Ankommen & Alltag
Ankommen und Alltag in Uruguay
Uruguay ist ruhig, höflich und langsamer als Deutschland. Der Alltag funktioniert, aber er funktioniert anders: mit der Cédula als Schlüssel zu allem, mit Mate in der Hand und mit einem Winter, der niemanden warnt.
Die ersten Wochen in einem neuen Land entscheiden viel. In Uruguay sind sie meist unspektakulär, und das ist gut so. Das Land empfängt einen freundlich, ohne Aufregung, und lässt einem Zeit.
Die ersten Handgriffe
Die Reihenfolge, die sich bewährt hat: Residencia-Antrag einreichen, cédula beantragen, Bankkonto eröffnen, Mutualista beitreten, Handykarte holen, Wohnung suchen.
Alles hängt an der cédula. Mit ihr geht fast alles, ohne sie fast nichts. Deshalb steht sie so weit vorn, und deshalb ist es günstig, dass Uruguay sie schon während des laufenden Verfahrens ausstellt.
Für Zahlungen im Alltag brauchst du früh die Zahlstellen Abitab und Redpagos. Dort zahlst du Rechnungen, lädst Karten auf und erledigst manches, wofür man in Deutschland ins Amt müsste. Sie sind überall und haben lange offen.
Der Rhythmus des Tages
Uruguay steht später auf und geht später schlafen als Deutschland. Läden öffnen gegen neun oder zehn, Mittag ist zwischen ein und drei, das Abendessen selten vor neun.
Wer um sieben Uhr abends essen gehen will, findet in kleineren Orten geschlossene Küchen. Wer um elf Uhr abends kommt, sitzt mitten im Betrieb.
Behörden und Banken arbeiten vormittags, oft nur bis in den frühen Nachmittag. Plane Behördengänge auf den Morgen.
Im Sommer verschiebt sich alles noch weiter nach hinten, im Winter etwas nach vorn.
Mate ist kein Getränk, sondern ein Verhalten
Wenn dir eines auffallen wird, dann das: Uruguayer tragen eine Thermoskanne unter dem Arm und einen Kürbisbecher in der Hand, überall, den ganzen Tag. Beim Spazieren, im Bus, im Büro, am Strand.
Mate zu teilen ist ein Zeichen von Zugehörigkeit. Wenn dir jemand seinen Becher reicht, ist das eine Einladung. Trink aus, gib ihn zurück, sag nicht danke — danke heißt in diesem Ritual: Ich will nichts mehr.
Das ist kein folkloristisches Detail. Es ist der einfachste Weg, mit Menschen ins Gespräch zu kommen.
Wie Uruguayer sind
Zurückhaltender als Argentinier, freundlicher als ihr Ruf, sehr höflich und wenig anfällig für große Gesten. Man begrüßt sich mit einem Wangenkuss, auch unter Männern und Frauen im Bekanntenkreis.
Es wird selten laut geworden und selten gedrängelt. Konflikte werden vermieden, was für Deutsche gewöhnungsbedürftig ist: Ein Nein wird oft in ein Vielleicht verpackt.
Anschluss zu finden dauert. Uruguayer sind zugänglich, aber ihre Freundeskreise sind seit der Schulzeit gewachsen. Wer dazugehören will, braucht Geduld und geht dahin, wo etwas gemeinsam gemacht wird: Sportverein, Chor, Kurs, Nachbarschaftsinitiative.
Einkaufen und Kosten
Große Supermarktketten gibt es in jeder Stadt. Daneben stehen kleine Läden, Wochenmärkte, die ferias, und Metzger mit sehr guter Ware.
Uruguay ist teurer, als viele erwarten. Importierte Waren, Elektronik, Kleidung und Autos sind spürbar teurer als in Deutschland. Fleisch, Wein, Saisongemüse und Dienstleistungen sind günstiger.
Die Mehrwertsteuer liegt beim Normalsatz bei zweiundzwanzig Prozent. Bei Kartenzahlung wird ein Teil erstattet, weshalb fast alle mit Karte zahlen.
Die ferias sind der beste Ort für Obst, Gemüse und Fisch, und sie sind zugleich der beste Ort, um Nachbarn kennenzulernen.
Sicherheit
Uruguay gilt als eines der sichersten Länder Lateinamerikas, und das trifft auch zu. Gewalt gegen Fremde ist selten.
Es gibt Diebstahl und Einbruch, vor allem in Montevideo und in den Ferienorten außerhalb der Saison. Die üblichen Vorsichtsmaßnahmen reichen: keine sichtbaren Wertsachen, nachts nicht durch leere Straßen, Haus abschließen, Gitter an Fenstern im Erdgeschoss.
Auf dem Land ist es sehr ruhig. Viele Häuser stehen wochenlang leer, und Nachbarn passen aufeinander auf.
Sprache
Ohne Spanisch geht es nicht. Englisch hilft in Montevideo und im Tourismus, sonst kaum.
Das uruguayische Spanisch spricht das Doppel-L und das Ypsilon wie ein weiches Sch, ähnlich wie in Argentinien, und verwendet vos statt tú. Wer Schulspanisch mitbringt, versteht die ersten Wochen wenig und danach schnell mehr.
Der schnellste Fortschritt kommt nicht aus dem Kurs, sondern vom Bäcker, vom Markt und vom Nachbarn.
Der Winter, noch einmal
Dies ist die Stelle, an der der Alltagsartikel unbequem wird. Der uruguayische Winter ist mild, aber die Häuser sind es nicht.
Rechne von Anfang an mit Heizkosten, einem Luftentfeuchter und warmer Kleidung im Haus. Wer im Januar ankommt und begeistert ist, sollte sich den Juli vormerken, bevor er ein Haus kauft.
Feiertage und Jahreslauf
Uruguay ist strikt weltlich. Die Feiertage tragen offiziell keine religiösen Namen: Weihnachten heißt Tag der Familie, Ostern heißt Woche des Tourismus.
Im Januar und Februar ist das halbe Land am Meer, die Städte leeren sich, Handwerker sind schwer zu bekommen. Wer etwas erledigt haben will, plant es nicht in diese Wochen.
Der Karneval in Uruguay ist der längste der Welt und dauert über vierzig Tage. Die Murgas, singende Straßentruppen mit politischem Spott, sind ein eigenes Erlebnis und für Zugezogene ein guter Einstieg in die Kultur des Landes.
Was du dir vornehmen solltest
Bleib das erste halbe Jahr zur Miete. Lern Spanisch von Anfang an. Geh zur feria, auch wenn du nichts brauchst. Und erwarte nicht, dass etwas schnell geht — es geht dafür ziemlich sicher.
Wo Deutschsprachige zu finden sind
Die deutschsprachige Gemeinschaft in Uruguay ist klein, aber sie existiert und sie ist gewachsen. In Montevideo gibt es eine deutsche Schule, evangelische und katholische Gemeinden mit deutschsprachigen Angeboten und mehrere Vereine.
Außerhalb der Hauptstadt wird es dünn. In Punta del Este und an der Küste trifft man Zugezogene aus Europa, im Landesinneren fast nicht.
Wer Anschluss an Deutschsprachige sucht, sollte das bei der Ortswahl mitdenken. Wer ihn nicht braucht, hat mehr Auswahl.
Post, Behörden, Papierkram
Die Post ist zuverlässig, aber langsam. Sendungen aus Europa brauchen Wochen und werden beim Zoll geöffnet; Pakete über einem geringen Wert kosten Abgaben.
Behördengänge laufen freundlich und geduldig ab, aber selten in einem Anlauf. Nimm immer mehr Papiere mit, als verlangt werden, und immer Kopien. Frag am Ende jedes Termins, was noch fehlt, und lass es dir aufschreiben.
Vieles lässt sich inzwischen über das Behördenportal des Landes online erledigen. Uruguay ist digital weiter, als man erwartet.