← Zurück zur Prämien-Übersicht

Prämien

Geld fürs Herziehen: Was Zuzugsprämien wirklich bringen

Sardinien zahlt bis 15.000 Euro, Irland bis 84.000, ein Schweizer Bergdorf 25.000 Franken je Erwachsenem. Was hinter den Zahlen steckt, wer sie bekommt und warum die Rechnung am Ende trotzdem selten aufgeht.

8 Min. Lesezeit

Warum eine Gemeinde dafür zahlt, dass du kommst

In Europa gibt es Landstriche, die sich langsam leeren. Die Jungen ziehen in die Stadt, die Alten bleiben, die Schule schließt, dann der Bäcker, dann fährt der Bus nur noch zweimal am Tag. Irgendwann kippt es: Ein Ort ohne Kinder hat keine Zukunft, und ein Ort ohne Zukunft zieht niemanden mehr an.

Dagegen setzen Gemeinden und Regionen Geld. Nicht aus Menschenfreundlichkeit, sondern weil die Rechnung für sie aufgeht: Eine Familie, die zuzieht, hält die Schule offen, zahlt Steuern, kauft ein. Fünfzehntausend Euro für ein Haus sind billiger als ein Dorf, das stirbt.

Das ist der ehrliche Rahmen für alles, was hier steht. Wo Geld fürs Herziehen fließt, fehlt etwas anderes — Arbeit, Ärzte, Schule, Bus. Fast jede Prämie gleicht einen Standortnachteil aus. Das ist kein Argument dagegen. Aber es gehört in denselben Satz wie der Betrag.

Die drei Formen, in denen das Geld kommt

Die erste ist der Zuschuss zum Haus. Sardinien zahlt bis zu 15.000 Euro für Kauf oder Sanierung in Orten unter 3.000 Einwohnern, höchstens aber die Hälfte der Kosten. Irland zahlt auf seinen Atlantikinseln bis zu 60.000 Euro für ein leerstehendes und bis zu 84.000 für ein verfallenes Haus.

Die zweite ist die Prämie für die Person. Das Walliser Dorf Albinen zahlt 25.000 Franken je Erwachsenem und 10.000 je Kind. Ponga in Asturien zahlt rund 3.000 Euro für eine zuziehende Familie, Extremadura bis zu 15.000 Euro an Fernarbeiter, die sich dort anmelden.

Die dritte ist das Haus zum symbolischen Preis. In Sizilien verkaufen Gemeinden verlassene Häuser im alten Ortskern für einen Euro. In Legrad an der kroatischen Drau sind es seit der Euro-Umstellung dreißig Cent.

Der Unterschied, der über alles entscheidet

Zuschuss oder Erstattung — das ist die Frage, an der die meisten Pläne scheitern.

Ein Zuschuss kommt vorher oder währenddessen. Eine Erstattung kommt danach. Irlands Programm ist eine Erstattung: Du kaufst die Ruine, du bezahlst die Handwerker, du legst die Rechnungen vor, und irgendwann bekommst du Geld zurück. Bis dahin muss die volle Summe da sein, oft sechsstellig.

Dasselbe gilt für die Ein-Euro-Häuser. Das Haus ist kein Geschenk, sondern eine Verpflichtung. Die Sanierung kostet regelmäßig 40.000 bis 100.000 Euro, sie muss innerhalb einer Frist beginnen, und in mehreren sizilianischen Gemeinden wird die Zuteilung widerrufen, wenn nach zwölf Monaten nichts passiert ist. Eine Kaution ist ohnehin fällig. Sambuca, die berühmteste dieser Gemeinden, verkauft inzwischen für zwei und drei Euro — die Nachfrage war größer als der Bestand.

Was verlangt wird

Fast überall dasselbe Muster. Du meldest deinen Hauptwohnsitz an, nicht nur einen Briefkasten. Du bleibst eine festgelegte Zeit: fünf Jahre in Sardinien und in Ponga, zehn Jahre in Albinen, mit Rückzahlungspflicht bei früherem Wegzug. Und du erfüllst eine Bedingung, die zum Zweck passt: In Kalabrien geht es um Arbeit vor Ort, wer nur wohnen will, fällt heraus. In Extremadura muss die Fernarbeit nachgewiesen werden, jedes Jahr neu. In Legrad zählen Alter, Einkommen und dass du bisher kein gelöstes Wohnproblem hattest.

Ein Punkt wird oft übersehen: Eine Prämie ist kein Aufenthaltsrecht. Sie ersetzt keinen Aufenthaltstitel und keine Anmeldung. Für Deutsche, Österreicher und Schweizer ist das innerhalb der EU kein Thema — bei der Schweiz schon, dort gilt beim Immobilienkauf durch Ausländer die Lex Koller, und das ist bei Albinen die härteste Hürde des ganzen Programms.

Wer entscheidet, und warum das wichtig ist

Bei fast allen diesen Programmen entscheidet nicht der Staat, sondern die Gemeinde. Die Region stellt Geld bereit, die Gemeinde schreibt aus, setzt Fristen, wählt aus. Zwei Nachbardörfer können völlig verschiedene Bedingungen haben.

Daraus folgt zweierlei. Erstens: Was auf Sammelseiten im Netz steht, ist bestenfalls eine Übersicht, nie die Grundlage für eine Entscheidung. Verbindlich ist die Ausschreibung der Gemeinde, und die steht auf deren eigener Seite. Zweitens: Diese Programme laufen in Runden. Sie öffnen, sie schließen, sie kommen wieder oder auch nicht. Extremaduras erste Runde endete im Oktober 2025. Sardiniens Mittel sind jahrgangsweise zugeteilt. Wer im falschen Monat fragt, hört, es gebe nichts — und das kann sechs Monate später anders sein.

Die Rechnung, die du aufmachen solltest

Nimm den Kaufpreis. Nimm die Sanierung, und rechne großzügig — bei alten Häusern in abgelegenen Lagen kommt fast immer mehr, und Handwerker sind dort knapp. Nimm Notar, Übersetzungen, Steuern. Ziehe die Prämie ab.

Was übrig bleibt, ist dein Preis. Der Zuschuss verschiebt diese Rechnung, er dreht sie nicht um.

Und dann stell die zweite Frage, die wichtigere: Willst du dort leben? Fünf Jahre Bleibepflicht sind fünf Winter. Wie weit ist der nächste Arzt, die nächste weiterführende Schule, der nächste Bahnhof? Gibt es Internet, das für deine Arbeit reicht? Wie viele Menschen wohnen im Winter tatsächlich im Ort, wenn die Sommergäste weg sind?

Wer diese Fragen mit einem Ja beantwortet, für den ist eine Prämie ein hübscher Zuschlag auf eine Entscheidung, die ohnehin richtig war. Wer sie nur wegen des Geldes trifft, sitzt fünf Jahre in einem Haus, das er sich schöngerechnet hat.

Wie du weiterkommst

Such dir aus der Übersicht ein oder zwei Programme, die dich wirklich reizen. Geh auf die amtliche Seite, die bei jedem Eintrag verlinkt ist, und such dort die laufende Ausschreibung. Steht keine drin, schreib die Gemeinde an — in solchen Orten liest der Bürgermeister die Post oft selbst.

Und fahr hin, bevor du unterschreibst. Im Februar, nicht im Juli.

Stand: 27.08.2026