Strom, Gas, Wasser
Strom, Gas und Wasser in Paraguay
Paraguay erzeugt mehr Strom, als das Land verbrauchen kann — und trotzdem schockt die erste Sommerrechnung jeden Neuankömmling. Wie ANDE, ESSAP und die Gasflasche funktionieren, was du wirklich zahlst, warum das Wasser aus dem Hahn nicht getrunken wird und was du gegen Stromausfälle tust.
Paraguay ist einer der größten Stromexporteure der Welt. Das Wasserkraftwerk Itaipú am Paraná, gemeinsam mit Brasilien betrieben, und Yacyretá an der Grenze zu Argentinien erzeugen weit mehr Energie, als das Land selbst verbraucht. Der Strom ist zu hundert Prozent erneuerbar und im internationalen Vergleich billig.
Das ist die schöne Hälfte der Geschichte. Die andere: Ein Netz, das in Spitzenzeiten an seine Grenzen kommt, und Häuser, die für dieses Klima nicht gebaut sind.
ANDE — der Strom
Zuständig ist die staatliche Administración Nacional de Electricidad, kurz ANDE. Sie hat das Monopol; einen Anbieterwechsel wie in Deutschland gibt es nicht.
Die Anmeldung läuft über die örtliche ANDE-Geschäftsstelle. Du brauchst deine cédula, den Miet- oder Kaufvertrag und eine Adresse. Zieht man in eine bestehende Wohnung, wird der Zähler in der Regel einfach umgeschrieben — dafür muss der Vorbesitzer oder Vermieter mitspielen und darf keine offenen Rechnungen haben. Lass dir vor dem Einzug zeigen, dass die letzte Rechnung bezahlt ist; offene Beträge hängen am Anschluss, nicht an der Person.
Abgerechnet wird monatlich. Die Rechnung kommt ins Haus oder ist online abrufbar, bezahlt wird per Lastschrift, in der Bank, per App oder an den Kassen von Supermärkten und Zahlstellen. Wer nicht zahlt, wird schnell abgeklemmt — Kulanz gibt es kaum.
Warum die Sommerrechnung überrascht
Der Strom ist billig. Trotzdem berichten fast alle Zuzügler dasselbe: Die erste Rechnung im Januar oder Februar fällt um ein Vielfaches höher aus als erwartet.
Der Grund ist einfach. In Paraguay wird nicht geheizt, sondern gekühlt. Von November bis März klettert das Thermometer regelmäßig über 38 Grad, im Chaco über 40. Die Klimaanlage läuft dann nicht stundenweise, sondern durchgehend, oft in mehreren Räumen. Dazu kommen Häuser ohne Dämmung, mit einfach verglasten Fenstern und dünnen Dächern.
Ein Vierpersonenhaushalt mit drei Klimageräten liegt im Hochsommer schnell beim Drei- bis Vierfachen der Wintermonate. Wer ein Haus mietet, sollte deshalb nicht nur nach der Miete fragen, sondern nach den ANDE-Rechnungen der letzten zwölf Monate. Das ist eine völlig übliche Frage und sagt mehr über die Wohnung aus als jede Beschreibung.
Stromausfälle
Sie kommen vor, vor allem bei Gewittern und in den heißesten Wochen, wenn das Netz unter der Klimalast ächzt. In Asunción dauern sie meist Minuten bis wenige Stunden, auf dem Land auch länger.
Was daraus folgt: Wer auf Strom angewiesen ist — für medizinische Geräte, für Arbeit, für die Wasserpumpe — braucht eine Lösung. Verbreitet sind kleine Benzin- oder Dieselgeneratoren, in besseren Wohnanlagen gibt es eine gemeinsame Notstromversorgung. Kläre das vor dem Einzug.
Solaranlagen rechnen sich zunehmend: Eine Anlage mit fünf Kilowattpeak deckt grob siebzig Prozent des Verbrauchs eines normalen Haushalts, die Amortisation liegt bei etwa sieben Jahren. Bei den Netzentgelten Paraguays ist das kein spektakuläres Geschäft, aber die Unabhängigkeit ist ein Argument für sich.
Und ein praktischer Hinweis, der schon manches Gerät gerettet hat: Überspannungsschutz. Nach Gewittern und beim Wiedereinschalten schwankt die Spannung. Empfindliche Geräte gehören an einen Schutzstecker, Rechner an eine unterbrechungsfreie Stromversorgung.
Steckdosen und Spannung
Paraguay hat 220 Volt bei 50 Hertz — dieselben Werte wie Deutschland, Österreich und die Schweiz. Deine Geräte laufen also, ohne Trafo.
Die Steckdosen sind allerdings ein Durcheinander. Verbreitet ist der europäische Zweistift-Stecker, daneben der amerikanische Flachstecker und zunehmend der dreipolige Typ N nach brasilianischem Vorbild. In einer Wohnung findet man häufig mehrere Typen nebeneinander. Nimm ein paar Adapter mit, kauf den Rest vor Ort, er kostet fast nichts.
Schweizer sollten daran denken, dass ihre Stecker nirgends passen. Adapter mitbringen.
Wasser
In Asunción und den größeren Städten liefert die staatliche ESSAP das Wasser. Außerhalb der Ballungsräume übernehmen das Genossenschaften und kleine private Betreiber, die Juntas de Saneamiento, oder es gibt einen eigenen Brunnen — auf dem Land ist ein Brunnen mit Pumpe eher die Regel als die Ausnahme.
Die Anmeldung läuft wie beim Strom: cédula, Vertrag, Adresse. Die Kosten sind niedrig, für einen normalen Haushalt bewegen sie sich in einer Größenordnung, über die man nicht nachdenkt.
Trinken tut man das Leitungswasser trotzdem nicht. Es ist in Asunción in aller Regel aufbereitet und für Kochen, Zähneputzen und Duschen unproblematisch, aber die Leitungen sind vielerorts alt, und die Qualität schwankt. Der Standard im Land — auch bei Paraguayern — ist Wasser aus dem Zwanzig-Liter-Ballon, der geliefert und gegen den leeren getauscht wird. Das kostet wenig und funktioniert überall. Alternativ ein Filtersystem am Hahn oder unter der Spüle.
Zweiter Punkt, der wichtiger ist als er klingt: der Wasserdruck. Fast jedes Haus hat einen Tank auf dem Dach oder im Hof, der über eine Pumpe gefüllt wird. Fällt der Strom aus, fällt irgendwann auch das Wasser aus — der Tank reicht dann noch ein paar Stunden. Beim Besichtigen einer Wohnung ist die Frage nach Tankgröße und Pumpe keine Nebensache.
In Trockenperioden kann in ländlichen Gegenden das Wasser knapp werden. Wer aufs Land zieht, fragt die Nachbarn, nicht den Makler.
Gas
Ein Erdgasnetz gibt es in Paraguay nicht. Gas kommt in der Flasche, und zwar überall.
Gekocht wird ganz überwiegend mit Flüssiggas aus der Zehn- oder Fünfundvierzig-Kilo-Flasche. Anbieter wie Petrobras, Copetrol oder lokale Händler liefern nach Hause; man ruft an oder bestellt per Nachricht, und die Flasche wird gebracht und angeschlossen. Eine Zehn-Kilo-Flasche hält einen Zweipersonenhaushalt beim Kochen einige Wochen.
Warmwasser läuft dagegen meist elektrisch. Verbreitet ist der termocalefón, ein elektrischer Boiler, und in einfacheren Wohnungen die berüchtigte ducha eléctrica — der Duschkopf mit eingebautem Heizelement. Sie funktioniert, sie ist billig, und sie ist der Grund, warum man in Paraguay lernt, nicht am Duschkopf zu drehen, während das Wasser läuft. Wer die Wahl hat, nimmt einen richtigen Boiler.
Ein zweiter Gasgrundsatz: Die Flasche steht draußen oder in einem belüfteten Raum, nie im geschlossenen Schlafbereich. Gasunfälle gehören in Paraguay zu den häufigeren häuslichen Unglücken, fast immer wegen alter Schläuche. Tausch den Schlauch und den Druckminderer beim Einzug aus, das kostet ein paar Euro.
Internet und Telefon
Kein Versorger im engeren Sinn, aber es gehört in dieselbe Anmeldemappe. Glasfaser gibt es in Asunción und in den größeren Städten von Anbietern wie Tigo, Personal, Copaco und Vox. Außerhalb der Ballungsräume ist Satelliteninternet die praktische Lösung; ein Haushaltstarif liegt bei etwa 327.000 Guaraní im Monat, rund 53 Dollar, und ist außerhalb Asuncións schneller und stabiler als Glasfaser.
Mobilfunk ist billig und die Netzabdeckung entlang der besiedelten Ostachse gut. Im Chaco wird es dünn.
Was du beim Einzug in einer Stunde erledigst
Lass dir die letzten ANDE- und ESSAP-Rechnungen zeigen und prüfe, dass nichts offen ist. Frage nach dem Sommerverbrauch. Sieh dir Wassertank und Pumpe an. Tausche Gasschlauch und Druckminderer. Kauf einen Überspannungsschutz für die Geräte, an denen dir etwas liegt. Und bestell den ersten Wasserballon, bevor du Durst hast.
Das ist alles nicht kompliziert. Aber es ist die Art von Dingen, die niemand erzählt — bis die erste Rechnung kommt oder der Strom bei 39 Grad ausfällt.