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Prämien

Aufenthalt gegen Investition: Die Stufe, über die kaum jemand spricht

Zwischen Zuzugsprämie und gekauftem Pass liegt der Weg, der für DACH-Leser am ehesten in Frage kommt: Man kauft kein Papier, sondern das Recht zu bleiben. Ecuador ab 48.200 Dollar, Paraguay ab 70.000 — und die Haken, die in keiner Werbung stehen.

8 Min. Lesezeit

Was diese Stufe von den anderen unterscheidet

Bei einer Zuzugsprämie bekommst du Geld dafür, dass du kommst. Bei einem gekauften Pass zahlst du dafür, dass du drinstehst, ohne je dort zu leben. Dazwischen liegt etwas Drittes, und es ist das Interessanteste von allem: Du legst Geld an — in eine Immobilie, ein Unternehmen, ein Festgeld — und bekommst dafür das Recht, in diesem Land zu bleiben.

Der Unterschied zur obersten Stufe ist entscheidend, auch wenn er auf den ersten Blick klein wirkt. Du kaufst keine Staatsbürgerschaft. Du kaufst Zeit und Zugang. Wenn du willst, wird nach Jahren die Einbürgerung daraus — auf demselben Weg, den jeder Einwanderer geht. Diesen Weg kann niemand nachträglich als Missbrauch einstufen, und keine EU-Kommission kann ihn dir aberkennen. Ein eingebürgerter Paraguayer ist Staatsbürger geworden wie jeder andere.

Dazu kommt der Preis. Wo ein karibischer Pass bei 200.000 Dollar anfängt, beginnt diese Stufe bei einem Bruchteil — und vier der Länder sind ohnehin schon Teil dieses Handbuchs: Panama, Paraguay, Uruguay, Ecuador.

Lateinamerika: die Zahlen, die zählen

Ecuador hat mit rund 48.200 Dollar die niedrigste Schwelle der Region. Der Betrag entspricht dem Hundertfachen des Mindestlohns und steigt jedes Jahr mit ihm; er kann als Immobilie, Bankeinlage oder Unternehmensanteil angelegt werden. Wer stattdessen von Einkünften lebt, kommt mit rund 1.446 Dollar im Monat hinein. Der Doppelpass ist ausdrücklich erlaubt.

Paraguay verlangt ab 70.000 Dollar, investiert ins eigene Unternehmen, und gibt dafür sofort den unbefristeten Aufenthalt. Seit April 2026 gibt es daneben den Investor Pass mit vier Wegen: 70.000 Dollar produktiv mit Geschäftsplan und fünf Arbeitsplätzen, 150.000 im Tourismus, 200.000 in eine Immobilie ganz ohne Auflagen, 200.000 als Finanzanlage.

Panama verlangt 300.000 Dollar in eine lastenfreie Immobilie, 500.000 in Wertpapiere oder 750.000 als Festgeld über fünf Jahre. Dafür kommt der unbefristete Aufenthalt in dreißig bis fünfundvierzig Werktagen — das schnellste Verfahren dieser Gruppe.

Uruguay hat gar kein Investorenprogramm im engeren Sinn. Es gibt keinen gesetzlichen Mindestbetrag; in der Praxis werden rund 510.000 Dollar genannt. Wer von Einkünften lebt, kommt mit rund 1.500 Dollar im Monat aus, für Familien rund 3.000. Der unbefristete Aufenthalt kommt sofort, ohne temporäre Vorstufe.

Zum Vergleich, außerhalb dieses Handbuchs: Costa Rica ab 150.000 Dollar, Kolumbien ab 650 Mindestlöhnen, Chile ab 500.000 Dollar. Und Peru mit dem kürzesten Weg überhaupt — die Einbürgerung ist dort nach zwei Jahren ununterbrochenem Aufenthalt möglich.

Die drei Haken, die den Unterschied machen

Erstens die Anwesenheit. Sie ist der Preis hinter dem Preis. Ecuador verlangt in der temporären Phase 180 Tage im Jahr — ein halbes Leben, kein Standbein. Uruguay verlangt rund sechs Monate im Jahr, wenn die Einbürgerung das Ziel ist. Panama nennt keine veröffentlichte Mindestpflicht, in der Praxis genügt alle zwei Jahre eine Einreise. Wer ein Programm nur nach dem Betrag auswählt, wählt oft das falsche.

Zweitens der Doppelpass. Hier trennt sich, was für DACH-Leser taugt. Ecuador erlaubt ihn ausdrücklich. Paraguay dagegen lässt Mehrfachstaatsangehörigkeit nur zu, wo ein Reziprozitätsvertrag besteht — den gibt es mit Spanien und Italien, mit Deutschland nicht. Bei Panama ist die Lage unklar: Formal wird bei der Einbürgerung der Verzicht verlangt, in der Praxis wird es unterschiedlich gehandhabt. Wer den deutschen Pass behalten will, muss diese Frage vor der ersten Überweisung klären, nicht danach.

Drittens die Uhr. Sie läuft fast nie ab dem Tag, an dem du ankommst. Bei Panamas günstigerem Weg, dem Friendly Nations Visa mit 200.000 Dollar, gibt es zuerst zwei Jahre vorläufigen Aufenthalt; die Frist bis zur Einbürgerung beginnt erst mit dem unbefristeten Status. Aus fünf Jahren werden so sieben. Uruguay dagegen rechnet ab dem Tag der Einreise.

Europa: warum das für dich fast nie passt

In Europa heißt dieselbe Sache Golden Visa, und für einen Deutschen, Österreicher oder Schweizer ist sie in aller Regel gegenstandslos. Als EU-Bürger darfst du in Portugal, Griechenland, Italien, Ungarn, Zypern oder Lettland ohnehin leben und arbeiten. Diese Programme richten sich ausdrücklich an Menschen von außerhalb der EU.

Interessant bleiben sie in zwei Fällen: wenn Angehörige von außerhalb der EU dazugehören — und als Maßstab für die Beträge. Denn die zeigen, wie günstig Lateinamerika ist. Portugal beginnt bei 250.000 Euro in Fonds, Italien bei 250.000 in ein Start-up, Zypern bei 300.000 plus Mehrwertsteuer, Ungarn bei 250.000 in einen Immobilienfonds. Lettland ist mit 50.000 Euro das günstigste der EU, führt aber nur zu langfristigem Aufenthalt und verlangt zusätzlich 10.000 Euro in den Staatshaushalt. Spaniens Programm ist seit April 2025 geschlossen.

Was in keiner Werbung steht

Die Nebenkosten. Anwalt, beglaubigte Übersetzungen, Apostillen, jährliche Verlängerungen — das liegt erfahrungsgemäß im vierstelligen Bereich und taucht in keiner Vergleichstabelle auf. Paraguay verlangt seit 2026 auf Geburtsurkunde und Führungszeugnis eine doppelte Apostille, was viele Anträge verzögert. In Peru eröffnet keine Bank ein Konto ohne Ausländerausweis, den es erst nach der Genehmigung gibt.

Und die Steuer ist eine eigene Frage, nicht dieselbe. Panama, Paraguay und Ecuador besteuern territorial, ausländische Einkünfte bleiben weitgehend frei. Uruguay hat das zum 1. Januar 2026 geändert: Ausländische Kapitaleinkünfte werden jetzt mit zwölf Prozent besteuert. Costa Rica verlangt einen Pflichtbeitrag zur staatlichen Krankenkasse, 90 bis 350 Dollar im Monat, den keine Privatversicherung ersetzt.

Der Satz, auf den es hinausläuft

Diese Stufe ist die einzige der drei, bei der du am Ende etwas hast, das dir niemand nehmen kann — vorausgesetzt, du gehst den Weg wirklich, mit Wohnsitz, Anwesenheit und Jahren.

Wer nur ein Papier will, ohne dort zu leben, ist hier falsch. Wer einen zweiten Ort sucht, an dem er tatsächlich sein kann, findet in Ecuador und Paraguay Schwellen, die in Europa niemand bietet. Prüf zuerst die Anwesenheitspflicht, dann den Doppelpass, dann den Betrag. In dieser Reihenfolge.

Stand: 27.08.2026