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Heizen in der Türkei: Klimaanlage, Gas und der feuchte Winter

An der Küste heizt die Klimaanlage, in den Städten Erdgas, auf dem Land Holz. Warum ungedämmte Häuser im milden Winter feucht und teuer werden und was du bei der Besichtigung prüfst.

8 Min. Lesezeit · 🇹🇷 Türkei

Heizen in der Türkei: Klimaanlage, Gas und der feuchte Winter

Die Türkei gilt als warmes Land, und genau daran scheitern viele im ersten Winter. An der Küste fällt das Thermometer selten unter zehn Grad — aber die Häuser sind für den Sommer gebaut, und zehn Grad in einem ungedämmten Betonbau fühlen sich anders an als zehn Grad in Deutschland.

Womit geheizt wird

An der Mittelmeer- und Ägäisküste heizen die meisten mit der Klimaanlage. Moderne Geräte arbeiten als Wärmepumpe und sind in dieser Bauweise die günstigste Lösung; ein Gerät je Raum ist üblich. Alte Geräte dagegen fressen Strom und heizen schlecht.

In den Städten des Nordens und im Landesinneren liegt Erdgas an — Istanbul, Ankara, Izmir, Bursa, Eskişehir und viele mehr. Dort ist eine Zentralheizung mit Gastherme der Normalfall und deutlich billiger als Strom.

Auf dem Land wird mit Holz und Kohle geheizt, im Ofen oder in einer einfachen Zentralheizung. Das ist billig und arbeitsintensiv, und die Luft in den Dörfern ist im Winter entsprechend.

Verbreitet ist außerdem der Kaminofen (soba) als Zusatzwärme, und in Neubauten zunehmend die Fußbodenheizung.

Warmwasser kommt von der Sonne

Auf fast jedem Dach steht ein Solarkollektor mit Tank. Von April bis Oktober liefert er kostenlos so viel Warmwasser, wie ein Haushalt braucht. Im Winter und bei bedecktem Himmel springt der elektrische Boiler ein — er ist dann der größte Einzelposten auf der Stromrechnung. Prüfe beim Einzug, ob der Kollektor funktioniert und der Tank dicht ist; reparieren lässt sich das für wenig Geld, aber niemand macht es von allein.

Der Winter an der Küste

Von Dezember bis März regnet es, oft tagelang, und die Luftfeuchtigkeit ist hoch. Ungedämmte Wände, Einfachverglasung und Fliesenböden machen daraus ein Klima, in dem Schimmel entsteht. Wer im Winter bleibt, sollte täglich lüften und heizen, auch wenn es draußen mild ist — genau das unterlassen viele, weil sie denken, im Süden brauche man nicht zu heizen.

Die Stromrechnung im Januar überrascht deshalb fast jeden im ersten Jahr. Rechne in einer mittelgroßen Wohnung mit dem Zwei- bis Dreifachen des Sommerwerts.

Was du beim Besichtigen prüfst

Fenster: Doppelverglasung ist in Neubauten Standard, in älteren Wohnungen keineswegs. Wände: Außendämmung erkennt man am Putzaufbau und daran, ob die Wand innen kalt ist. Ausrichtung: Eine Wohnung nach Süden ist im Winter warm und im August eine Sauna, nach Norden umgekehrt — an der Küste ist Südwest mit Beschattung meist der beste Kompromiss. Und die Heizkörper oder Klimageräte: Wie viele gibt es, wie alt sind sie?

Frag nach den Stromrechnungen der letzten beiden Winter. Das ist die ehrlichste Auskunft über ein Haus, die du bekommen kannst.

Kühlen ist die andere Hälfte

Von Juni bis September liegen die Temperaturen an der Küste über dreißig Grad, im Südosten weit darüber, dazu hohe Luftfeuchtigkeit. Ohne Klimaanlage ist eine Stadtwohnung im August kaum bewohnbar. Traditionelle Häuser arbeiten mit dicken Mauern, Innenhöfen und Fensterläden — wer so ein Haus findet, hat es im Sommer besser als in jedem Neubau mit Glasfassade.

Ein Ventilator an der Decke kostet wenig, verbraucht fast nichts und macht die gefühlte Temperatur um mehrere Grad erträglicher.

Kosten und Anschaffung

Klimageräte sind vor Ort günstig zu kaufen und werden mit Montage angeboten. Achte auf die Energieklasse und darauf, dass es ein Inverter-Gerät mit Wärmepumpenfunktion ist; die Mehrkosten holst du im ersten Winter herein. Gasflaschen für Ofen und Herd liefert der Händler.

Für größere Umbauten — Dämmung, neue Fenster, Fußbodenheizung — brauchst du in Wohnanlagen die Zustimmung der Eigentümergemeinschaft. Bei Fassadenarbeiten immer, weil das Erscheinungsbild betroffen ist.

Der ehrliche Rat

Wenn du überlegst, dauerhaft an der Küste zu leben, verbring einen Januar dort, bevor du kaufst. Der Sommer verkauft sich von selbst; die Frage ist, ob du den Winter magst — grau, feucht, halb leere Orte, geschlossene Restaurants. Wer ihn mag, hat die schönste Nebensaison Europas. Wer ihn nicht erwartet hat, ist im zweiten Jahr wieder weg.

Was Heizen und Kühlen ungefähr kosten

Eine mittelgroße Wohnung an der Küste kommt im Sommer auf moderate Stromrechnungen, im Januar dagegen leicht auf das Doppelte bis Dreifache — mit alten Klimageräten noch mehr. In den Gasstädten liegt eine Gasrechnung im Winter für eine Dreizimmerwohnung im niedrigen dreistelligen Bereich pro Monat. Holz wird in Raummetern verkauft und ist die billigste Wärme, wenn du Platz zum Lagern hast.

Die Preise steigen mit der Inflation regelmäßig; feste Zahlen aus Foren sind nach einer Heizperiode überholt. Verlässlich sind nur die Rechnungen des Vorbewohners.

Feuchtigkeit ist das eigentliche Problem

Nicht die Kälte macht den Winter unangenehm, sondern die Nässe in den Wänden. Wo dauerhaft niemand heizt und lüftet, wächst Schimmel — in Ferienwohnungen, die von November bis April leer stehen, ist er die Regel. Wenn du dein Haus über den Winter verlässt, stell die Heizung auf eine Grundtemperatur und bitte jemanden, regelmäßig zu lüften. Ein Luftentfeuchter kostet wenig und rettet Möbel und Kleidung.

Umbauen und dämmen

Eine nachträgliche Außendämmung ist in Wohnanlagen nur gemeinsam möglich und wird selten beschlossen. Was einzeln geht: neue Fenster mit Doppelverglasung, Dichtungen an Türen, ein Rollladen oder eine Markise gegen die Sommersonne, und der Austausch alter Klimageräte gegen Inverter-Geräte. Handwerker sind schnell und günstig, Material ist vor Ort zu bekommen. Rechne für neue Fenster in einer Dreizimmerwohnung mit einem vierstelligen Betrag — und mit einem Winter, der sich danach völlig anders anfühlt.

Stand: 9.9.2026

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