Immobilien und Notar
Wohnung mieten in der Türkei: Vertrag, Notar, Kaution
Für die Aufenthaltserlaubnis muss der Mietvertrag notariell beglaubigt sein — und das Viertel muss für Ausländermeldungen offen sein. Was Kaution, Index-Erhöhung und Kündigung bedeuten und worauf du bei der Besichtigung achtest.
Mieten ist in der Türkei der vernünftige erste Schritt — und für Zugezogene sogar zwingend, weil die Aufenthaltserlaubnis an eine Adresse hängt, die man erst einmal haben muss.
Wo du suchst
Der Markt läuft über Portale im Netz und über Makler, die in jedem Ort an der Hauptstraße sitzen. An der Küste sind viele davon auf Ausländer eingestellt und sprechen Deutsch — bequem, aber es gibt Preise für Einheimische und Preise für Zugezogene. Ein zweiter Blick über einen türkischsprachigen Bekannten lohnt fast immer.
Auf dem Land und in kleineren Orten läuft vieles über Mundpropaganda, den Teehausbesitzer und den Hausmeister der Anlage. Wichtig vor jeder Besichtigung: Lass prüfen, ob das Viertel für Ausländermeldungen offen ist — in hunderten Stadtteilen wird keine Aufenthaltserlaubnis mehr erteilt, und ein Mietvertrag dort nützt dir nichts.
Was es kostet
Die Spannen sind groß und die Preise ziehen mit der Inflation an. In Antalya, Alanya oder Fethiye liegen Zweizimmerwohnungen je nach Lage und Ausstattung meist zwischen 300 und 600 Euro im Monat, in Istanbul deutlich darüber, im Landesinneren darunter. Möblierte Ferienwohnungen sind in der Saison teurer und im Winter oft für einen Bruchteil zu haben.
Rechne die Nebenkosten mit: In Wohnanlagen kommt das aidat hinzu, die monatliche Umlage für Pool, Garten, Hausmeister und Sicherheit — von wenigen Euro bis zu dreistelligen Beträgen.
Die Nebenkosten
Strom, Wasser und Gas laufen über eigene Verträge auf deinen Namen; ohne DASK-Police wird kein Zähler angemeldet. Die Müllgebühr ist meist in der Grundsteuer des Eigentümers enthalten. Im Winter ist der Strom der große Posten, im Sommer die Klimaanlage.
Kaution und Sicherheit
Üblich sind ein bis drei Monatsmieten Kaution, meist bar oder per Überweisung an den Vermieter. Ein Treuhandkonto gibt es nicht. Lass Höhe, Zweck und die Rückzahlungsbedingungen in den Vertrag schreiben und quittieren; ohne Beleg ist die Kaution beim Auszug ein häufiger Streitpunkt.
Verlangt wird außerdem oft eine Vorauszahlung mehrerer Monatsmieten, gerade von Ausländern ohne türkisches Einkommen. Das ist Verhandlungssache.
Der Vertrag
Der Mietvertrag, kira sözleşmesi, wird schriftlich geschlossen, meist für ein Jahr, und verlängert sich stillschweigend. Er ist auf Türkisch, und die türkische Fassung gilt — lass ihn übersetzen oder von jemandem lesen, der die Sprache kann.
Für die Aufenthaltserlaubnis muss der Vertrag beim Notar beglaubigt werden. Ohne diese Beglaubigung erkennt die Ausländerbehörde ihn nicht an. Das ist einer der häufigsten Gründe für abgelehnte Anträge.
Achte auf die Angabe, ob die Miete in Lira oder in Fremdwährung vereinbart ist; für viele Verträge ist die Vereinbarung in Fremdwährung eingeschränkt.
Die Papiere
Der Vermieter will Reisepass und in der Regel die Steuernummer sehen, manchmal einen Einkommensnachweis. Umgekehrt solltest du dir zeigen lassen, dass er im TAPU als Eigentümer eingetragen ist — Untervermietung ohne Wissen des Eigentümers kommt vor, und du stehst dann ohne wirksamen Vertrag da.
Miete und Erhöhung
Erhöhungen sind einmal jährlich möglich und an einen amtlichen Index gebunden, der sich an der Inflation orientiert. Sie sind damit rechtlich gedeckelt, aber real deutlich spürbar. Verlangt der Vermieter mehr, ist das nicht durchsetzbar — vorausgesetzt, du hast einen schriftlichen Vertrag.
Kündigung
Als Mieter kündigst du mit fünfzehn Tagen Frist zum Ende der Vertragslaufzeit, schriftlich. Der Vermieter kann nicht einfach kündigen: Er braucht einen gesetzlichen Grund wie Eigenbedarf oder Zahlungsverzug, und Räumungsverfahren dauern. Der Mieterschutz ist stärker, als viele erwarten.
Bei der Besichtigung
Achte auf Feuchtigkeit und Schimmel an Außenwänden und in Bädern — bei ungedämmten Bauten im Winter das Hauptproblem. Prüfe die Fenster auf Doppelverglasung, zähl die Klimageräte und frag nach ihrem Alter. Lass dir die Stromrechnungen des letzten Winters zeigen. Prüf den Wasserdruck in den oberen Stockwerken und ob ein Wassertank vorhanden ist. Sieh dir an, ob der Solarkollektor auf dem Dach funktioniert.
Und geh einmal abends hin: Ob nebenan eine Bar, eine Moschee oder eine Baustelle ist, merkst du mittags nicht.
Möbliert oder leer
Unmöbliert heißt in der Türkei oft wirklich leer: ohne Küche, ohne Schränke, manchmal ohne Lampen. Möblierte Wohnungen sind an der Küste verbreitet und für das erste Jahr die vernünftigere Wahl — sie sind sofort bewohnbar und binden dich nicht an Anschaffungen, bevor du weißt, ob du bleibst.
Bei Streit
Reagiere schriftlich. Für Mietstreitigkeiten sind die Gerichte zuständig, für kleinere Beträge die Verbraucherschlichtung. Ein Mieterschutzverein nach deutschem Muster existiert nicht; die erste Adresse ist ein Anwalt, dessen Honorar sich nach einer Gebührenordnung richtet.
Beim Auszug
Kündige die Versorgerverträge selbst und lass dir die Schlussrechnungen geben, sonst läuft der Zähler auf deinen Namen weiter. Übergib die Wohnung gemeinsam und halte den Zustand mit Fotos fest. Und melde die neue Adresse im e-Devlet um — solange dort die alte steht, geht Behördenpost dorthin, und das betrifft auch die Aufenthaltserlaubnis.
Wenn du länger bleiben willst
Ein Mietvertrag über ein Jahr, notariell beglaubigt, ist die Grundlage für die erste Aufenthaltserlaubnis und für ihre Verlängerung. Läuft der Vertrag aus, während der Antrag noch geprüft wird, kann das zur Ablehnung führen. Verlängere ihn rechtzeitig und lass die Verlängerung ebenfalls beglaubigen — das ist die kleine Formalie, an der die große Sache hängt.