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Heizen

Heizen in Paraguay

In Paraguay gibt es keine Heizung — und trotzdem frieren Zugezogene im Juli mehr als je zuvor in Deutschland. Warum fünf Grad hier kälter sind als null Grad zu Hause, womit man wirklich warm wird, und worauf du bei der Wohnungssuche achtest, wenn du an Wintertage denkst.

8 Min. Lesezeit · 🇵🇾 Paraguay

Heizen in Paraguay

Ein Kapitel über das Heizen in einem subtropischen Land klingt nach einem Missverständnis. Es ist aber das Kapitel, bei dem uns die meisten Zugezogenen im Nachhinein sagen: Das hätte ich vorher wissen wollen.

Wie kalt wird es wirklich?

Paraguay hat einen kurzen Winter, ungefähr von Juni bis August. In Asunción liegen die Tageswerte dann meist zwischen 18 und 25 Grad — angenehm. Nachts geht es auf 8 bis 12 Grad herunter.

Aber es gibt Kälteeinbrüche. Wenn Polarluft aus dem Süden über die argentinische Pampa heraufzieht, fallen die Temperaturen binnen eines Tages um zwanzig Grad. In Asunción sind dann fünf bis sieben Grad möglich, in Encarnación und im Süden noch weniger, im Hochland um Villarrica und in Teilen von Itapúa gelegentlich Werte um den Gefrierpunkt. Solche Phasen dauern drei bis fünf Tage und kommen ein paarmal im Winter vor.

Fünf Grad sind nicht viel — für eine Woche und im Freien wäre das kein Thema. Das Problem sind die Häuser.

Warum es drinnen kälter ist als draußen

Paraguayische Häuser sind für Hitze gebaut, nicht für Kälte. Massive Wände aus Ziegel oder Beton, hohe Räume, Fliesen auf dem Boden, große Fenster, oft einfach verglast, häufig nicht dicht schließend. Keine Dämmung, keine Fußbodenheizung, kein Heizkörper. Türen und Fenster haben Spalten, durch die im Sommer der Luftzug willkommen ist.

Im Winter kühlt so ein Haus über Nacht aus und bleibt kalt. Die Sonne wärmt tagsüber die Außenluft auf zwanzig Grad, drinnen bleibt es bei vierzehn. Der Fliesenboden ist eiskalt. Die Feuchtigkeit — Paraguay ist ein feuchtes Land — macht die Kälte durchdringend.

Genau das ist der Punkt, den man aus Europa nicht kennt: Zu Hause war es draußen minus fünf und drinnen zweiundzwanzig. Hier ist es draußen sieben und drinnen fünfzehn, und man kommt nirgends ins Warme. Wer im Juli in Asunción mit Mütze im Wohnzimmer sitzt, ist kein Weichei, sondern normal.

Womit geheizt wird

Zentralheizungen gibt es praktisch nicht. Geheizt wird punktuell, mit dem, was da ist.

Am verbreitetsten und für die meisten am sinnvollsten ist die Klimaanlage im Heizbetrieb. Fast jedes Split-Gerät kann auch wärmen, und im Vergleich zu allen anderen Möglichkeiten ist das die günstigste und wirksamste Lösung — sie schafft in einem geschlossenen Raum binnen einer halben Stunde angenehme Temperaturen. Achte beim Kauf oder bei der Wohnungsbesichtigung darauf, dass es ein Gerät mit Wärmepumpenfunktion ist, gekennzeichnet als frío/calor. Reine Kühlgeräte gibt es auch.

Zweitens der Gasofen, betrieben mit der Flüssiggasflasche. Er wärmt schnell und stark und ist auf dem Land oder bei Stromausfall die Rückfallebene. Der wichtige Punkt: Ein Gasofen verbraucht Sauerstoff und erzeugt Feuchtigkeit. Er gehört nie in einen geschlossenen Schlafraum ohne Lüftung. In Paraguay passieren jeden Winter Unglücke mit Gasöfen in zu dichten Räumen — es ist die eine Sache in diesem Kapitel, bei der es nicht um Komfort geht.

Drittens elektrische Heizlüfter und Radiatoren. Sie sind billig in der Anschaffung, verbrauchen aber viel, wärmen nur direkt und werden im Alltag schnell lästig.

Viertens, im ländlichen Raum und im Chaco, der Holzofen oder der offene Kamin. Romantisch, wirksam, aber Arbeit.

Was mehr hilft als jede Heizung

Die wirksamsten Maßnahmen kosten wenig.

Dichte die Fenster und Türen ab. Selbstklebende Dichtungsbänder gibt es in jedem Baumarkt, und sie machen in einem paraguayischen Haus einen Unterschied wie sonst nirgends. Ein Zugluftstopper an der Tür ist keine Übertreibung.

Leg Teppiche aus. Der kalte Fliesenboden zieht die Wärme aus dem Raum und aus den Füßen. Ein paar Teppiche verändern das Gefühl in einem Zimmer mehr als der Heizlüfter.

Nutze Vorhänge — dicke Vorhänge, nachts geschlossen. Sie ersetzen die fehlende zweite Fensterscheibe halbwegs.

Heize nur einen Raum. Der Versuch, ein ganzes ungedämmtes Haus zu erwärmen, endet mit einer Stromrechnung und einem trotzdem kalten Haus. Such dir das Zimmer aus, in dem du abends bist, schließ die Tür, und mach es dort warm.

Und schlaf warm. Eine ordentliche Decke, eine Wärmflasche, ein beheizbares Unterbett. Paraguayer machen genau das.

Der Chaco ist anders

Im Chaco, also in Boquerón, Alto Paraguay und Presidente Hayes, sind die Ausschläge größer. Im Sommer über 45 Grad, im Winter nachts einstellige Werte, gelegentlich Frost. Die trockene Luft macht es erträglicher, aber der Unterschied zwischen Tag und Nacht ist enorm. Wer dort baut, dämmt — die Mennonitenkolonien machen das seit Jahrzehnten und bauen anders als der Rest des Landes.

Wenn du selbst baust oder umbaust

Dann liegt in diesem Kapitel eine echte Chance. Ein Dach mit Dämmung, Doppelverglasung an den Nordfenstern, ein Vordach gegen die Sommersonne, ein heller Dachbelag — das alles hilft im Sommer gegen die Hitze und im Winter gegen die Kälte, und es senkt die Stromrechnung in beide Richtungen.

Handwerker in Paraguay kennen diese Bauweise nicht von selbst; sie bauen so, wie hier immer gebaut wurde. Wenn du gedämmt haben willst, musst du es ausdrücklich verlangen, erklären und kontrollieren. Wer das tut, hat am Ende ein Haus, das im Januar kühler und im Juli wärmer ist als jedes Nachbarhaus.

Woran du bei der Besichtigung denkst

Geh, wenn möglich, im Winter zur Besichtigung — dann zeigt die Wohnung, wie kalt sie wirklich wird. Wenn das nicht geht, sieh dir die Fenster an: Schließen sie dicht? Ist irgendwo doppelt verglast? Frag, ob die Klimageräte auch heizen. Sieh nach, ob es Fliesen oder Holz auf dem Boden gibt. Und frag den Vermieter, was er selbst im Juli macht.

Das sind fünf Minuten. Sie entscheiden darüber, ob dein erster Winter in Paraguay eine kurze Kuriosität wird oder drei ungemütliche Monate.

Stand: 12.8.2026

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