Auto & Verkehr
Auto in der Türkei: Führerschein, Einfuhr, Kauf vor Ort
Der Führerschein wird nach sechs Monaten umgeschrieben, das eigene Auto bleibt besser zu Hause: Die Einfuhrsteuer vervielfacht den Preis. Was Kauf, Maut und der dolmuş kosten.
Auto fahren ist in der Türkei einfach und günstig — bis auf eine Ausnahme: Ein eigenes Fahrzeug einzuführen lohnt sich fast nie, und wer es doch versucht, zahlt drauf.
Der Führerschein
Mit einem deutschen, österreichischen oder schweizerischen Führerschein darfst du in der Türkei fahren. Für Besucher gilt das ohne Weiteres; wer sich mit einer Aufenthaltserlaubnis niederlässt, muss den Führerschein nach einer Übergangsfrist von sechs Monaten umschreiben lassen.
Die Umschreibung läuft über die Verkehrsbehörde, verlangt eine beglaubigte Übersetzung des Führerscheins, ein ärztliches Attest, Passfotos, die Aufenthaltserlaubnis und eine Gebühr. Eine Prüfung ist nicht nötig. Der alte Führerschein wird eingezogen und aufbewahrt — hol dir vorher eine beglaubigte Kopie für die Unterlagen.
Warum das eigene Auto in Deutschland bleiben sollte
Die Türkei erhebt auf Fahrzeuge eine besondere Verbrauchsteuer, die sich nach Hubraum und Emissionen richtet und die den Preis vervielfacht. Bei einer dauerhaften Einfuhr fällt sie an, dazu Zoll und Mehrwertsteuer. Ein Mittelklassewagen kann dadurch teurer werden als sein Neupreis in Deutschland.
Die Alternative, das Fahrzeug mit deutschem Kennzeichen zu fahren, funktioniert nur befristet: Touristen dürfen ihr Auto begrenzte Zeit im Land nutzen; die Zeit wird im Pass vermerkt, und wer sie überschreitet, riskiert Beschlagnahme und Bußgeld. Mit einer Aufenthaltserlaubnis endet dieser Weg ohnehin.
Der übliche und vernünftige Weg: das Auto in der Heimat verkaufen und vor Ort eines kaufen.
Auto kaufen
Gebrauchtwagen sind wegen der Steuer teurer als in Deutschland, das Angebot ist groß, und der Handel läuft über Plattformen und Händler. Der Eigentumsübergang wird beim Notar vollzogen — anders als bei Immobilien ist hier der Notar zuständig. Er prüft, ob Steuern und Bußgelder bezahlt sind und ob das Fahrzeug lastenfrei ist.
Vor dem Kauf lohnt eine Untersuchung in einer Prüfstelle, die den Zustand und mögliche Unfallschäden dokumentiert. Das kostet wenig und ist üblich.
Hauptuntersuchung, Versicherung, Steuer
Die Untersuchung, muayene, ist alle zwei Jahre fällig, bei älteren Fahrzeugen jährlich, und wird bei den staatlich beauftragten Prüfstellen gemacht. Die Kfz-Haftpflicht ist Pflicht. Die jährliche Kraftfahrzeugsteuer wird in zwei Raten im Januar und Juli gezahlt.
Auf der Straße
Die Autobahnen sind gut ausgebaut und mautpflichtig; abgerechnet wird über ein Funkgerät oder eine Karte an der Windschutzscheibe, die vorher aufgeladen wird. Ohne funktionierendes System durch die Schranke zu fahren, kostet ein Bußgeld — als Zugezogener besorgst du dir das Gerät gleich mit dem Auto.
Die Tempolimits liegen bei 120 auf Autobahnen, 90 außerorts und 50 innerorts. Kontrolliert wird viel, auch mit fest installierten Anlagen. Alkohol am Steuer ist streng geregelt und wird hart geahndet.
Der Fahrstil ist zügiger und weniger regeltreu als in Deutschland: dichtes Auffahren, Überholen von rechts, Spurwechsel ohne Blinken. Wer defensiv fährt und Abstand hält, kommt gut zurecht. Nachts auf Landstraßen ist Vorsicht angebracht — unbeleuchtete Fahrzeuge, Tiere und Fußgänger am Fahrbahnrand sind keine Seltenheit.
Ohne Auto
Die Türkei hat ein gutes Fernbusnetz, das jeden Ort erreicht, mit bequemen Bussen und niedrigen Preisen. Zwischen den großen Städten fahren Schnellzüge, das Netz wächst. Inlandsflüge sind billig und verbinden alle Regionen mit Istanbul und Ankara.
In den Städten gibt es Straßenbahnen, Metros und dichte Busnetze, dazu die dolmuş — Sammeltaxis, die feste Strecken fahren, unterwegs halten und für wenig Geld überall hinkommen. An der Küste ist der dolmuş das Verkehrsmittel des Alltags und macht ein eigenes Auto in vielen Fällen entbehrlich.
Taxis sind günstig, aber der Taxameter sollte laufen; bei touristischen Strecken wird sonst gern verhandelt statt abgerechnet.
Bußgelder und Kontrollen
Verkehrsverstöße werden über das Kennzeichen abgerechnet und tauchen im staatlichen Portal e-Devlet auf. Offene Bußgelder blockieren die Hauptuntersuchung und den Verkauf des Fahrzeugs — sieh regelmäßig nach, gerade wenn du ein gebrauchtes Auto übernommen hast.
Mit dem eigenen Wagen zu Besuch
Wer nur zeitweise im Land ist und das Fahrzeug mitbringt, sollte die grüne Versicherungskarte dabei haben; sie deckt die Türkei nur, wenn der Ländercode nicht durchgestrichen ist. Sonst wird an der Grenze eine Versicherung verkauft. Die Nutzungszeit des Fahrzeugs wird an der Einreise erfasst und läuft unabhängig von deiner eigenen Aufenthaltsdauer.
Elektroautos
Das Ladenetz wächst schnell, entlang der Autobahnen und in den Städten gibt es Schnelllader. Auf dem Land ist es dünn. Für importierte Elektroautos fällt die Verbrauchsteuer niedriger aus als für Verbrenner, sie ist aber vorhanden.
Wenn etwas passiert
Bei einem Unfall mit Sachschaden füllen die Beteiligten ein Formular aus, das jeder Fahrer im Handschuhfach hat; bei Streit, Personenschaden oder Fahrerflucht wird die Polizei gerufen. Fotografiere die Fahrzeuge in ihrer Endlage, bevor etwas bewegt wird — das ist für die Regulierung entscheidend.
Der Alltag ohne eigenes Auto
Wer an der Küste in einem Ort mit dolmuş-Anbindung wohnt, braucht selten ein eigenes Fahrzeug. Für Ausflüge gibt es Mietwagen zu Preisen, die deutlich unter deutschen liegen, und die großen Anbieter sitzen an jedem Flughafen. Wer nur wenige Male im Monat fährt, kommt damit billiger weg als mit Steuer, Versicherung und Wertverlust eines eigenen Wagens.