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Vorbereitung in Deutschland

Die Vorbereitung in Deutschland auf Paraguay

Die Hälfte einer gelungenen Auswanderung passiert, bevor du im Flieger sitzt. Welche Papiere apostilliert werden müssen, in welcher Reihenfolge du abmeldest, warum die Krankenversicherung vor der Abmeldung geklärt sein muss und welche Verträge du auf keinen Fall vorschnell kündigst.

10 Min. Lesezeit · 🇵🇾 Paraguay

Die Vorbereitung in Deutschland auf Paraguay

Paraguay verzeiht vieles. Was es nicht verzeiht, sind fehlende Apostillen. Alles, was aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz kommt, muss dort beglaubigt sein — und nachträglich lässt sich das aus Asunción nur mit Kurierdienst, Vollmacht und Wochen Verzögerung reparieren. Deshalb beginnt dieses Kapitel dort.

Die Papiere, die apostilliert werden

Für die befristete Aufenthaltsgenehmigung brauchst du drei Dokumente aus deinem Heimatland, jedes im Original und jedes mit Apostille nach dem Haager Übereinkommen.

Die Geburtsurkunde, ausgestellt vom Standesamt deines Geburtsortes. Verlange eine aktuelle Ausfertigung, kein altes Stammbuchblatt.

Das Führungszeugnis, und zwar auf Bundes- beziehungsweise nationaler Ebene. In Deutschland ist das das Führungszeugnis des Bundesamts für Justiz. Wichtig: Du brauchst es nicht nur aus deinem Heimatland, sondern aus jedem Land, in dem du in den letzten Jahren gelebt hast. Verlangt wird es ab dem vierzehnten Lebensjahr, also auch für ältere Kinder.

Den Nachweis über den Familienstand: Heiratsurkunde, Scheidungsurteil oder Sterbeurkunde des Ehepartners, je nachdem, was zutrifft.

Die Apostille erteilt in Deutschland je nach Dokument die Bezirksregierung, das Landgericht oder das Bundesverwaltungsamt. Für das Bundesführungszeugnis ist es das Bundesamt für Justiz beziehungsweise das Bundesverwaltungsamt. Plane für den ganzen Vorgang mehrere Wochen ein — vier bis sechs sind realistisch, wenn nichts schiefgeht.

Übersetzen lässt du nichts in Deutschland. Die Übersetzung ins Spanische muss von einem in Paraguay vereidigten Übersetzer gemacht werden; deutsche Übersetzungen werden nicht anerkannt. Das spart dir Geld und eine Enttäuschung.

Was du sonst mitnehmen solltest

Über die Pflichtdokumente hinaus zahlt sich eine Mappe aus, die man einmal zusammenstellt und nie wieder vermisst.

Rentenunterlagen: der letzte Rentenbescheid oder die Renteninformation, der Versicherungsverlauf. Beantrage vor dem Wegzug eine schriftliche Auskunft der Deutschen Rentenversicherung dazu, was sich durch den Wohnsitz außerhalb der EU an deiner Rente ändert. Das ist kostenlos und liegt dann schwarz auf weiß vor.

Gesundheitsunterlagen: ein Arztbrief mit deiner Krankengeschichte, deinen Diagnosen und deinen Dauermedikamenten mit Wirkstoffnamen, nicht nur Handelsnamen. Impfpass. Röntgen- und Befundkopien, wenn etwas Chronisches vorliegt. Wenn möglich auf Spanisch oder Englisch übersetzt.

Ausbildungs- und Arbeitsnachweise: Zeugnisse, Diplome, Gesellenbrief, Approbation. Auch die apostilliert, wenn du sie in Paraguay beruflich brauchst.

Schulzeugnisse der Kinder, apostilliert.

Führerschein und internationaler Führerschein. Den internationalen bekommst du nur zu Hause, und er dient in Paraguay als offizielle Übersetzung.

Die Reihenfolge der Abmeldung

Hier liegt der zweite große Fehler, den man vermeiden kann. Die Reihenfolge ist nicht beliebig.

Erstens, und vor allem anderen: die Krankenversicherung klären. Mit der Abmeldung endet die Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung, und Paraguay hat kein Sozialversicherungsabkommen mit Deutschland — deine Kasse zahlt dort nicht. Sorge dafür, dass die neue Absicherung steht, bevor die alte endet. Eine Lücke von auch nur wenigen Wochen kann bei einem Unfall existenzbedrohend sein, und sie erschwert später den Neuabschluss.

Zweitens: den Steuerberater sprechen. Wenn du Anteile an einer Kapitalgesellschaft hältst, Immobilien besitzt oder ein Unternehmen führst, ist das keine Empfehlung, sondern Voraussetzung. Paraguay ist ein Drittstaat; die Wegzugsbesteuerung nach Paragraf 6 AStG greift dort ohne die Stundung, die es innerhalb der EU gibt, und die erweiterte beschränkte Steuerpflicht nach Paragraf 2 AStG kann dich bis zu zehn Jahre begleiten. Diese Gespräche gehören vor die Abmeldung, nicht danach.

Drittens: die Verträge sortieren. Kündige mit Fristen, was ohnehin endet — Miete, Strom, Internet, Rundfunkbeitrag, Vereine, Abos. Prüfe aber genau, was du behalten willst.

Nicht vorschnell kündigen solltest du deine Berufsunfähigkeitsversicherung und deine Lebensversicherung. Beide laufen in aller Regel auch bei Wohnsitz im Ausland weiter, und beide bekommst du mit fünfundfünfzig nicht zurück. Prüfe die Bedingungen für Auslandsaufenthalte, aber wirf sie nicht weg.

Behalte, wenn möglich, ein deutsches Bankkonto. Es macht vieles einfacher — Rentenzahlungen, Lastschriften, Rückerstattungen —, und ein neues zu eröffnen, wenn man keinen deutschen Wohnsitz mehr hat, ist mühsam. Kläre mit deiner Bank vorher, ob sie ein Konto mit Auslandsanschrift führt; nicht alle tun das.

Viertens: die Abmeldung beim Einwohnermeldeamt. Sie ist der formale Schlusspunkt und der Nachweis, den du für vieles brauchst.

Was zwischen Abmeldung und Aufenthaltsgenehmigung liegt

Ein Punkt, den viele übersehen. Der Antrag in Paraguay wird im Land gestellt, die Genehmigung dauert zwei bis sechs Monate, und die cédula danach nochmals über drei Monate. In dieser Zeit hast du keinen deutschen Wohnsitz mehr und noch keinen vollständigen paraguayischen Status.

Das ist kein Problem, wenn man es einplant: Der Status residente precario während des laufenden Verfahrens erlaubt dir Aus- und Wiedereinreise, Arbeit und Studium. Aber du brauchst in dieser Phase eine Krankenversicherung, die dich abdeckt, und eine Adresse, an die Post kommt.

Der Umzug selbst

Rechne nach, bevor du einen Container buchst. Seefracht von Hamburg nach Asunción — das Land hat keinen Meerzugang, die Fracht läuft über Montevideo oder Buenos Aires und dann auf dem Fluss oder per Lkw — dauert Monate und kostet fünfstellig für einen kleinen Container.

Möbel lohnen sich in aller Regel nicht. Sie sind in Paraguay günstiger als der Transport, oft aus heimischem Holz und dem Klima angemessen. Deutsche Polstermöbel und Massivholzschränke vertragen die Luftfeuchtigkeit schlecht.

Elektrogeräte funktionieren: 220 Volt bei 50 Hertz wie zu Hause. Aber prüfe, ob Ersatzteile und Service verfügbar sind — eine deutsche Waschmaschine, für die niemand ein Ersatzteil hat, ist nach drei Jahren Schrott.

Was mitkommt, sind die Dinge, die es hier nicht gibt oder die persönlich sind: Werkzeug guter Qualität, bestimmte Küchengeräte, Bücher, Bilder, Erinnerungen. Alles andere kauft man vor Ort.

Für das, was mitgeht, schließe eine Transportversicherung ab.

Was du vorher noch erledigst

Zahnarzt, Vorsorgeuntersuchungen, Brille, notwendige Impfungen. Alles, was in Deutschland von der Kasse getragen wird und in Paraguay aus eigener Tasche käme.

Ein Vorratspaket der Medikamente, die du dauerhaft brauchst, für die ersten Monate — bis du hier einen Arzt und die entsprechenden Präparate gefunden hast.

Und Spanisch. Es ist der einzige Punkt auf dieser Liste, bei dem sechs Monate Vorlauf mehr wert sind als jedes Dokument. Paraguay funktioniert auf Spanisch, Behörden sprechen kein Englisch, und Ärzte außerhalb der großen Privatkliniken auch nicht. Wer mit einem soliden Grundwortschatz ankommt, kommt anders an.

Die eine Reise vorher

Wenn irgend möglich: Fahr hin, bevor du entscheidest. Zwei bis drei Wochen im Juli, wenn es kalt ist, und wenn es geht ein zweites Mal im Januar, wenn es 38 Grad hat. Sieh dir die Orte an, die in Frage kommen, sprich mit Leuten, die schon da sind, und geh in ein Krankenhaus, einfach um zu sehen, wie es aussieht.

Kein Artikel und keine Beratung ersetzt diese Reise. Sie kostet ein paar tausend Euro und ist die beste Investition, die du in diesem ganzen Vorhaben machen kannst.

Stand: 12.8.2026

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