Bildung
Bildung in Polen
Kostenlos und polnischsprachig, mit Vorbereitungsklassen für zugezogene Kinder. Der Weg, den kaum jemand kennt: In Oberschlesien hat die deutsche Minderheit einen gesetzlichen Anspruch auf Unterricht in Deutsch — staatlich und kostenfrei.
Polen hat ein kostenloses staatliches Schulsystem, das bei internationalen Vergleichsstudien regelmäßig gut abschneidet. Für deutschsprachige Familien ist die Sprache die Hürde — und es gibt zwei Wege, die vielen helfen: die deutschen Schulen in Warschau und Krakau, und ein gesetzlich verankertes Recht auf Deutschunterricht dort, wo die deutsche Minderheit lebt.
Der Aufbau
Vor der Schule steht der Kindergarten. Das letzte Jahr vor der Einschulung ist verpflichtend, und für Fünfjährige besteht ein Rechtsanspruch auf einen Platz.
Mit sieben Jahren beginnt die achtjährige Grundschule. Danach folgt die Mittelstufe: das allgemeinbildende Lyzeum, das Technikum mit Berufsabschluss und Abitur, oder die berufliche Schule. Der Abschluss heißt Matura und wird in Deutschland und Österreich anerkannt.
Die Sprache
Unterrichtet wird auf Polnisch. Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter wachsen in der Regel innerhalb eines Jahres hinein.
Für zugezogene Kinder gibt es zusätzlichen Polnischunterricht und in vielen Schulen Vorbereitungsklassen — sie wurden in den letzten Jahren stark ausgebaut. Frag ausdrücklich danach.
Bei älteren Kindern bleibt es anspruchsvoll. Wer mit dreizehn oder vierzehn kommt, braucht Nachhilfe von Anfang an, sonst wird aus einem guten Schüler ein schlechter, nur wegen der Sprache.
Deutsche Schulen
In Warschau gibt es eine deutsche Schule mit deutschem Abschluss, in Krakau eine weitere deutschsprachige Einrichtung. Beide sind gebührenpflichtig, die Plätze begrenzt, die Anmeldung sollte früh erfolgen.
Außerhalb dieser beiden Städte gibt es diese Möglichkeit nicht — dafür internationale Schulen mit englischem Programm in Warschau, Krakau, Breslau, Posen und Danzig.
Die deutsche Minderheit — der Weg, den kaum jemand kennt
In Oberschlesien, vor allem in der Woiwodschaft Opole und Teilen von Schlesien, lebt eine anerkannte deutsche Minderheit. Kinder haben dort einen gesetzlichen Anspruch auf Unterricht in Deutsch als Minderheitensprache, und an vielen Grundschulen wird er zweisprachig erteilt.
Das ist für eine deutschsprachige Familie, die aufs Land zieht, oft die beste Antwort überhaupt: staatlich, kostenlos, mit hohem Deutschanteil und einer Umgebung, in der Deutsch nicht exotisch ist. Erkundige dich beim Schulamt der Gemeinde — diese Angebote werden nicht überall beworben.
Die Anmeldung
Zuständig ist die Schule deines Schulbezirks; die Zuteilung richtet sich nach der Meldeadresse. Mitzubringen sind Geburtsurkunde, Meldenachweis, Impfnachweis und die Zeugnisse der bisherigen Schule.
Zeugnisse werden in beglaubigter Übersetzung verlangt. Lass sie in Deutschland anfertigen, bevor du gehst. Die Einstufung nimmt die Schule vor.
Vieles davon läuft über das elektronische Bürgerkonto — auch die Anmeldung zum Kindergarten und zur Schule.
Was Schule kostet
Der Unterricht ist kostenlos, Lehrbücher werden in der Grundschule gestellt. Bezahlt werden Mittagessen, Betreuung und Ausflüge, zu moderaten Beträgen. Es gibt zudem eine staatliche Beihilfe zum Schulanfang für schulpflichtige Kinder.
Nachhilfe ist verbreitet und günstig.
Studium
Für EU-Bürger gelten dieselben Bedingungen wie für Polen; ein Studium auf Polnisch ist an staatlichen Hochschulen im regulären Tagesstudium gebührenfrei. Medizin und einige Fächer werden auch auf Englisch angeboten, dann gegen Gebühr — Polen ist dafür ein bekanntes Ziel. Die deutsche Hochschulreife wird anerkannt.
Häufige Fehler
Das verpflichtende letzte Kindergartenjahr übersehen.
Zeugnisse ohne beglaubigte Übersetzung mitbringen.
Nur nach deutschen Schulen in Warschau suchen und den Minderheitenunterricht in Oberschlesien übersehen.
Die Vorbereitungsklassen nicht einfordern.
Der Rat, der am meisten zählt
Entscheide den Wohnort mit der Schule zusammen, nicht danach — und sprich vor dem Umzug persönlich mit der Schulleitung.