Haustiere & Einreise
Mit Hund und Katze in die Türkei: Papiere, Verbote, Rückweg
Chip, Tollwutimpfung und Gesundheitszeugnis reichen für die Einreise — für die Rückkehr in die EU brauchst du zusätzlich einen Antikörpertest und drei Monate Wartezeit. Warum du ihn gleich machen lässt.
Hund und Katze mitzunehmen ist unkompliziert, solange die Papiere stimmen. Weil die Türkei kein EU-Land ist, gelten allerdings andere Regeln als bei einem Umzug innerhalb Europas — und für die Rückreise noch einmal eigene.
Was für die Einreise nötig ist
Für Hunde, Katzen und Frettchen gilt: Mikrochip nach ISO-Norm, eine gültige Tollwutimpfung, die mindestens dreißig Tage vor der Einreise und höchstens ein Jahr zuvor erfolgt sein muss, und ein amtstierärztliches Gesundheitszeugnis, das kurz vor der Reise ausgestellt wird. Der EU-Heimtierausweis wird als Impfnachweis akzeptiert, ersetzt das Gesundheitszeugnis aber nicht.
Der Chip muss vor der Impfung gesetzt sein — sonst gilt die Impfung nicht. Mitreisen dürfen höchstens zwei Tiere je Person. Wer mehr mitbringt, gilt als gewerblicher Transport und braucht eine eigene Genehmigung.
Eine Quarantäne gibt es bei ordnungsgemäßen Papieren nicht. Fehlen sie, wird das Tier zurückgewiesen oder auf Kosten des Halters in Verwahrung genommen.
Rassebeschränkungen
Die Türkei hat die Einfuhr und die Haltung bestimmter Hunde eingeschränkt. Betroffen sind unter anderem Pitbull Terrier, American Staffordshire Terrier, Dogo Argentino und Fila Brasileiro. Für diese Tiere besteht ein Einfuhr- und Zuchtverbot; bereits im Land lebende Tiere mussten registriert, kastriert und angemeldet werden und dürfen nur mit Maulkorb und Leine geführt werden.
Wer einen solchen Hund hat, kann ihn nicht mitnehmen. Das ist die härteste Auskunft in diesem Artikel, und sie steht hier, weil sie sonst erst am Flughafen kommt.
Die Reise
Mit dem Auto ist es am einfachsten: Die Grenzkontrolle prüft die Papiere, das war es. Rechne für die Fahrt über den Balkan mit mehreren Tagen und plane Pausen ein.
Im Flugzeug hängt alles von der Fluggesellschaft ab. Kleine Tiere dürfen bei den meisten in die Kabine, größere in den klimatisierten Frachtraum. Die Plätze sind je Flug begrenzt und müssen früh gebucht werden. Türkische Fluggesellschaften nehmen Tiere routiniert mit; bei Sommerhitze gibt es allerdings Transportverbote für den Frachtraum, was Flüge im Juli und August unmöglich machen kann.
Der Alltag mit Tier
Tierärzte gibt es in allen Städten und an der Küste reichlich, viele mit europäischer Ausbildung. Behandlungen und Medikamente kosten deutlich weniger als in Deutschland. Eine Tierkrankenversicherung ist unüblich und angesichts der Preise auch selten nötig.
Was du kennen solltest: In der Türkei leben viele Straßenhunde und -katzen. Sie werden von Kommunen und Nachbarschaften gefüttert, geimpft und markiert — ein gekerbtes Ohr zeigt die Kastration. Sie sind meist friedlich, aber dein Hund begegnet ihnen täglich, und Rudel können territorial sein. Halte ihn in Ortsnähe an der Leine.
Impfungen gegen Tollwut sind Pflicht und werden kontrolliert; dazu kommt in weiten Teilen des Landes die Vorsorge gegen Leishmaniose durch Sandmücken und gegen Herzwurm. Beides ist real und für Hunde gefährlich — sprich mit dem Tierarzt vor Ort über Halsband, Spot-on und Impfung.
Die Sommerhitze ist der andere Punkt: Asphalt an der Küste wird so heiß, dass Pfoten verbrennen. Gassi geht früh morgens und spät abends.
Zurück in die EU
Für die Rückreise mit dem Tier gelten die EU-Einfuhrregeln für Drittländer: Chip, gültige Tollwutimpfung und — weil die Türkei nicht als tollwutfrei gilt — ein Antikörpertest, der frühestens dreißig Tage nach der Impfung in einem zugelassenen Labor gemacht wird, gefolgt von einer Wartezeit von drei Monaten. Dazu ein Gesundheitszeugnis eines amtlichen Tierarztes.
Das heißt in der Praxis: Wer sein Tier vielleicht irgendwann zurückbringen will, lässt den Titertest gleich nach dem Umzug machen, solange die Impfung frisch ist. Wer es versäumt, muss im Ernstfall vier Monate warten — und diese vier Monate hat niemand, der wegen einer Erkrankung oder eines Todesfalls kurzfristig zurückmuss.
Ein Tier vor Ort aufnehmen
Tierschutzvereine und Auffangstationen vermitteln laufend Hunde und Katzen, und der Bedarf ist groß. Die Vermittlung ist unbürokratisch. Bedenke aber dieselbe Frage wie oben: Ein Tier aus der Türkei mit in die EU zu nehmen, verlangt denselben Titertest und dieselbe Wartezeit.
Wenn das Tier krank wird
Tierärzte arbeiten in den Städten und Küstenorten auf gutem Niveau; Notdienste sind über die Praxen ausgehängt oder über Tierschutzgruppen zu erfahren. Medikamente sind günstig, spezielle Diätfuttermittel und bestimmte Präparate aber nicht überall zu bekommen — wer ein Tier mit chronischer Erkrankung hat, klärt die Versorgung vor dem Umzug und bringt einen Vorrat mit.
Reisen innerhalb des Landes
Fernbusse nehmen Tiere in der Regel nicht mit, Inlandsflüge schon. In Zügen ist die Mitnahme in Transportboxen möglich. Viele Hotels an der Küste sind auf Tiere eingestellt; frag trotzdem vorher, in konservativeren Gegenden ist die Haltung von Hunden in der Wohnung unüblich.
Beim Mieten und Kaufen
In Wohnanlagen entscheidet die Eigentümergemeinschaft, ob Tiere erlaubt sind, und Verbote kommen vor. Kläre das vor dem Vertrag und lass es hineinschreiben — mündliche Zusagen des Vermieters helfen später nicht, wenn die Verwaltung anders entscheidet.
Straßentiere und Nachbarschaft
Wer an der Küste wohnt, wird früher oder später gefragt, ob er füttert. Das ist üblich und in vielen Straßen organisiert; Kommunen stellen Futter- und Wasserstellen auf. Wenn du dich beteiligst, sprich dich mit den Nachbarn ab — unkoordiniertes Füttern in Wohnanlagen führt zu Streit, und die Verwaltung greift dann hart durch.
Kastrationsaktionen werden von Vereinen und Kommunen durchgeführt und leben von Spenden und Helfern. Für viele Zugezogene ist das der erste Anschluss ans Ortsleben, den sie finden.