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Versicherungen in Thailand: was die Pflichtversicherung nicht deckt und was aus der Heimat mitkommt

Die thailändische Pflichtversicherung fürs Fahrzeug zahlt nur Kleinbeträge, eine Privathaftpflicht ist dort unüblich. Welche Verträge aus der Heimat enden, welche weiterlaufen und was du vor Ort brauchst.

8 Min. Lesezeit · 🇹🇭 Thailand

Versicherungen in Thailand: was die Pflichtversicherung nicht deckt und was aus der Heimat mitkommt

In Thailand ist wenig versichert und noch weniger vorgeschrieben. Die einzige Pflichtversicherung betrifft Fahrzeuge, und sie deckt so wenig, dass sie im Ernstfall kaum hilft. Wer aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz kommt, bringt Gewohnheiten mit, die dort nicht gelten. Geh deine Verträge vor dem Umzug einzeln durch.

Was aus der Heimat endet und was bleibt

  • Privathaftpflicht: Die meisten Verträge gelten bei einem Wohnsitz außerhalb Europas nur für begrenzte Zeit oder enden mit dem Wegzug. Frag schriftlich nach.
  • Hausrat: endet mit der Wohnung, für die sie abgeschlossen wurde.
  • Rechtsschutz: gilt in der Regel nur in Europa.
  • Unfallversicherung: gilt oft weltweit, lies die Bedingungen zum Wohnsitz.
  • Lebens- und Rentenversicherung: laufen weiter. Teil dem Versicherer die neue Adresse mit und klär, wohin ausgezahlt wird.
  • Kfz-Versicherung: endet mit der Abmeldung des Autos.

Kündige nichts, bevor du die Antwort deines Versicherers in der Hand hast. Manche Verträge lassen sich für den Aufenthalt im Ausland umstellen, statt sie zu beenden.

Die Pflichtversicherung fürs Fahrzeug

Jedes Auto und jeder Motorroller braucht die staatliche Pflichtversicherung, im Alltag Por Ror Bor genannt. Sie wird jedes Jahr zusammen mit der Fahrzeugsteuer erneuert und kostet wenig. Sie zahlt nur für Personenschäden, und das mit niedrigen Höchstbeträgen. Sachschäden deckt sie gar nicht.

Wer einen Unfall verursacht und nur diese Versicherung hat, zahlt den Schaden am anderen Fahrzeug und alles über den Höchstbetrag selbst.

Die freiwillige Fahrzeugversicherung

Darüber liegen die freiwilligen Verträge, eingeteilt in Klassen:

  • Klasse 1: Vollkasko. Deckt den eigenen Schaden, Diebstahl, Feuer, Überschwemmung und die Haftung gegenüber anderen.
  • Klasse 2 und 2+: Haftung gegenüber anderen, dazu Diebstahl und Feuer, bei 2+ auch der eigene Schaden nach einem Zusammenstoß mit einem anderen Fahrzeug.
  • Klasse 3 und 3+: Haftung gegenüber anderen, bei 3+ dazu der eigene Schaden nach einem Zusammenstoß.

Für ein eigenes Auto ist Klasse 1 der übliche Weg, solange das Fahrzeug nicht zu alt ist. Achte auf die Höchstsumme für Personenschäden bei anderen. Sie liegt weit unter dem, was du aus Europa kennst.

Für Motorroller sind gute Verträge schwerer zu bekommen. Viele Versicherungen, auch Krankenversicherungen, zahlen nicht, wenn du ohne gültigen Führerschein für Motorräder oder ohne Helm gefahren bist. Ein internationaler Führerschein für Autos reicht dafür nicht.

Haftpflicht für das Privatleben

Eine Privathaftpflicht, wie sie in Deutschland fast jeder hat, ist in Thailand unüblich. Verursachst du einen Schaden, haftest du trotzdem, und bei einem Streit mit einem Ausländer geht die Polizei oft davon aus, dass er zahlen kann.

Wege, die es gibt: eine internationale Haftpflicht, die den Wohnsitz in Thailand einschließt, oder ein Haftpflichtbaustein in einer thailändischen Wohnungs- oder Fahrzeugversicherung. Prüf, ob Mietsachschäden mitversichert sind, also Schäden an der gemieteten Wohnung.

Wohnung und Hausrat

In einem Condominium versichert die Hausverwaltung das Gebäude und die Gemeinschaftsflächen. Deine Wohnung von innen, deine Möbel und deine Geräte sind damit nicht gedeckt. Eine eigene Wohnungsversicherung kostet wenig und deckt Feuer, Wasserschäden und Einbruch.

Bei einem Haus kommt die Frage nach Überschwemmung dazu. In vielen Gegenden steht in der Regenzeit Wasser auf den Straßen, in manchen Jahren in den Häusern. Überschwemmung ist oft nur gegen Aufpreis oder mit einem niedrigen Höchstbetrag versichert. Frag vor dem Mieten oder Kaufen die Nachbarn, wie hoch das Wasser in den letzten Jahren stand.

Unfall und Rücktransport

Ein Rücktransport im Ambulanzflug nach Europa kostet einen sechsstelligen Eurobetrag. Eine gute internationale Krankenversicherung schließt ihn ein, viele thailändische Verträge nicht. Lies nach, ob der Transport bezahlt wird, wenn er medizinisch sinnvoll ist, oder nur, wenn er medizinisch notwendig ist. Das zweite ist deutlich enger.

Eine Unfallversicherung zahlt eine feste Summe bei bleibenden Schäden. Sie ersetzt keine Krankenversicherung, kann aber helfen, einen Umbau der Wohnung oder eine Pflegekraft zu bezahlen.

Nach einem Verkehrsunfall

Der Ablauf ist anders als in Europa. Nach einem Unfall rufst du die Notrufnummer deiner Versicherung an, die auf der Police und meist auf einem Aufkleber an der Scheibe steht. Die Gesellschaft schickt einen Mitarbeiter an die Unfallstelle, der den Schaden aufnimmt und mit der Gegenseite spricht. Bis er da ist, bleiben die Fahrzeuge stehen, wenn sie den Verkehr nicht gefährden.

Unterschreib an der Unfallstelle nichts, was du nicht lesen kannst, und zahl nichts bar, bevor deine Versicherung da ist. Bei Verletzten kommt die Polizei dazu. Mach Fotos von beiden Fahrzeugen, den Kennzeichen und der Straße.

Besuche in der Heimat

Wer in Thailand wohnt und für einige Wochen nach Europa fliegt, ist dort nicht automatisch krankenversichert. Internationale Verträge schließen das Heimatland oft nur für eine begrenzte Zahl von Tagen ein, thailändische Verträge meist gar nicht. Für Besuche gibt es Reiseversicherungen für Menschen mit Wohnsitz im Ausland. Klär das vor dem ersten Heimaturlaub.

Für den Todesfall

Die Überführung eines Verstorbenen nach Europa ist teuer und mit viel Papier verbunden. Die Botschaft hilft bei den Formalitäten, bezahlt aber nichts. Manche Auswanderer schließen dafür eine Sterbegeldversicherung ab oder legen Geld zurück. Viele entscheiden sich für die Einäscherung in Thailand, die dort üblich ist.

Sag deinen Angehörigen, was du willst, und schreib es auf.

Wo du abschließt

Die Versicherer stehen unter der Aufsicht der Versicherungsbehörde OIC. Abschließen kannst du bei den Gesellschaften selbst oder über Makler. In den Orten mit vielen Ausländern gibt es Makler, die Englisch und teils Deutsch sprechen und im Schadensfall mit der Gesellschaft verhandeln. Das ist viel wert, wenn die Unterlagen auf Thailändisch sind.

Lass dir die Bedingungen auf Englisch geben. Maßgeblich ist im Streit die thailändische Fassung.

Die Altersgrenzen

Wie bei der Krankenversicherung gilt: Viele Verträge nehmen ab einem bestimmten Alter niemanden mehr neu auf oder enden zu einem festen Geburtstag. Frag bei jedem Vertrag, bis zu welchem Alter er läuft und ob der Beitrag mit dem Alter steigt. Was du mit 60 abschließt, hast du mit 75 womöglich noch. Was du mit 75 suchst, findest du oft nicht mehr.

Stand: 9.10.2026

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