💰 Steuern und Finanzen
Steuern in Ungarn — der Überblick für EU-Bürger
Fünfzehn Prozent Einkommensteuer klingen einfach, sind aber nicht das Ende der Rechnung: Auf manche Einkünfte kommt ein Sozialbeitrag. Dazu die Frage, welcher Staat was besteuert, warum der Abmeldetag dein Steuerjahr teilt und was für Selbständige gilt.
Wer seinen Wohnsitz nach Ungarn verlegt, wird dort steuerpflichtig — und zwar mit dem weltweiten Einkommen. Der bekannte Grund, warum viele kommen, ist der Steuersatz: eine einheitliche Einkommensteuer von fünfzehn Prozent, ohne Progression. Der weniger bekannte Teil ist, dass damit die deutsche Steuerpflicht nicht automatisch endet und dass auf den Steuersatz noch Abgaben kommen können.
Wann du in Ungarn steuerpflichtig wirst
Maßgeblich ist die Ansässigkeit, nicht die Staatsangehörigkeit. Ansässig bist du in der Regel, wenn du hier deinen ständigen Wohnsitz oder den Mittelpunkt deiner Lebensinteressen hast — grob gesagt: wo du wohnst, wo deine Familie ist, wo dein Alltag stattfindet. Ein längerer Aufenthalt im Kalenderjahr wirkt in dieselbe Richtung.
Der Punkt, an dem es schiefgeht, ist die beibehaltene Wohnung in Deutschland. Wer dort ein Zimmer behält, das ihm jederzeit zur Verfügung steht, bleibt unter Umständen auch in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig. Dann entscheidet das Doppelbesteuerungsabkommen, wo der Mittelpunkt liegt — und das ist eine Einzelfallprüfung, keine Formsache.
Die fünfzehn Prozent — und was dazukommt
Die Einkommensteuer liegt einheitlich bei fünfzehn Prozent, für Arbeitslohn wie für Mieteinkünfte und Kapitalerträge. Eine Progression gibt es nicht, einen Solidaritätszuschlag auch nicht.
Was viele übersehen: Auf bestimmte Einkünfte kommt zusätzlich ein Sozialbeitrag. Er trifft vor allem Kapitalerträge und Mieteinkünfte oberhalb bestimmter Grenzen und kann den effektiven Satz spürbar anheben. Rechne also nicht mit fünfzehn Prozent als Endergebnis, sondern lass deinen Fall einmal durchrechnen.
Was Deutschland trotzdem besteuert
Auch nach dem Wegzug bleiben bestimmte Einkünfte in Deutschland steuerpflichtig. Das betrifft regelmäßig Mieteinkünfte aus deutschen Immobilien, Einkünfte aus einem deutschen Gewerbebetrieb und Ruhegehälter aus öffentlichen Kassen. Die gesetzliche Rente wird in Deutschland beschränkt steuerpflichtig behandelt.
Welche Einkunftsart wo besteuert wird, regelt das Abkommen zwischen Deutschland und Ungarn, und es fällt für Rente, Miete, Kapital und Arbeitslohn verschieden aus. Genau deshalb gehört diese Aufteilung einmal vor dem Wegzug geklärt und nicht nach der ersten Erklärung.
Der Abmeldetag teilt dein Steuerjahr
Mit der Aufgabe des deutschen Wohnsitzes endet dort die unbeschränkte Steuerpflicht. Der gewählte Tag bestimmt, welche Einkünfte noch deutsch und welche schon ungarisch versteuert werden. Wenn eine Abfindung, ein Bonus, ein Immobilienverkauf oder eine Rentennachzahlung ansteht, macht ein Unterschied von wenigen Wochen viel aus. Rechne das durch, bevor du den Termin beim Bürgeramt machst.
Die Steuernummer und die Erklärung
Die adóazonosító jel bekommst du beim Finanzamt NAV, kostenlos. Sie ist Voraussetzung für Arbeitsvertrag, Gewerbe und Bankkonto.
Die Steuererklärung läuft elektronisch. Das Finanzamt stellt für Arbeitnehmer und Rentner einen vorausgefüllten Entwurf bereit, den du prüfst, ergänzt und freigibst. Wer nur Lohn bezieht, ist damit in kurzer Zeit fertig; wer Miete, Kapital oder ausländische Einkünfte hat, sollte den Entwurf nicht ungeprüft bestätigen.
Für Selbständige: das Kleinunternehmerverfahren
Ungarn hat vereinfachte Verfahren für Kleinunternehmer und kleine Gesellschaften, die statt der üblichen Besteuerung eine Pauschale vorsehen. Sie sind der Grund, warum viele Selbständige herkommen — aber der Zugang ist an Bedingungen geknüpft, die sich in den letzten Jahren mehrfach geändert haben, unter anderem daran, für wen du arbeitest.
Wenn Selbständigkeit dein Weg ist, ist das der eine Punkt, an dem sich ein ungarischer Steuerberater von Anfang an rechnet. Für die Zeit vor dem Umzug gilt dasselbe für die deutsche Seite.
Häufige Fehler
Die deutsche Wohnung behalten und annehmen, damit sei man steuerlich raus.
Nur auf den Satz von fünfzehn Prozent schauen und den Sozialbeitrag übersehen.
Den Abmeldetag zufällig wählen.
Das ungarische Konto nicht in der deutschen Erklärung angeben. Zwischen den Staaten läuft ein automatischer Austausch über Finanzkonten; Abweichungen fallen auf.
Was du zuerst tust
Vor dem Umzug die Aufteilung deiner Einkünfte klären lassen und den Stichtag bewusst wählen. Nach dem Umzug die Steuernummer beantragen, den vorausgefüllten Entwurf prüfen und — wenn du selbständig bist oder Einkünfte aus mehreren Ländern hast — einen Berater vor Ort nehmen. Fünfzehn Prozent sind ein guter Ausgangspunkt, aber sie ersetzen keine Planung.