Arbeit und Beruf
Arbeit und Beruf in Paraguay
Die Aufenthaltsgenehmigung erlaubt dir zu arbeiten — aber der lokale Arbeitsmarkt zahlt Löhne, von denen ein Zugezogener aus Europa nicht leben will. Was der Mindestlohn wirklich ist, wie man eine Firma gründet, welche Berufe gefragt sind und warum die meisten hier ihr Einkommen von außen mitbringen.
Es gibt zwei ehrliche Sätze über Arbeit in Paraguay. Der erste: Du darfst arbeiten, sobald du die befristete Aufenthaltsgenehmigung beantragt hast — der Status residente precario schließt das ausdrücklich ein. Der zweite: Die allermeisten Zugezogenen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz arbeiten nicht für paraguayische Arbeitgeber, sondern bringen ihr Einkommen mit.
Der Lohnabstand, um den es geht
Der gesetzliche Mindestlohn liegt in einer Größenordnung von rund 2,8 Millionen Guaraní im Monat, also grob 350 bis 400 Euro. Er wird regelmäßig angepasst; die aktuelle Zahl steht beim Arbeitsministerium. Qualifizierte Angestellte in Asunción verdienen ein Mehrfaches davon, aber auch das bewegt sich in einem Rahmen, der für jemanden, der aus Europa kommt, nicht als Lebensgrundlage taugt.
Rechne es dagegen: Ein Zweizimmerapartment in einem guten Viertel Asuncións kostet 500 bis 1.500 Dollar. Mit einem lokalen Durchschnittsgehalt wohnt man dort nicht.
Genau das ist der Grund, warum Paraguay als Auswanderungsziel vor allem für drei Gruppen funktioniert: für Menschen mit ortsunabhängigem Einkommen, für Rentner und für Unternehmer, die etwas Eigenes aufbauen.
Wer hier gut zurechtkommt
Ortsunabhängig Arbeitende: Angestellte im Homeoffice für einen europäischen Arbeitgeber, Freiberufler mit ausländischen Kunden, Betreiber von Onlinegeschäften. Für sie ist die Rechnung einfach — europäisches Einkommen, paraguayische Kosten.
Eine steuerliche Warnung gehört an diese Stelle, weil sie oft überhört wird: Wer die Arbeit von Paraguay aus erbringt, erzielt Einkünfte paraguayischer Quelle. Auch dann, wenn alle Kunden in Europa sitzen und das Geld auf einem ausländischen Konto landet, und auch dann, wenn eine ausländische Gesellschaft dazwischengeschaltet ist. Das Territorialprinzip stellt auf den Ort der Leistungserbringung ab, nicht auf den Sitz des Kunden. Einzelheiten stehen im Kapitel über Steuern und Finanzen.
Rentner: Die deutsche Rente wird weltweit ausgezahlt. In Paraguay bleibt sie als ausländische Einkunft steuerfrei. Wer aus Deutschland eine durchschnittliche Rente bezieht, lebt damit in Paraguay ordentlich. Zu beachten sind die jährliche Lebensbescheinigung und die Frage, ob Zeiten nach Fremdrentenrecht bei Wohnsitz außerhalb der EU gekürzt werden — das klärt man vor dem Wegzug schriftlich mit der Rentenversicherung.
Unternehmer: Paraguay ist ein Land mit unternehmerischen Lücken. Vieles, was in Europa selbstverständlich ist, gibt es hier nicht oder in schlechter Qualität.
Was in Paraguay tatsächlich gefragt ist
Die Wirtschaft ruht auf der Landwirtschaft — Soja, Rind, Mais, Weizen — und auf der Energie aus Itaipú und Yacyretá. Daneben wachsen die Bauwirtschaft, der Handel und, getragen von der maquila-Regelung, die Zulieferindustrie für Brasilien und Argentinien.
Für Zugezogene mit europäischem Hintergrund haben sich in der Praxis einige Felder als tragfähig erwiesen: Handwerk in guter Qualität und mit Termintreue, weil beides knapp ist. Gastronomie und Bäckereien, insbesondere alles Deutsche — das ist ein Klischee und funktioniert trotzdem. Landwirtschaft und Viehzucht, wobei hier Kapital und Sachkenntnis nötig sind. Tourismus und Unterkünfte, vor allem in Encarnación, am Ypacaraí-See und im Chaco. Dienstleistungen für die wachsende Zahl deutschsprachiger Zuzügler: Beratung, Vermittlung, Betreuung, Übersetzung.
Und, weniger romantisch, aber real: Technik und IT. Wer Systeme aufsetzen, Netze bauen oder Software entwickeln kann, findet Kunden.
Eine Firma gründen
Drei Rechtsformen sind üblich. Die S.A., die Aktiengesellschaft, für größere Vorhaben. Die S.R.L., das Pendant zur GmbH, der Klassiker für den Mittelstand. Und die EAS, die Empresa por Acciones Simplificadas — eine schlanke Ein-Personen-Gesellschaft, die sich online über das System SUACE gründen lässt und in wenigen Tagen steht.
Für die meisten Zuzügler ist die EAS der praktische Einstieg. Voraussetzung ist in der Regel die cédula.
Wer als Einzelner selbständig arbeitet, meldet sich mit einer RUC bei der Steuerbehörde DNIT an und stellt Rechnungen mit IVA. Die Buchführungspflichten sind moderat.
Steuerlich: zehn Prozent Körperschaftsteuer auf Gewinne paraguayischer Quelle, für kleine Betriebe im vereinfachten Verfahren effektiv etwa drei Prozent, dazu acht Prozent auf ausgeschüttete Dividenden an im Land Ansässige. Gewinne, die im Unternehmen bleiben, lösen keine Dividendensteuer aus. Eine Gewerbesteuer gibt es nicht.
Mitarbeiter einstellen
Das paraguayische Arbeitsrecht steht im Código del Trabajo und ist arbeitnehmerfreundlicher, als der lockere Ton des Landes vermuten lässt. Zu beachten sind unter anderem der dreizehnte Monatslohn, der aguinaldo, der bis Ende Dezember fällig ist, die Anmeldung beim IPS mit den entsprechenden Beiträgen, geregelte Urlaubsansprüche und Abfindungen bei Kündigung.
Wer Personal beschäftigt, braucht einen lokalen Buchhalter, den contador. Das ist keine Option, sondern Voraussetzung — und er kostet wenig.
Berufsanerkennung
Reglementierte Berufe — Medizin, Zahnmedizin, Recht, Architektur, teilweise Ingenieurwesen — verlangen die Anerkennung ausländischer Abschlüsse. Zuständig ist in der Regel die Universidad Nacional de Asunción beziehungsweise die jeweilige Berufskammer. Das Verfahren heißt revalidación oder homologación, dauert und verlangt apostillierte und übersetzte Zeugnisse, oft ergänzt durch Prüfungen.
Wer diesen Weg gehen will, klärt ihn vor dem Umzug ab und bringt alle Unterlagen apostilliert mit. Nachträglich beschaffte Dokumente kosten Monate.
Handwerkliche Berufe sind nicht reglementiert. Ein deutscher Meisterbrief ist hier kein Zulassungserfordernis, aber ein Verkaufsargument.
Was einem niemand sagt
Drei Dinge, die erfahrene Selbständige in Paraguay übereinstimmend berichten.
Erstens: Geschäfte laufen über Beziehungen. Ein Angebot mit gutem Preis gewinnt hier weniger als eine persönliche Empfehlung. Der Aufbau dauert länger als geplant, und wer das nicht einkalkuliert, geht mit einer zu knappen Kasse in das erste Jahr.
Zweitens: Zahlungsmoral und Termintreue sind andere. Rechnungen werden später bezahlt, Zusagen sind weicher. Kalkuliere mit Vorkasse oder Anzahlung, wo es geht, und mit längeren Zahlungszielen, wo es nicht geht.
Drittens: Der Wettbewerbsvorteil, den ein Zugezogener hat, ist selten das Produkt. Es sind Zuverlässigkeit, Sauberkeit und Termine. Wer die drei liefert, hat mehr Arbeit, als er will.
Wenn du für einen ausländischen Arbeitgeber arbeitest
Kläre vorher drei Punkte. Erstens, ob dein Arbeitgeber das arbeitsrechtlich abbilden kann — viele deutsche Unternehmen dürfen Angestellte nicht dauerhaft aus einem Drittstaat beschäftigen, ohne eine Struktur dort zu haben. Zweitens, wie deine Sozialversicherung geregelt ist; ein Abkommen zwischen Deutschland und Paraguay gibt es nicht. Drittens, wo du deine Einkünfte versteuerst — siehe oben, der Ort der Leistungserbringung entscheidet.
Diese drei Fragen sind unangenehm, aber sie kommen ohnehin. Besser vorher als nach zwei Jahren.
Der nüchterne Schluss
Paraguay ist ein gutes Land, um mit einem vorhandenen Einkommen zu leben, und ein brauchbares, um etwas Eigenes aufzubauen, wenn man Zeit, Kapital und Geduld mitbringt. Es ist kein Land, in dem man eine Anstellung sucht, um davon europäisch zu leben.
Wer das vorher weiß, trifft die Entscheidung auf einer realistischen Grundlage — und wird selten enttäuscht.