagenkauf gilt derselbe Rat wie beim Haus: Lass einen escribano oder einen Fachmann prüfen, ob offene patente-Schulden auf dem Fahrzeug liegen. Sie gehen auf den neuen Halter über, und das ist eine böse Überraschung, die vermeidbar ist.
Werkstätten und Ersatzteile
Werkstätten gibt es überall, und uruguayische Mechaniker haben einen guten Ruf im Reparieren statt Austauschen. Ersatzteile für gängige Marken sind verfügbar, für seltenere europäische Modelle nicht immer.
Das ist ein Grund, beim Autokauf auf verbreitete Marken zu setzen. Ein Wagen, für den es im Land keine Teile gibt, steht schnell wochenlang.