Bildung
Bildung in der Schweiz – von der Vorschule bis zum Studium
Schule ist Sache der Kantone, und die Berufslehre ist kein zweiter Weg, sondern der Hauptweg — mit Anschluss bis zum Master. Was deutsche Eltern daran regelmäßig falsch bewerten, und warum Betreuungsplätze früh gesucht werden müssen.
Das Schweizer Bildungssystem gilt als eines der besten der Welt, und es unterscheidet sich in zwei Punkten grundlegend vom deutschen: Es ist kantonal geregelt, und es führt die Mehrheit der Jugendlichen nicht über das Gymnasium, sondern über die Berufslehre. Wer das nicht weiß, bewertet die Schulzeit seiner Kinder falsch.
Kantonal, nicht national
Schule ist Sache der Kantone. Einschulungsalter, Dauer der Primarstufe, Übertrittsverfahren und sogar die Ferientermine unterscheiden sich. Ein Umzug über die Kantonsgrenze ist deshalb ein größerer Einschnitt, als es in Deutschland ein Bundeslandwechsel wäre.
Ein gemeinsamer Lehrplan hat vieles vereinheitlicht, die Organisation aber nicht. Erkundige dich immer bei der Gemeinde und der Schule deines künftigen Wohnorts — nicht bei Bekannten aus einem anderen Kanton.
Der Aufbau
Vor der Schule stehen Krippe und Kindergarten. Der Kindergarten dauert in der Regel zwei Jahre und ist in den meisten Kantonen obligatorisch — das überrascht Zuziehende, die ihn als freiwillige Betreuung kennen.
Es folgt die Primarschule, danach die Sekundarstufe I, die in den meisten Kantonen in Leistungszüge unterteilt ist. Die Zuteilung erfolgt aufgrund von Noten und Empfehlung, oft mit einer Übertrittsprüfung.
Danach gabelt sich der Weg: entweder ins Gymnasium mit der Matura, oder in eine Berufslehre.
Die Berufslehre — der Normalfall, nicht die Notlösung
Rund zwei Drittel eines Jahrgangs machen eine Lehre. Sie läuft dual — drei bis vier Tage im Betrieb, ein bis zwei in der Berufsfachschule — und endet mit einem eidgenössischen Fähigkeitszeugnis.
Der entscheidende Unterschied zum deutschen Bild: Die Lehre ist keine Sackgasse. Mit der Berufsmaturität führt sie an die Fachhochschule, von dort weiter bis zum Master. Höhere Fachschulen und eidgenössische Prüfungen eröffnen Karrieren bis in die Geschäftsleitung.
Die Maturitätsquote ist entsprechend niedrig, und ein Gymnasialplatz ist begehrter und schwerer zu bekommen als in Deutschland. Für dein Kind heißt das nicht, dass es schlechter dasteht — es heißt, dass der Weg anders verläuft.
Lehrstellen werden früh vergeben, oft mehr als ein Jahr im Voraus, mit Bewerbung und Schnupperlehre. Wer mit einem Kind in diesem Alter zuzieht, sollte sich rechtzeitig kümmern.
Die Anmeldung
Zuständig ist die Schule deiner Wohngemeinde; die Zuteilung erfolgt nach Schulkreis. Mitzubringen sind Geburtsurkunde, Anmeldebestätigung, Impfausweis und die Zeugnisse der bisherigen Schule.
Die Einstufung nimmt die Schule vor, gelegentlich nach einem Gespräch oder einem Test. Für Kinder ohne ausreichende Deutschkenntnisse gibt es Integrationsklassen und Deutschförderung — für deutschsprachige Kinder entfällt das, sie steigen direkt ein.
Ein Punkt, der deutschsprachige Kinder trotzdem trifft: In der Deutschschweiz wird im Unterricht Hochdeutsch gesprochen, auf dem Pausenhof aber Schweizerdeutsch. Das erste halbe Jahr kann sozial anstrengend sein, auch wenn fachlich alles läuft.
Was Schule kostet
Die öffentliche Schule ist kostenlos, inklusive Material. Bezahlt werden Mittagstisch, Betreuung, Ausflüge und Klassenlager, wobei es Ermäßigungen gibt.
Die Tagesbetreuung ist der teure Punkt: Krippenplätze und Horte kosten in der Schweiz erheblich, meist einkommensabhängig, und sind in vielen Gemeinden knapp. Für Familien mit zwei berufstätigen Eltern ist das ein Posten, der die Rechnung verändert — melde dich früh an, oft schon vor der Geburt.
Private und internationale Schulen
Es gibt renommierte Privatschulen und internationale Schulen mit englischem oder deutschem Programm, vor allem in und um Zürich, Genf, Basel und Zug. Sie sind teuer, in einer Größenordnung, die man einplanen muss. Sinnvoll sind sie vor allem für Familien, die absehbar weiterziehen und einen international anschlussfähigen Abschluss brauchen.
Studium
Die Schweizer Hochschulen genießen einen exzellenten Ruf, und die Studiengebühren sind im internationalen Vergleich moderat — für EU-Bürger mit Wohnsitz in der Schweiz gelten in der Regel dieselben Gebühren wie für Schweizer. Die deutsche Hochschulreife wird anerkannt, für einzelne Fächer gibt es Zulassungsbeschränkungen.
Häufige Fehler
Annehmen, Schule sei überall gleich geregelt.
Den obligatorischen Kindergarten übersehen.
Die Lehre als zweite Wahl bewerten und das Kind unter Druck setzen.
Die Betreuungsplätze zu spät suchen.
Beim Wohnortwechsel innerhalb der Schweiz die Schulfolgen nicht bedenken.
Der Rat, der am meisten zählt
Entscheide den Wohnort mit der Schule zusammen, nicht danach — und sprich vor dem Umzug mit der Schulleitung. In der Schweiz zählt das persönliche Gespräch mehr als jedes Formular.