Steuern und Finanzen
Steuern in der Türkei: Ansässigkeit, Rente, Inflation
Ab sechs Monaten im Land bist du steuerlich ansässig. Was das Doppelbesteuerungsabkommen mit deiner Rente macht, warum der Wegzug in Deutschland teurer werden kann und wie du mit der Inflation umgehst.
Die türkische Steuer ist für Zuziehende überschaubar, solange man einen Punkt versteht: Wer hier länger als sechs Monate im Kalenderjahr lebt, gilt als steuerlich ansässig — und dann zählt grundsätzlich das weltweite Einkommen.
Wann die Türkei dich besteuert
Maßgeblich ist der Wohnsitz oder ein Aufenthalt von mehr als sechs Monaten innerhalb eines Kalenderjahres. Für Ansässige gilt die unbeschränkte Steuerpflicht, für alle anderen nur das im Land erzielte Einkommen. Das Steuerjahr ist das Kalenderjahr, die Erklärung wird im März des Folgejahres abgegeben, gezahlt wird in zwei Raten im März und im Juli.
Die Einkommensteuer ist gestaffelt und beginnt bei 15 Prozent. Renten aus dem Ausland werden von der Türkei in der Regel nicht besteuert, wenn sie im Herkunftsland der Besteuerung unterliegen; maßgeblich ist das jeweilige Doppelbesteuerungsabkommen.
Was mit deiner deutschen Rente passiert
Zwischen Deutschland und der Türkei gilt ein Doppelbesteuerungsabkommen. Gesetzliche Renten aus der deutschen Sozialversicherung werden danach grundsätzlich in Deutschland besteuert; die Türkei greift nicht zusätzlich zu. Wer in Deutschland abgemeldet ist, wird dort beschränkt steuerpflichtig — mit dem Nachteil, dass Grundfreibetrag und viele Abzüge entfallen, sofern kein Antrag auf unbeschränkte Steuerpflicht gestellt wird.
Das ist die Stelle, an der sich Rechnen lohnt: Je nach Rentenhöhe kann der Wegzug in Deutschland zu einer höheren Steuer führen als vorher. Lass das einmal durchrechnen, bevor du abmeldest, nicht danach.
Für Österreich und die Schweiz gelten eigene Abkommen mit abweichenden Regeln.
Die Inflation ist der eigentliche Faktor
Die Türkei hat seit Jahren zweistellige Inflationsraten, zeitweise deutlich darüber. Für dich als Zuziehenden bedeutet das zweierlei. Erstens: Preise in Lira sind nach wenigen Monaten überholt. Verträge, Mieten und Gehälter werden regelmäßig angepasst, und Mieterhöhungen sind an einen amtlichen Index gebunden. Zweitens: Wer Euro oder Franken einnimmt und in Lira ausgibt, gewinnt — wer in Lira spart, verliert.
Praktisch heißt das: Halte deine Rücklagen in einer harten Währung, wechsle in Etappen, und schließe Verträge, wenn möglich, in Euro ab. Bei Mieten für Ausländer ist das teilweise üblich, teilweise gesetzlich eingeschränkt.
Konto und Geldverkehr
Ein türkisches Konto brauchst du für Miete, Strom und die Aufenthaltserlaubnis. Voraussetzung sind Reisepass und Steuernummer, bei manchen Banken zusätzlich die Meldeadresse. Es gibt Fremdwährungskonten in Euro und Dollar, die parallel geführt werden können.
Überweisungen aus dem Ausland kommen problemlos an, dauern aber teils Tage und werden von den Banken zu ihrem eigenen Kurs gewechselt — der Unterschied zum Marktkurs ist spürbar. Wer regelmäßig Geld transferiert, vergleicht Anbieter.
Weitere Steuern, die dich betreffen
Auf Immobilien wird jährlich Grundsteuer erhoben, mit niedrigen Sätzen, gezahlt in zwei Raten an die Gemeinde. Beim Kauf fällt eine Erwerbsteuer an, die zwischen Käufer und Verkäufer geteilt wird, in der Praxis aber oft ganz beim Käufer landet. Bei Mieteinnahmen gibt es einen jährlichen Freibetrag, darüber wird veranlagt.
Auf fast alle Waren und Dienstleistungen liegt die Mehrwertsteuer, dazu kommt auf Fahrzeuge, Kraftstoff, Alkohol, Tabak und Elektronik eine besondere Verbrauchsteuer, die viele Produkte deutlich teurer macht als in Europa. Ein importiertes Auto kostet in der Türkei ein Vielfaches des deutschen Preises — das ist der Grund, warum sich die Mitnahme des eigenen Wagens fast nie rechnet.
Was du festhalten solltest
Hebe alle Belege über deinen Zuzug auf: Mietvertrag, Aufenthaltserlaubnis, Kontoeröffnung, Flugtickets. Sie belegen, ab wann dein Lebensmittelpunkt gewechselt ist — und genau das ist die Frage, die dir das deutsche Finanzamt Jahre später stellen kann.
Wenn du in der Türkei arbeitest oder gründest
Angestellte zahlen Sozialversicherungsbeiträge in die SGK, Arbeitgeber und Arbeitnehmer gemeinsam; damit ist die Krankenversicherung abgedeckt. Die Löhne liegen deutlich unter westeuropäischem Niveau, die Lebenshaltungskosten außerhalb der Touristenorte ebenfalls.
Für Selbständige gibt es die Einzelfirma und die Kapitalgesellschaft. Die Gesellschaft ist der übliche Weg für Ausländer, weil sie zugleich die Arbeitserlaubnis trägt; sie verlangt Stammkapital, einen Buchhalter und monatliche Meldungen. Der Buchhalter, der muhasebeci, ist in der Türkei keine Kür, sondern Pflichtbestandteil des Geschäftslebens — ohne ihn lässt sich die Meldelage nicht bewältigen.
Was der Alltag kostet
Lebensmittel vom Markt, Handwerker, Gastronomie und Dienstleistungen sind erheblich günstiger als in Deutschland. Teuer sind importierte Waren, Elektronik, Autos und alles, worauf die besondere Verbrauchsteuer liegt. Strom und Wasser sind moderat, Heizen im Winter an der Küste ist wegen schlecht gedämmter Bauten trotzdem ein Posten.
Das erste Jahr
Im Umzugsjahr überschneiden sich die Systeme: Für den Teil des Jahres vor dem Wegzug bleibst du in der Heimat unbeschränkt steuerpflichtig, danach greift die türkische Ansässigkeit. Zwei Erklärungen für dasselbe Jahr sind der Normalfall. Und weil die Türkei seit Jahren am automatischen Informationsaustausch über Finanzkonten teilnimmt, erfährt die deutsche Seite ohnehin von türkischen Konten — Verschweigen ist keine Möglichkeit, sondern ein späteres Verfahren.
Zwei Dinge, die man früh regeln sollte
Erstens die Frage, wo dein Geld liegt. Konten in der Türkei sind für den Alltag nötig, für Rücklagen aber wegen der Währungsentwicklung ungeeignet. Die verbreitete Lösung ist ein Konto in der Heimat für das Vermögen und ein türkisches für den laufenden Bedarf.
Zweitens die Frage der Erreichbarkeit: Für e-Devlet, Bank und Behörden brauchst du eine türkische Mobilnummer. Ein ausländisches Telefon wird nach 120 Tagen im Land gesperrt, wenn es nicht gegen Gebühr registriert wird — ein Ärgernis, das viele überrascht. Plan ein, dass du entweder registrierst oder ein Gerät vor Ort kaufst.