💰 Steuern und Finanzen
Steuern in Rumänien — der Überblick für EU-Bürger
Zehn Prozent Einkommensteuer sind einer der niedrigsten Sätze Europas — die Sozialbeiträge sind der eigentliche Posten. Dazu die Frage, welcher Staat was besteuert, warum der Abmeldetag dein Steuerjahr teilt und was für PFA und Kleingesellschaft gilt.
Rumänien hat einen der niedrigsten Einkommensteuersätze Europas — zehn Prozent, einheitlich, ohne Progression. Das ist der Grund, warum das Land bei Selbständigen und Ruheständlern einen Ruf hat. Der Satz allein sagt aber wenig: Entscheidend ist, welche Sozialbeiträge dazukommen und welcher Staat welche Einkünfte überhaupt besteuern darf.
Wann du in Rumänien steuerpflichtig wirst
Maßgeblich ist die Ansässigkeit, nicht der Pass. Ansässig bist du in der Regel, wenn hier dein ständiger Wohnsitz oder der Mittelpunkt deiner Lebensinteressen liegt — wo du wohnst, wo deine Familie ist, wo dein Alltag stattfindet. Ein überwiegender Aufenthalt im Jahr wirkt in dieselbe Richtung.
Mit der Ansässigkeit wirst du hier mit deinem weltweiten Einkommen steuerpflichtig. Das Steuerjahr ist das Kalenderjahr.
Der häufigste Fehler: die Wohnung in Deutschland behalten. Steht dir dort ein Zimmer jederzeit zur Verfügung, kannst du auch dort unbeschränkt steuerpflichtig bleiben. Dann entscheidet das Doppelbesteuerungsabkommen, wo dein Lebensmittelpunkt liegt — und das ist eine Einzelfallprüfung.
Die zehn Prozent — und was dazukommt
Der Einkommensteuersatz beträgt zehn Prozent, für Lohn wie für die meisten anderen Einkunftsarten. Für Dividenden gilt ein eigener, ebenfalls niedriger Satz.
Der Punkt, den viele übersehen, sind die Sozialbeiträge. Auf Arbeitslohn werden Renten- und Krankenversicherungsbeiträge erhoben, und zwar in einer Größenordnung, die den Vorteil des niedrigen Steuersatzes deutlich relativiert. Für Selbständige und für Einkünfte aus Miete oder Kapital gelten eigene Regeln mit Schwellenwerten, ab denen Beiträge fällig werden.
Rechne deshalb nie mit zehn Prozent als Endergebnis, sondern lass deinen Fall einmal durchrechnen.
Was Deutschland weiter besteuert
Auch nach dem Wegzug bleiben bestimmte Einkünfte in Deutschland steuerpflichtig: Mieteinkünfte aus deutschen Immobilien, Einkünfte aus einem deutschen Gewerbebetrieb, Ruhegehälter aus öffentlichen Kassen. Die gesetzliche Rente wird beschränkt steuerpflichtig behandelt.
Welche Einkunftsart wo besteuert wird, regelt das Abkommen zwischen Deutschland und Rumänien, und es fällt für Rente, Miete, Kapital und Lohn verschieden aus. Lass dir die Aufteilung einmal für deinen Fall erklären, bevor du gehst.
Der Abmeldetag teilt dein Steuerjahr
Mit der Aufgabe des deutschen Wohnsitzes endet dort die unbeschränkte Steuerpflicht. Der gewählte Tag bestimmt, welche Einkünfte noch deutsch und welche schon rumänisch versteuert werden. Steht eine Abfindung, ein Bonus, ein Immobilienverkauf oder eine Rentennachzahlung an, kann ein Unterschied von Wochen viel ausmachen.
Steuernummer und Erklärung
Die steuerliche Registrierung läuft über die Finanzverwaltung ANAF. Für die meisten Einkünfte gibt es eine einheitliche Jahreserklärung, die elektronisch über das Portal eingereicht wird; wer nur Lohn bezieht, für den erledigt das in der Regel der Arbeitgeber.
Das Portal ist rumänischsprachig. Wer Miete, Kapitalerträge oder ausländische Einkünfte hat, fährt mit einem Buchhalter vor Ort besser — er kostet wenig und kennt die Fristen.
Für Selbständige
Die verbreitete Form ist die eingetragene Einzelperson, die PFA. Sie ist schnell angemeldet und wird entweder nach tatsächlichem Gewinn oder nach einer festgelegten Norm besteuert. Daneben gibt es die Kleingesellschaft, deren Besteuerung in den letzten Jahren mehrfach geändert wurde — Umsatzgrenzen, Mitarbeiterpflicht und Sätze wurden nachgeschärft.
Genau deshalb gilt hier: Verlass dich nicht auf Zahlen aus Foren oder aus einem älteren Artikel. Lass dir die aktuelle Lage von einem rumänischen Buchhalter bestätigen, bevor du deine Struktur wählst.
Häufige Fehler
Nur auf die zehn Prozent schauen und die Sozialbeiträge übersehen.
Die deutsche Wohnung behalten und annehmen, damit sei man steuerlich raus.
Den Abmeldetag zufällig wählen.
Konten im jeweils anderen Land nicht angeben. Zwischen den Staaten läuft ein automatischer Austausch über Finanzkonten; Abweichungen führen zu Nachfragen, die sich über Jahre ziehen.
Was du zuerst tust
Vor dem Umzug: die Aufteilung deiner Einkünfte klären lassen und den Stichtag bewusst wählen. Nach dem Umzug: steuerlich registrieren, einen Buchhalter nehmen, wenn du mehr als Lohn hast, und die Fristen in den Kalender setzen. Zehn Prozent sind ein guter Ausgangspunkt — sie ersetzen keine Planung.