Prämien
Aufenthalt in Ecuador: ab 48.200 Dollar – und der Doppelpass bleibt erlaubt
Ecuador hat die niedrigste Investorenschwelle Südamerikas, dazu Wege für Rentner und Fernarbeiter ab 1.446 Dollar im Monat. Alle Beträge hängen am Mindestlohn und steigen jedes Jahr. Was die Wege kosten, wie lange es bis zum unbefristeten Aufenthalt dauert und wo die Haken liegen.
Ecuador ist das günstigste Land Südamerikas, wenn es um einen dauerhaften Aufenthalt geht. Kein anderes Land der Region verlangt für ein Investorenvisum so wenig, und keines ist beim Doppelpass so entspannt. Wer hier ankommen will, sollte aber die Regeln kennen, bevor er Geld überweist – denn sie sind strenger, als die niedrige Schwelle vermuten lässt.
Alles hängt am Mindestlohn
Ecuador nennt in seinen Visaregeln keine festen Dollarbeträge. Jede Schwelle ist ein Vielfaches des Salario Básico Unificado, des gesetzlichen Mindestlohns. Der liegt 2026 bei 482 Dollar im Monat, nach 470 Dollar im Jahr davor. Das hat eine Folge, die viele übersehen: Die Schwellen steigen jedes Jahr mit dem Mindestlohn. Wer knapp darüber liegt, sollte nicht bis zum nächsten Jahr warten.
Weg 1: Das Investorenvisum ab 48.200 Dollar
Das offizielle Visum heißt Residencia Temporal de Inversionista. Verlangt wird eine Anlage von mindestens dem Hundertfachen des Mindestlohns, 2026 also 48.200 Dollar. Drei Formen sind zugelassen:
- eine Festgeldanlage bei einer ecuadorianischen Bank mit mindestens 730 Tagen Laufzeit
- eine Immobilie in Ecuador, die im örtlichen Grundbuch auf deinen Namen eingetragen ist
- Anteile an einem ecuadorianischen Unternehmen, eingetragen bei der Aufsichtsbehörde für Gesellschaften
Ein Einkommen musst du bei diesem Weg nicht nachweisen. Das macht ihn für alle interessant, die noch nicht in Rente sind und kein festes Einkommen aus dem Ausland haben.
Weg 2: Rente, eigenes Einkommen oder Fernarbeit ab 1.446 Dollar im Monat
Wer nicht investieren will, kann den Aufenthalt über regelmäßige Einkünfte bekommen. Für Rentner (Jubilado), für Menschen, die von Kapitalerträgen leben (Rentista), und für Fernarbeiter (Nómada Digital) gilt dieselbe Schwelle: das Dreifache des Mindestlohns, 2026 also 1.446 Dollar im Monat. Für jeden mitziehenden Angehörigen kommen 250 Dollar dazu. Die Rente muss aus dem Ausland kommen und mit einer Apostille belegt werden. Bei diesen drei Wegen ist schon beim Antrag eine Krankenversicherung nachzuweisen.
Der Ablauf: erst zwei Jahre temporär, dann unbefristet
Jeder dieser Wege führt zunächst zu einem temporären Aufenthalt für zwei Jahre. Den Antrag stellst du online über das Portal des ecuadorianischen Außenministeriums, bezahlt wird per Karte oder Überweisung an die Staatsbank. Danach bekommst du eine ecuadorianische Cédula, den Personalausweis für Ausländer.
Nach 21 Monaten ohne Unterbrechung kannst du den unbefristeten Aufenthalt beantragen, und zwar bevor die zwei Jahre ablaufen. Wer den Termin verpasst, fängt von vorn an. Der unbefristete Aufenthalt verlangt dann kein Einkommen mehr. Wer also heute die Schwelle knapp erreicht, muss spätere Erhöhungen des Mindestlohns nicht mehr fürchten.
Der Haken: Ecuador will dich wirklich im Land sehen
Hier unterscheidet sich Ecuador von Panama oder Paraguay. Während der zwei temporären Jahre darfst du höchstens 90 Tage im Jahr außer Landes sein. In den ersten beiden Jahren des unbefristeten Aufenthalts sind es 180 Tage. Wer diese Grenzen überschreitet, zahlt eine Strafe in Höhe von vier Mindestlöhnen, beim zweiten Mal verliert er den Aufenthalt. Für ein reines Standbein, das man einmal im Jahr besucht, ist Ecuador deshalb der falsche Ort. Für alle, die wirklich dort leben wollen, ist genau das kein Problem.
Nach drei Jahren: die Staatsbürgerschaft
Einbürgern lassen kann sich, wer mindestens drei Jahre legal und ohne Unterbrechung in Ecuador gelebt hat. Die Zeit der temporären Residenz zählt dabei mit. Spanisch in Wort und Schrift wird im Gesetz nicht mehr ausdrücklich verlangt, im Verfahren solltest du dich aber verständigen können.
Der Doppelpass: erlaubt, aber nicht für alle gleich
Ecuador verlangt nicht, dass du deine bisherige Staatsbürgerschaft aufgibst. Ob du sie behalten darfst, entscheidet dein Heimatland:
- Deutschland: Seit dem 27. Juni 2024 verlierst du den deutschen Pass nicht mehr, wenn du eine andere Staatsbürgerschaft annimmst.
- Schweiz: Die Schweiz erlaubt die doppelte Staatsbürgerschaft.
- Österreich: Wer freiwillig eine fremde Staatsbürgerschaft annimmt, verliert die österreichische – es sei denn, er hat vorher eine Beibehaltungsbewilligung bekommen. Diese Genehmigung musst du beantragen, bevor du den Antrag in Ecuador stellst.
Was es wirklich kostet
Die 48.200 Dollar sind die Anlage selbst, keine Gebühr – das Geld bleibt dein Eigentum. Dazu kommen die Gebühren des Außenministeriums für Antrag und Visum, beglaubigte Übersetzungen und Apostillen für Geburtsurkunde und Führungszeugnis, die Cédula und meist ein Anwalt vor Ort. Beim Festgeld musst du bedenken, dass es mindestens zwei Jahre gebunden ist. Bei der Immobilie gilt der im Grundbuch eingetragene Wert, nicht der Kaufpreis auf dem Papier des Maklers.
Für wen sich Ecuador lohnt
Ecuador passt zu dir, wenn du wirklich dort leben willst, mit einem Budget, das anderswo nicht reichen würde. Die Schwelle ist niedrig, der Weg zum unbefristeten Aufenthalt kurz, der Doppelpass unkompliziert. Wer dagegen einen zweiten Wohnsitz für den Notfall sucht und die meiste Zeit woanders verbringt, ist mit Paraguay oder Panama besser bedient.
Bevor du etwas unterschreibst
Die Regeln stammen aus dem Gesetz über menschliche Mobilität und seinen Ausführungsbestimmungen. Sie werden regelmäßig angepasst, und die Schwellen ändern sich jedes Jahr mit dem Mindestlohn. Prüfe den aktuellen Stand auf gob.ec beim Außenministerium und lass dich vor der Anlage von einem Anwalt in Ecuador beraten.