Bildung
Bildung in Slowenien
Neun Jahre gemeinsame Grundschule ohne frühe Aufteilung — und ein gesetzlicher Anspruch auf zusätzlichen Sprachunterricht für zugezogene Kinder. Frag ausdrücklich danach; angeboten wird er nicht immer von selbst.
Slowenien hat ein gut ausgebautes, kostenloses Schulsystem mit einem Ruf, der über die Landesgrenzen hinausgeht — bei internationalen Vergleichsstudien schneidet es regelmäßig stark ab. Für deutschsprachige Familien ist die Sprache die Hürde, und die Antwort darauf hängt fast nur vom Alter des Kindes ab.
Der Aufbau
Vor der Schule steht der vrtec, der Kindergarten, für Kinder ab elf Monaten. Er ist nicht verpflichtend, aber sehr weit verbreitet, ganztägig und einkommensabhängig bezuschusst — für Familien mit mehreren Kindern gibt es deutliche Ermäßigungen. Plätze sind in Ljubljana knapp; melde früh an.
Mit sechs Jahren beginnt die neunjährige Grundschule, die osnovna šola. Sie führt alle Kinder gemeinsam bis zum vierzehnten oder fünfzehnten Lebensjahr — eine frühe Aufteilung wie in Deutschland gibt es nicht.
Danach folgt die Mittelstufe: das Gymnasium mit der Matura, oder eine berufliche oder fachliche Schule, die ebenfalls zu einem Abschluss und teils zur Hochschulreife führt.
Die Sprache
Unterrichtet wird auf Slowenisch. Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter wachsen in der Regel innerhalb eines Jahres hinein.
Für zugezogene Kinder gibt es einen gesetzlich vorgesehenen Anspruch auf zusätzlichen Sprachunterricht im ersten und zweiten Jahr, dazu die Möglichkeit, die Bewertung im ersten Jahr anzupassen. Das ist ein echter Vorteil gegenüber vielen Nachbarländern — frag ausdrücklich danach, es wird nicht immer von selbst angeboten.
Bei älteren Kindern bleibt es trotzdem anspruchsvoll. Wer mit dreizehn oder vierzehn kommt, braucht zusätzlich Nachhilfe, sonst wird aus einem guten Schüler ein schlechter, nur wegen der Sprache.
Ein Trost: Slowenien ist ein Land mit außergewöhnlich guten Englischkenntnissen, gerade bei Jugendlichen — der soziale Anschluss klappt oft schneller als der fachliche.
Internationale Schulen
In Ljubljana gibt es internationale Schulen mit englischsprachigem Programm, unter anderem mit internationalem Abitur. Sie sind gebührenpflichtig und eine Möglichkeit für Familien, die absehbar weiterziehen. Eine deutsche Auslandsschule gibt es in Slowenien nicht.
Außerhalb der Hauptstadt ist das Angebot dünn — wer international beschult werden will, muss im Einzugsbereich von Ljubljana wohnen.
Ein regionaler Hinweis: In den Gebieten der ungarischen und italienischen Minderheit im Nordosten und an der Küste gibt es zweisprachige Schulen. Deutsch ist dort nicht dabei, aber es zeigt, dass Zweisprachigkeit im System verankert ist.
Die Anmeldung
Zuständig ist die Schule deines Schulbezirks; die Zuteilung richtet sich nach der Meldeadresse. Mitzubringen sind Geburtsurkunde, Meldebestätigung, Impfnachweis und die Zeugnisse der bisherigen Schule.
Zeugnisse werden in beglaubigter Übersetzung verlangt. Lass sie in Deutschland anfertigen, bevor du gehst. Die Einstufung nimmt die Schule vor, gelegentlich nach einem Gespräch.
Was Schule kostet
Der Unterricht ist kostenlos, Lehrbücher werden über einen Fonds gestellt oder ausgeliehen. Bezahlt werden Mittagessen und Nachmittagsbetreuung, beides einkommensabhängig ermäßigt, dazu Ausflüge und die Schule im Grünen.
Eine slowenische Eigenheit, die Familien freut: Schwimmunterricht, Skitage und Schullandheim sind fester Bestandteil des Schuljahres und werden von den Gemeinden mitgetragen.
Studium
Die Universitäten in Ljubljana und Maribor genießen einen guten Ruf. Für EU-Bürger gelten dieselben Bedingungen wie für Slowenen; ein Studium auf Slowenisch ist an staatlichen Hochschulen im ersten und zweiten Zyklus gebührenfrei. Englischsprachige Programme gibt es, dann meist gegen Gebühr. Die deutsche Hochschulreife wird anerkannt.
Häufige Fehler
Den Kindergartenplatz in Ljubljana zu spät suchen.
Zeugnisse ohne beglaubigte Übersetzung mitbringen.
Den Anspruch auf zusätzlichen Sprachunterricht nicht einfordern.
Bei älteren Kindern annehmen, die Sprache komme von allein.
Der Rat, der am meisten zählt
Entscheide den Wohnort mit der Schule zusammen, nicht danach, und sprich vor dem Umzug persönlich mit der Schulleitung. In Slowenien sind die Schulen klein genug, dass das direkte Gespräch tatsächlich etwas bewirkt.