Steuern und Finanzen
Steuern und Finanzen in Paraguay
Paraguay besteuert nur, was im Land selbst verdient wird. Das ist der Grund, warum das Land in Auswandererkreisen einen Namen hat — und zugleich die Stelle, an der die meisten Fehler passieren. Was das Territorialprinzip wirklich bedeutet, welche Sätze gelten, warum es kein Doppelbesteuerungsabkommen gibt und was Deutschland nach deinem Wegzug noch von dir will.
Wenn irgendwo über Paraguay geredet wird, geht es nach spätestens zwei Sätzen um Steuern. Zehn Prozent hier, null Prozent da, Territorialprinzip. Vieles davon stimmt sogar. Aber fast immer fehlt der zweite Teil des Satzes — und der entscheidet darüber, ob die Rechnung am Ende aufgeht.
Das Territorialprinzip — was es heißt und was nicht
Paraguay besteuert nach dem Ley 6380/2019 grundsätzlich nur Einkünfte paraguayischer Quelle. Was du außerhalb Paraguays verdienst, wird in Paraguay nicht besteuert. Das gilt für Dividenden aus ausländischen Beteiligungen, für Zinsen, für Mieteinnahmen aus einer Wohnung in Deutschland, für Kursgewinne an ausländischen Börsen.
Der entscheidende Punkt, an dem Menschen sich verrechnen: Es kommt nicht darauf an, wo dein Kunde sitzt, sondern wo du die Leistung erbringst. Wer in Asunción am Schreibtisch sitzt und für einen Kunden in München programmiert, erbringt die Leistung in Paraguay. Das ist paraguayische Quelle — und damit steuerpflichtig, auch wenn das Geld aus Europa kommt und auf einem ausländischen Konto landet. Auch eine Gesellschaft im Ausland, etwa eine amerikanische LLC, ändert daran nichts, wenn die Arbeit tatsächlich in Paraguay stattfindet.
Wirklich steuerfrei nach dem Territorialprinzip ist, was aus dem Ausland stammt und dort auch erwirtschaftet wird: eine deutsche Rente, Erträge aus einem Depot, Ausschüttungen einer ausländischen Holding, die eigene Substanz hat.
Die Sätze für Privatpersonen
Die Einkommensteuer heißt IRP, Impuesto a la Renta Personal. Für Einkünfte aus Arbeit und Dienstleistung gilt ein Freibetrag von 80 Millionen Guaraní Bruttojahreseinkommen — umgerechnet grob 12.000 Euro. Darüber staffelt sich der Satz: acht Prozent, ab 50 Millionen neun Prozent, ab 150 Millionen zehn Prozent. Kapitaleinkünfte paraguayischer Quelle liegen bei acht Prozent.
Das ist die ganze Progression. Es gibt keinen Solidaritätszuschlag, keine Kirchensteuer, keine Gewerbesteuer. Die Mehrwertsteuer, IVA, liegt bei zehn Prozent, für Grundnahrungsmittel und einige weitere Bereiche bei fünf.
Was Paraguay gar nicht kennt
Es gibt keine Erbschaftsteuer. Es gibt keine Schenkungsteuer. Es gibt keine Vermögensteuer. Für Familien, die Vermögen über Generationen weitergeben wollen, ist das der eigentlich bemerkenswerte Punkt — er wird in den üblichen Steuervergleichen regelmäßig übersehen, weil dort nur auf die Einkommensteuer geschaut wird.
Vorsicht ist trotzdem geboten: Was Paraguay nicht besteuert, kann Deutschland sehr wohl besteuern, wenn der Empfänger dort wohnt. Wer seinen Kindern in Deutschland etwas übertragen will, prüft die deutsche Seite, nicht die paraguayische.
Wenn du in Paraguay ein Unternehmen führst
Die Körperschaftsteuer heißt IRE und liegt bei zehn Prozent auf Gewinne paraguayischer Quelle. Für kleine Betriebe gibt es das vereinfachte Verfahren IRE Simple mit einer effektiven Belastung um die drei Prozent. Schüttest du Gewinne an dich selbst als in Paraguay ansässige Person aus, kommt die Dividendensteuer IDU von acht Prozent obendrauf — bei Ausschüttung ins Ausland fünfzehn Prozent.
Gewinne, die im Unternehmen bleiben, lösen keine IDU aus. Die Rechtsformen sind die S.A., die S.R.L. und seit einigen Jahren die EAS, eine schlanke Ein-Personen-Gesellschaft, die sich online gründen lässt. Wer für den Export produziert, zahlt auf diesen Anteil null Körperschaftsteuer.
Die Buchführungspflichten sind überschaubar. Bis in den Bereich von etwa hunderttausend Euro Jahresumsatz reicht eine einfache Aufstellung; darüber verlangt die Behörde eine ordentliche Buchhaltung nach paraguayischem Standard.
Steuerlich ansässig wird man nicht automatisch
Das ist der Satz, an dem die meisten Schwierigkeiten hängen. Eine Aufenthaltsgenehmigung macht dich nicht steuerlich ansässig. Dafür brauchst du die cédula, die Steuernummer RUC bei der Behörde DNIT, und wenn du sie gegenüber einem anderen Staat vorweisen musst, ein Certificado de Residencia Fiscal.
Eine 183-Tage-Regel wie in Deutschland kennt Paraguay nicht. Für den reinen Aufenthaltsstatus reicht eine Einreise im Jahr — beim Daueraufenthalt sogar eine alle drei Jahre. Das klingt bequem, ist aber zugleich das Einfallstor für Ärger: Ein Staat, der dich weiterhin als ansässig ansieht, gibt sich mit einer Karte in der Schublade nicht zufrieden. Er fragt, wo dein Lebensmittelpunkt tatsächlich ist.
Kein Doppelbesteuerungsabkommen
Zwischen Deutschland und Paraguay gibt es kein umfassendes Doppelbesteuerungsabkommen. Es existiert lediglich ein sektorales Abkommen zum Luftverkehr aus dem Jahr 1983. Für dich heißt das: Wenn nach deinem Wegzug noch deutsche Einkunftsquellen bestehen — eine vermietete Wohnung, eine Betriebsrente, Anteile an einer Firma —, gibt es keinen Abkommensschutz. Die Vermeidung der Doppelbesteuerung läuft einseitig, in Deutschland über die Anrechnung nach Paragraf 34c EStG, in Paraguay über das Territorialprinzip.
Auch mit Österreich und der Schweiz bestehen keine umfassenden Abkommen. Wer aus einem dieser Länder kommt, prüft dasselbe.
Was Deutschland nach dem Wegzug noch will
Hier wird es unangenehm, und deshalb steht es hier ausführlich. Paraguay ist ein Drittstaat — kein EU-, kein EWR-Land. Das macht den Wegzug schärfer als einen Umzug nach Spanien.
Erstens: Paragraf 6 AStG, die Wegzugsbesteuerung. Wer mindestens ein Prozent an einer Kapitalgesellschaft hält, versteuert beim Wegzug den fiktiven Veräußerungsgewinn — als wäre verkauft worden, obwohl nichts geflossen ist. Bei einem Umzug innerhalb der EU gibt es eine zinslose Stundung. Bei einem Wegzug nach Paraguay ist die Steuer grundsätzlich sofort fällig; eine Ratenzahlung ist möglich, in der Regel gegen Sicherheitsleistung.
Zweitens: Paragraf 2 AStG, die erweiterte beschränkte Steuerpflicht. Wer in ein Niedrigsteuerland zieht und wesentliche wirtschaftliche Interessen in Deutschland behält, bleibt bis zu zehn Jahre lang in erweitertem Umfang steuerpflichtig. Paraguay fällt für diese Vorschrift ins Raster.
Drittens: Paragraf 49 EStG, die normale beschränkte Steuerpflicht auf deutsche Resteinkünfte. Deine Mieten aus Deutschland bleiben in Deutschland steuerpflichtig, unabhängig davon, was Paraguay dazu sagt.
Und viertens, weniger dramatisch, aber gern vergessen: Für das Jahr des Wegzugs ist eine letzte Steuererklärung fällig.
Wenn du Anteile an einer GmbH hältst oder ein nennenswertes Betriebsvermögen, ist ein deutscher Steuerberater mit internationaler Erfahrung keine Empfehlung, sondern Voraussetzung. Und zwar bevor du abmeldest, nicht danach.
Banken und Konten
Ein Konto bei einer paraguayischen Bank bekommst du in aller Regel erst mit der cédula. Ohne sie geht wenig. Rechne also damit, dass zwischen Ankunft und funktionierendem Konto einige Monate liegen — die Wartezeit auf die cédula lag Anfang 2026 bei über drei Monaten.
Bis dahin lebst du mit ausländischen Karten und Bargeld. Die Landeswährung ist der Guaraní, der über Jahre bemerkenswert stabil war. Der US-Dollar ist im Immobilien- und Autohandel die faktische Zweitwährung; größere Beträge werden oft in Dollar verhandelt und gezahlt.
Paraguay ist dem automatischen Informationsaustausch CRS beigetreten. Der erste automatische Datenaustausch ist für 2027 vorgesehen; bis dahin werden Auskünfte nur auf konkrete Anfrage erteilt. Wer glaubt, das sei eine dauerhafte Grauzone, plant an der Wirklichkeit vorbei.
Was Paraguay nicht ist
Paraguay steht weder auf der schwarzen Liste der EU für nicht kooperative Steuergebiete noch auf einer entsprechenden OECD-Liste. Das Land war dort nie verzeichnet. Was es attraktiv macht, ist kein Schlupfloch, sondern ein offen im Gesetz stehendes Territorialprinzip — dasselbe Prinzip, das auch andere Länder anwenden.
Umgekehrt heißt das aber auch: Es ist kein Ort, an dem man Dinge verstecken kann. Wer nach Paraguay geht, um Steuern zu sparen, muss den Lebensmittelpunkt wirklich verlegen, die Bindungen zum Herkunftsland förmlich lösen und die Tätigkeit sauber zuordnen können. Wer das halbherzig macht, hat am Ende zwei Finanzämter statt keinem.
Der ehrliche Schlusssatz
Die niedrigen Sätze sind echt. Aber sie gelten für einen Menschen, der tatsächlich in Paraguay lebt — mit Wohnung, Alltag, Papieren und einer Behörde, die im eigenen Tempo arbeitet. Wer nur die Steuer im Blick hat und das Leben drumherum ausblendet, trifft die Entscheidung an der falschen Zahl. Sprich vor dem Wegzug mit einem Berater auf beiden Seiten: einem in deinem Heimatland für die Ausreise, einem in Paraguay für die Ankunft. Das kostet ein paar hundert Euro und erspart dir womöglich fünfstellige Überraschungen.