Auto & Verkehr
Auto und Verkehr in Paraguay
Der deutsche Führerschein gilt neunzig Tage, danach brauchst du einen paraguayischen — und ohne cédula bekommst du keinen. Wie die Umschreibung läuft, was ein Auto kostet, warum das Auto aus Deutschland meist keine gute Idee ist und welche Verkehrsregeln hier anders funktionieren, als du denkst.
Ein Auto ist in Paraguay außerhalb Asuncións praktisch unverzichtbar. In der Hauptstadt selbst kommt man mit Bolt, Uber und Bussen erstaunlich weit; in Encarnación, Ciudad del Este und überall auf dem Land ist Mobilität ohne eigenes Fahrzeug mühsam.
Der Führerschein — die neunzig Tage und danach
Als Tourist darfst du mit deinem deutschen, österreichischen oder Schweizer Führerschein neunzig Tage fahren. Ein internationaler Führerschein ist nicht zwingend vorgeschrieben, wird aber dringend empfohlen: Er dient bei Polizeikontrollen und am Mietwagenschalter als offizielle Übersetzung. Beantrage ihn zu Hause, bevor du fliegst — im Ausland bekommst du ihn nicht.
Sobald du deine cédula hast, gilt eine andere Regel: Als Resident brauchst du einen paraguayischen Führerschein. Theoretisch hast du dafür nach Erhalt der cédula neunzig Tage Zeit. In der Praxis wird das selten streng kontrolliert — bis etwas passiert. Bei einem Unfall oder einer Kontrolle kann das Fehlen teuer werden, und Versicherungen prüfen das Dokument im Schadensfall. Eine verweigerte Leistung ist ein hoher Preis für eine gesparte Behördenstunde.
Wichtig: Ohne cédula gibt es keinen paraguayischen Führerschein. Es gibt allerdings als Zwischenlösung eine Licencia para Extranjeros, einen Ausländerführerschein auf Grundlage deines deutschen, gültig für ein Jahr.
Die Umschreibung
Paraguay geht mit ausländischen Führerscheinen großzügig um. Wer bereits einen hat, bekommt in aller Regel ohne Theorie- und ohne Praxisprüfung einen paraguayischen ausgestellt.
Beantragt wird bei der Municipalidad, also der Gemeindeverwaltung deines Wohnorts. Mitzubringen sind: die cédula, ein Nachweis über Wohnsitz und Lebenszeichen (Certificado de Vida y Residencia von der örtlichen Polizei), ein Blutgruppennachweis, ein Seh- und Hörtest beziehungsweise ein ärztliches Attest, zwei Passfotos, Kopien deines deutschen und internationalen Führerscheins und der Zahlungsbeleg über die Gebühr. In manchen Gemeinden wird zusätzlich eine kurze Prüfung der Spanischkenntnisse verlangt.
Die Gebühr liegt bei etwa 258.000 Guaraní; die Gesamtkosten bewegen sich zwischen 400.000 und 600.000 Guaraní, also grob 55 bis 85 Dollar. Wenn alles vorliegt, hast du den Führerschein oft in ein bis zwei Stunden in der Hand, spätestens in ein bis zwei Wochen.
Wer noch nie einen Führerschein hatte, muss das volle paraguayische Verfahren durchlaufen — Theorie und Praxis, beides auf Spanisch, sinnvollerweise mit einer autoescuela. Rechne mit 900.000 bis 1.500.000 Guaraní und ein bis vier Wochen.
Der paraguayische Führerschein gilt je nach Aufenthaltsstatus bis zu fünf Jahre. Für die meisten reicht Kategorie B; wer ein Quad oder eine Enduro fahren will, ergänzt Kategorie A gesondert.
Das Auto aus Deutschland — meistens keine gute Idee
Die Einfuhr von Gebrauchtfahrzeugen ist in Paraguay zwar nicht generell verboten wie in einigen Nachbarländern, aber sie ist mit Zöllen, Abgaben und Papierkram verbunden, die den Wert des Fahrzeugs schnell übersteigen. Dazu kommt das eigentliche Problem: Ersatzteile. Für europäische Modelle gibt es sie kaum, Werkstätten kennen sie nicht, und jede Reparatur wird zur Bestellaktion.
Der paraguayische Markt ist von japanischen und koreanischen Fahrzeugen geprägt, viele davon Reimporte aus Japan mit Rechtslenkung, umgebaut oder auch nicht. Toyota, Nissan, Hyundai, Kia, Mitsubishi — dafür gibt es Teile an jeder Ecke und Mechaniker, die sie im Schlaf reparieren.
Wer mit dem eigenen Wagen einreist und nur eine Weile bleibt, fährt mit einem Carnet de Passage, dem Zolldokument für die vorübergehende zollfreie Einfuhr. Am Fahrzeug muss ein Nationalitätskennzeichen angebracht sein.
Auto kaufen im Land
Gebrauchtwagen sind bezahlbar. Ein solider japanischer Kleinwagen, etwa ein Toyota IST Baujahr 2010, liegt bei 7.000 bis 10.000 Dollar. Größere Geländewagen und Pick-ups — in Paraguay sehr beliebt, weil viele Straßen nicht asphaltiert sind — kosten entsprechend mehr.
Der Kauf läuft über einen Notar, der die Umschreibung beurkundet. Vorher wird das Fahrzeug beim Zulassungsamt der Gemeinde registriert und begutachtet; Registrierung samt Inspektion kostet nur wenige Dollar. Eine Wohnadresse musst du angeben.
Zwei Dinge prüfst du vor dem Kauf unbedingt: ob das Fahrzeug sauber im Registro de Automotores eingetragen ist und keine Lasten trägt, und ob die Papiere zum Fahrzeug passen. Fahrzeuge mit unklarer Herkunft sind an den Grenzen zu Brasilien und Argentinien ein bekanntes Thema. Ein Notar, den du selbst beauftragst, prüft das.
Zahlungen laufen im Autohandel häufig in US-Dollar.
Was auf der Straße anders ist
Der Fahrstil ist zügiger und improvisierter als in Mitteleuropa. Blinken ist Auslegungssache, Spurmarkierungen sind Empfehlungen, und Motorräder — sehr viele Motorräder — nutzen jede Lücke. Das ist keine Anarchie, sondern ein anderes System: Man fährt vorausschauend, langsam und rechnet damit, dass der andere nicht bremst.
Zwei Regeln, die konkret anders sind. Erstens der Kreisverkehr: Die Vorfahrtsregelung ist nicht dieselbe wie in Deutschland, und sie wird zudem nicht überall gleich gehandhabt. Sieh dir das ein paarmal an, bevor du selbst hineinfährst. Zweitens: Bei jedem Unfall, auch bei Bagatellschäden, wird die Polizei gerufen. Und unterschreibe kein Protokoll, das du nicht verstanden hast.
Nachts außerorts zu fahren ist die eine Sache, von der praktisch alle abraten. Unbeleuchtete Fahrzeuge, Tiere auf der Fahrbahn, Schlaglöcher, Fußgänger am Straßenrand — das Risiko steigt sprunghaft. Plane Überlandfahrten so, dass du bei Tageslicht ankommst.
Straßen und Entfernungen
Die Hauptachsen — die Ruta PY01 nach Encarnación, die PY02 und PY07 nach Ciudad del Este, die Transchaco nach Norden — sind asphaltiert und in ordentlichem Zustand, teilweise mautpflichtig. Abseits davon wird schnell aus Asphalt Schotter und aus Schotter roter Lehm, der nach Regen zur Rutschbahn wird. Wer aufs Land zieht, braucht ein Fahrzeug mit Bodenfreiheit, im Zweifel mit Allrad.
Die Entfernungen sind größer, als die Landkarte vermuten lässt. Asunción nach Encarnación sind rund 370 Kilometer und gut fünf Stunden, Asunción nach Ciudad del Este etwa 330 Kilometer und ebenfalls vier bis fünf Stunden. Der Chaco ist eine andere Größenordnung: Von Asunción nach Filadelfia sind es rund 450 Kilometer über die Transchaco, und dahinter beginnt erst das Weite.
Ohne eigenes Auto
In Asunción decken Bolt und Uber den Alltag gut ab, eine kurze Fahrt kostet umgerechnet wenige Euro. Der Stadtbus kostet 2.300 Guaraní, die klimatisierte Variante 3.400 — Cent-Beträge. Überlandbusse verbinden alle größeren Städte und sind günstig und ordentlich; Asunción nach Ciudad del Este liegt bei zehn bis einundzwanzig Euro.
Schienenverkehr gibt es faktisch nicht mehr; die einzige Verbindung ist der kurze Zug von Encarnación nach Posadas in Argentinien.
Die Versicherung
Ein kurzer, aber wichtiger Hinweis, der ausführlich im Kapitel über Versicherungen steht: Eine Haftpflichtversicherung im deutschen Sinn ist in Paraguay nicht Pflicht, und viele Fahrzeuge sind faktisch unversichert. Schließ eine freiwillige Police mit Kasko ab, und kauf kein Auto, dessen Verlust dich hart treffen würde.