Immobilien und Notar
Eine Wohnung mieten in Paraguay
Kein Schufa-Score, keine Bewerbungsmappe — dafür ein lokaler Bürge, den du als Neuankömmling nicht hast. Wo du suchst, was es kostet, wie der Vertrag aussieht, welche Nebenkosten dazukommen und worauf du bei der Besichtigung achtest.
Eine Wohnung zu mieten funktioniert in Paraguay anders als zu Hause, und zwar in beide Richtungen. Vieles ist leichter: keine Schufa-Auskunft, kein Wohnberechtigungsschein, keine dreißigseitige Bewerbungsmappe, kein Kampf gegen vierzig Mitbewerber. Anderes ist schwerer — vor allem für jemanden, der gerade erst angekommen ist.
Wo du suchst
Die wichtigsten Portale sind InfoCasas und Clasipar, dazu die Seiten der Maklerfirmen. Facebook-Gruppen und Marketplace spielen eine größere Rolle als in Europa, ebenso Aushänge und schlicht das Schild am Haus: "Se alquila" mit einer Handynummer.
Der wirksamste Weg ist aber ein anderer: hingehen. Such dir zwei, drei Viertel aus, die in Frage kommen, geh sie an einem Vormittag ab und ruf die Nummern an, die an den Häusern hängen. Ein erheblicher Teil des Marktes taucht online nie auf.
Makler sind üblich, seriöse Firmen sind über die Branchenkammer CAPEI organisiert. Die Provision beträgt in der Regel eine Monatsmiete und wird meist vom Mieter getragen.
Was es kostet
In Asunción liegt eine Einzimmerwohnung je nach Viertel bei 320 bis 950 Dollar im Monat. Manorá und Mburicaó sind das günstigere Ende, Las Mercedes und Recoleta das teure. Zweizimmerwohnungen bewegen sich zwischen 500 und 1.500 Dollar. Häuser mit Garten in den Vororten — Lambaré, San Lorenzo, Luque, Fernando de la Mora — kosten oft weniger als eine gute Wohnung im Zentrum.
Encarnación, Areguá und San Bernardino liegen deutlich unter der Hauptstadt, kleinere Städte im Landesinneren noch einmal darunter.
Möbliert kostet dreißig bis fünfzig Prozent mehr als unmöbliert. Das klingt viel und ist für die erste Zeit trotzdem die richtige Entscheidung — aus einem Grund, der gleich kommt.
Die Nebenkosten
Die Miete ist selten alles. Rechne dazu:
Die expensas oder das condominio bei Wohnungen in einer Anlage — der Beitrag für Wachdienst, Reinigung, Aufzug, Pool. Je nach Anlage ein spürbarer Betrag, der monatlich fällig ist. Frag danach, bevor du unterschreibst; er steht nicht immer im Inserat.
Strom über ANDE. Das ist der Posten, der Neuankömmlinge überrascht — im Sommer läuft die Klimaanlage durchgehend, und die Rechnung im Januar kann ein Vielfaches der Wintermonate betragen. Lass dir vor der Unterschrift die ANDE-Rechnungen der letzten zwölf Monate zeigen. Das ist eine völlig übliche Bitte und sagt mehr über die Wohnung aus als jede Beschreibung.
Wasser über ESSAP oder die örtliche Genossenschaft, günstig. Gas in der Flasche, günstig. Internet je nach Anbieter und Lage.
Die Grundsteuer zahlt der Eigentümer, nicht der Mieter.
Der Bürge — das eigentliche Hindernis
Für einen unbefristeten, unmöblierten Mietvertrag verlangen Vermieter in Paraguay in aller Regel einen garante: einen lokalen Bürgen mit Eigentum im Land, der für die Miete einsteht.
Als Neuankömmling hast du den nicht. Es gibt drei übliche Auswege.
Erster Weg: möbliert und befristet mieten. Kurzzeitverträge über drei bis zwölf Monate verzichten meist auf den Bürgen. Sie kosten mehr, verschaffen dir aber Zeit, um das Land, die Viertel und die Leute kennenzulernen. Die meisten erfahrenen Zuzügler empfehlen genau das für das erste halbe Jahr.
Zweiter Weg: Vorauszahlung. Ohne Bürgen zahlen Ausländer typischerweise sechs Monatsmieten im Voraus. Das ist verbreitet und akzeptiert — aber es ist Geld, das du aus der Hand gibst, an jemanden, den du nicht kennst. Nur mit ordentlichem Vertrag und Quittung.
Dritter Weg: eine Bürgschaftsversicherung, ein seguro de caución. Einige Versicherer bieten das an; der Vermieter muss es akzeptieren.
Die Kaution beträgt üblicherweise ein bis drei Monatsmieten. Lass dir jede Zahlung quittieren, mit Datum, Betrag und Zweck.
Der Vertrag
Das Mietrecht steht im Código Civil. Der Vertrag, das contrato de alquiler, wird schriftlich geschlossen und von beiden Seiten unterschrieben. Eine notarielle Beurkundung ist nicht zwingend, aber bei längeren Verträgen und höheren Beträgen sinnvoll; eine notariell beglaubigte Unterschrift kostet wenig und hilft im Streitfall.
Übliche Laufzeit sind zwölf oder vierundzwanzig Monate. Achte auf die Klausel zur jährlichen Anpassung — Mieterhöhungen werden meist vertraglich festgelegt, häufig an die Inflation gekoppelt. Verträge in US-Dollar sind bei teureren Objekten verbreitet; dann trägst du das Wechselkursrisiko.
Prüfe außerdem, wer für welche Reparaturen zuständig ist, ob Haustiere erlaubt sind, ob Untervermietung ausgeschlossen ist und wie die Kündigungsfristen laufen.
Lass dir den Vertrag auf Spanisch geben — anders wird er nicht geschlossen — und lies ihn oder lass ihn lesen. Ein Vertrag, den man nicht verstanden hat, ist keine Absicherung.
Das Übergabeprotokoll
Es ist in Paraguay weniger üblich als in Deutschland, und genau deshalb solltest du darauf bestehen. Geh mit dem Vermieter durch die Wohnung, notiere jeden Schaden, jeden Fleck, jede nicht schließende Tür, und mach Fotos mit Datum. Beide unterschreiben.
Das ist der Unterschied zwischen einer zurückgezahlten Kaution und einer Diskussion.
Worauf du bei der Besichtigung achtest
Geh, wenn möglich, abends hin. Dann siehst du, wie laut die Straße ist, ob die Beleuchtung funktioniert und wie sich die Gegend anfühlt, wenn es dunkel ist. Und geh, wenn es geht, im Winter — dann zeigt die Wohnung, wie kalt sie wirklich wird, denn geheizt wird hier nicht.
Sieh dir den Wassertank und die Pumpe an. Fällt der Strom aus, fällt irgendwann das Wasser aus; die Tankgröße entscheidet, wie lange du überbrückst.
Frag, ob die Klimageräte auch heizen können, gekennzeichnet als frío/calor. Prüfe, ob die Fenster dicht schließen.
Sieh dir die Sicherheitslage an: Mauer, Gitter, Tor, Wachdienst in der Anlage. Das ist in Paraguay Standard und keine Panikmache.
Prüfe den Handyempfang in der Wohnung und frag nach dem verfügbaren Internetanbieter. In manchen Straßen liegt Glasfaser, in der Parallelstraße nicht.
Und frag die Nachbarn. Zwei Minuten Gespräch am Zaun sagen mehr als eine Stunde mit dem Makler.
Der Rat für das erste Jahr
Binde dich nicht zu früh. Viele, die nach Paraguay kommen, wissen nach sechs Monaten, dass sie in einem anderen Viertel oder einer anderen Stadt leben wollen — näher an der Schule, näher an der Klinik, weiter draußen oder weiter drin.
Miete möbliert, befristet und ohne großen Aufwand. Sieh dich um. Und such dir die richtige Wohnung dann, wenn du weißt, wo du eigentlich hinwillst.