Strom, Gas, Wasser
Strom, Gas und Wasser in der Türkei: Anmeldung und Alltag
Ohne DASK kein Zähler: Was du zur Anmeldung brauchst, warum Trinkwasser aus der 19-Liter-Flasche kommt und weshalb dein deutsches Handy nach 120 Tagen gesperrt wird.
Strom, Wasser und Gas sind in der Türkei schnell angemeldet, günstig im Verbrauch und im Alltag zuverlässiger, als der Ruf des Landes vermuten lässt. Ein paar Eigenheiten gibt es trotzdem.
Was du zur Anmeldung brauchst
Für jeden Vertrag verlangen die Versorger dieselben Papiere: Reisepass, türkische Steuernummer, den Mietvertrag oder den TAPU, und bei Wohnungen die DASK-Police. Ohne die Erdbebenversicherung wird kein Zähler angemeldet — das ist die häufigste Ursache dafür, dass Neuankömmlinge in der ersten Woche ohne Strom sitzen.
Beim Einzug wird eine Kaution hinterlegt, die du beim Auszug zurückbekommst. Läuft der Vertrag noch auf den Vormieter, wird umgemeldet; einfach weiterlaufen zu lassen ist keine gute Idee, weil offene Beträge auf den Zähler gehen, nicht auf die Person.
Strom
Der Netzbetreiber ist regional, der Vertrieb inzwischen teilweise wählbar; die meisten bleiben beim örtlichen Anbieter. Abgerechnet wird monatlich nach Verbrauch, gezahlt wird per Lastschrift, in der App oder an Automaten. Die Preise sind niedriger als in Deutschland, steigen aber mit der Inflation regelmäßig.
Zwei Dinge sind ungewohnt: Kurze Stromausfälle kommen vor, besonders im Sommer an der Küste, wenn alle Klimaanlagen laufen, und nach Unwettern. Wer auf Strom angewiesen ist — medizinische Geräte, Homeoffice —, hält eine Notstromlösung oder mindestens eine Pufferbatterie für den Router bereit. Und: In vielen Häusern hängt der Warmwasserboiler am Strom und ist der größte Einzelposten der Rechnung.
Wasser
Die Wasserversorgung liegt bei der Kommune. Anmeldung im Wasseramt der Stadt, Abrechnung monatlich, Preise gering. Leitungswasser ist in weiten Teilen des Landes technisch trinkbar, wird aber praktisch nirgends getrunken: Getrunken wird aus 19-Liter-Flaschen, die der Händler an die Wohnungstür liefert und die wenige Euro kosten. Das ist landesweit üblich und funktioniert reibungslos.
Wasserabschaltungen für einige Stunden kommen bei Reparaturen vor; in Trockenjahren gibt es in einzelnen Regionen Einschränkungen. Ein Wassertank auf dem Dach oder im Haus ist deshalb Standard und überbrückt solche Zeiten.
Gas
Erdgas liegt in Istanbul, Ankara, Izmir, Bursa und vielen weiteren Städten an und ist dort die günstigste Heizform. An der Mittelmeerküste ist das Netz dünner; dort wird mit Klimaanlagen, Strom oder Flüssiggasflaschen geheizt und gekocht. Die Gasflasche, tüp, wird vom Händler geliefert und getauscht — ein Anruf, und sie steht innerhalb einer Stunde vor der Tür.
Internet und Telefon
Glasfaser ist in den Städten und in den größeren Küstenorten verbreitet, die Preise liegen deutlich unter deutschen. Für den Vertrag brauchst du wieder Steuernummer und Adressnachweis. In Bergdörfern und abgelegenen Lagen ist die Anbindung schwächer; Mobilfunk deckt fast das ganze Land ab und ist schnell.
Ein Punkt, der viele überrascht: Ein im Ausland gekauftes Mobiltelefon wird nach 120 Tagen im Land gesperrt, wenn es nicht gegen eine Gebühr registriert wird. Die Gebühr ist beträchtlich. Wer länger bleibt, kauft oft einfach ein Gerät vor Ort.
Müll und Nebenkosten
Die Müllabfuhr wird über die Kommune finanziert und ist meist in der Grundsteuer oder in einer geringen Gebühr enthalten. In Wohnanlagen kommt das aidat hinzu, die monatliche Umlage für Hausmeister, Pool, Garten und Sicherheit — je nach Anlage von wenigen Euro bis zu dreistelligen Beträgen im Monat. Frag danach, bevor du mietest oder kaufst; bei Ferienanlagen ist es der Posten, der die günstige Miete relativiert.
Beim Einzug in dieser Reihenfolge
Zählerstände gemeinsam mit dem Vermieter notieren und fotografieren. Dann DASK sichern, danach Strom, danach Wasser, danach Internet — der Anschlusstermin fürs Netz hat die längste Vorlaufzeit. Und heb alle Quittungen auf: Bei der Verlängerung der Aufenthaltserlaubnis werden Versorgerrechnungen gelegentlich als Nachweis dafür verlangt, dass du tatsächlich an der gemeldeten Adresse wohnst.
Heizen und Kühlen
An der Küste wird mit Klimaanlagen geheizt und gekühlt, im Landesinneren mit Erdgas, Holz oder Kohle. Türkische Bauten sind oft schlecht gedämmt und für den Sommer gedacht; ein Winter in Antalya ist mild, aber ein Steinhaus ohne Dämmung fühlt sich bei zwölf Grad Innentemperatur kalt und feucht an. Wer im Winter bleibt, plant die Heizkosten ein — sie überraschen fast jeden im ersten Jahr.
Solaranlagen für Warmwasser sind auf fast jedem Dach installiert und arbeiten von Frühjahr bis Herbst zuverlässig; im Winter springt der elektrische Boiler ein.
Wenn etwas ausfällt
Handwerker sind schnell, günstig und pragmatisch. Der Hausmeister der Anlage, der kapıcı, ist die erste Adresse für alles: Er kennt den Elektriker, den Klempner und den Gasmann und organisiert das meist am selben Tag. In Wohnanlagen gehört er zum Alltag und ist über das aidat mitbezahlt.
Beim Auszug
Kündige die Verträge selbst und lass dir die Schlussrechnung geben, sonst läuft der Zähler auf deinen Namen weiter. Die Kaution bekommst du nur zurück, wenn du sie einforderst und die Rechnungen beglichen sind. Vergiss die Ummeldung im e-Devlet nicht: Solange dort deine alte Adresse steht, gehen Behördenpost und Zustellungen dorthin.