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Versicherungen in der Schweiz – was Pflicht ist und was sich lohnt

Manches ist Pflicht, manches wird faktisch verlangt, und die teuersten sind freiwillig. Was mit deinen deutschen Policen passiert, warum die Gebäudeversicherung meist über eine kantonale Anstalt läuft und was die Säule 3a steuerlich bringt.

7 Min. Lesezeit · 🇨🇭 Schweiz

Versicherungen in der Schweiz – was Pflicht ist und was sich lohnt

Die Schweiz ist ein Land der Versicherungen — manche sind Pflicht, manche werden faktisch verlangt, und einige der teuersten sind freiwillig. Wer aus Deutschland kommt, muss vor allem zwei Dinge umlernen: Die Krankenversicherung ist keine Lohnabgabe, sondern eine private Police, die du selbst bezahlst. Und die Gebäudeversicherung läuft in den meisten Kantonen über eine staatliche Anstalt, nicht über den freien Markt.

Was mit dem Umzug endet

Deine deutschen Sachversicherungen — Hausrat, Privathaftpflicht, Rechtsschutz — hängen an Wohnung und Land und enden mit der Verlegung des Wohnsitzes. Sie zahlen nicht mehr, auch wenn du weiter überweist. Kündige zum Auszugstag und lass dir das bestätigen.

Personenversicherungen wie Berufsunfähigkeit, Risikoleben und Unfall lassen sich häufig weiterführen. Frag schriftlich nach, bevor du kündigst: Eine gekündigte Berufsunfähigkeitsversicherung bekommt niemand im mittleren Alter zu denselben Bedingungen zurück.

Die Krankenversicherung — Pflicht, und der größte Posten

Sie ist ein eigenes Thema und steht im Artikel zur Gesundheit. Das Wichtigste hier: Sie ist für jede Person obligatorisch, wird pro Kopf abgeschlossen und ist nicht vom Einkommen abhängig — auch Kinder haben eine eigene Prämie. Nach der Anmeldung läuft eine Frist, innerhalb derer du dich versichern musst; sie gilt rückwirkend ab Einreise.

Für viele Familien ist das der größte Fixposten des Haushalts, größer als jede andere Versicherung. Plane ihn ein, bevor du das Budget rechnest.

Die Privathaftpflicht — nicht Pflicht, aber unverzichtbar

Gesetzlich vorgeschrieben ist sie nicht. Praktisch kommst du ohne sie nicht weit: Nahezu jeder Mietvertrag verlangt sie, und Vermieter lassen sich die Police vor der Schlüsselübergabe zeigen.

Sie ist günstig, deckt Schäden an Dritten und an der Mietsache und wird meist zusammen mit der Hausratversicherung abgeschlossen. Prüfe, ob Haustiere eingeschlossen sind.

Die Hausratversicherung

Freiwillig, aber üblich. Sie deckt dein Eigentum gegen Feuer, Wasser, Diebstahl und Elementarschäden. Achte auf die Versicherungssumme — sie sollte dem Wiederbeschaffungswert entsprechen, sonst wird im Schadensfall gekürzt.

Die Gebäudeversicherung — die Schweizer Besonderheit

Wer eine Immobilie besitzt, kommt an ihr nicht vorbei. In den meisten Kantonen ist sie obligatorisch und läuft über eine kantonale Gebäudeversicherungsanstalt, ein staatliches Monopol: Du kannst dir den Anbieter nicht aussuchen, dafür sind die Prämien niedrig und die Deckung gegen Feuer und Elementarereignisse umfassend.

In einigen wenigen Kantonen gibt es diese Anstalt nicht, dort versicherst du privat. Welcher Fall bei dir gilt, sagt dir die Gemeinde bei der Anmeldung.

Die Kfz-Versicherung

Die Haftpflicht ist Pflicht und Voraussetzung für die Zulassung — ohne Versicherungsnachweis gibt es kein Kontrollschild. Kasko ist freiwillig.

Bring den Nachweis deiner schadenfreien Jahre mit, möglichst auf Deutsch oder Englisch. Schweizer Versicherer rechnen ihn in der Regel an, wenn er vorgelegt wird. Ohne Nachweis startest du in einer hohen Stufe, und das kostet über Jahre erheblich.

Die drei Säulen — kein Nebenthema

Die Altersvorsorge besteht aus der staatlichen AHV, der beruflichen Vorsorge über den Arbeitgeber und der freiwilligen privaten Vorsorge, der Säule 3a. Wer hier arbeitet, zahlt automatisch in die ersten beiden ein.

Für Zuziehende ist die Säule 3a interessant, weil die Einzahlungen bis zu einem jährlichen Höchstbetrag vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden können. Das ist eine der wenigen echten Steuersparmöglichkeiten in der Schweiz — und sie wird von Neuankömmlingen regelmäßig erst nach Jahren entdeckt.

Rechtsschutz und Zusatzversicherungen

Eine Rechtsschutzversicherung ist verbreitet und günstig; bei Mietstreitigkeiten und Verkehrsfällen ist sie ihr Geld wert. Zusatzversicherungen zur Krankenkasse — Halbprivat, Zahn, Ausland — werden separat abgeschlossen und sind im Gegensatz zur Grundversicherung nicht aufnahmepflichtig: Der Versicherer darf dich ablehnen. Wer sie will, sollte sie früh abschließen, nicht wenn ein Befund vorliegt.

Häufige Fehler

Die deutschen Sachversicherungen weiterlaufen lassen und für nichts zahlen.

Ohne Privathaftpflicht zur Wohnungsübergabe erscheinen.

Den Nachweis über den Schadenverlauf nicht mitbringen.

Die Säule 3a jahrelang liegen lassen.

Zusatzversicherungen erst dann beantragen, wenn man sie braucht.

Wie du vorgehst

Zieh die Kontoauszüge der letzten zwölf Monate und schreib jede laufende Police auf. Entscheide zu jeder: kündigen, weiterführen, ersetzen. Und schließ in der Schweiz zuerst Krankenversicherung und Privathaftpflicht ab — beides brauchst du in den ersten Wochen.

Stand: 17.8.2026

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