Anmeldung und Wohnsitz
Anmeldung und Wohnsitz in Paraguay
Seit dem Migrationsgesetz von 2022 führt der Weg nicht mehr direkt zum Daueraufenthalt. Fast alle beginnen mit zwei Jahren befristeter Aufenthaltsgenehmigung und wandeln sie danach um. Was du zu Hause besorgen musst, was in Asunción passiert, was es kostet — und welches Zeitfenster du auf keinen Fall verpassen darfst.
Paraguay hat lange als das einfachste Auswanderungsland Südamerikas gegolten. Ein Flug, ein paar Papiere, eine Einzahlung von rund 5.000 Dollar auf ein paraguayisches Konto — und man hatte den Daueraufenthalt. Wer heute noch solche Anleitungen im Netz findet, liest über ein Gesetz, das es seit Oktober 2022 nicht mehr gibt. Das ist der wichtigste Satz dieses Artikels: Der alte Weg ist zu.
Was sich 2022 geändert hat
Am 18. Oktober 2022 trat das Migrationsgesetz Ley 6984/2022 in Kraft und ersetzte das alte Gesetz 978/96. Seither ist der direkte Sprung zum Daueraufenthalt für Normalsterbliche nicht mehr vorgesehen. Der Weg führt in zwei Etappen: erst eine befristete Aufenthaltsgenehmigung für zwei Jahre, die Residencia Temporaria, danach die Umwandlung in die unbefristete, die Residencia Permanente. Nur wer als Investor über die Sonderprogramme kommt, darf die erste Stufe überspringen.
Das Gesetz kennt drei Stufen des Aufenthalts. Die Residencia Espontánea u Ocasional deckt kurze Aufenthalte bis zu neunzig Tagen ab — das ist der Status, mit dem du als Tourist einreist. Die Residencia Temporaria erlaubt dir, zwei Jahre lang legal in Paraguay zu wohnen, zu arbeiten und zu studieren. Die Residencia Permanente wird für zehn Jahre erteilt und ist verlängerbar; sie ist zugleich die Vorstufe zur Einbürgerung.
Bemerkenswert ist, was Paraguay nicht verlangt. Es gibt kein Mindesteinkommen, keine Pflicht zur Kontoeinlage, keinen Immobilienkauf und keine Sprachprüfung. Du erklärst bei der Migrationsbehörde an Eides statt, welchen Beruf du ausübst und wovon du lebst. Diese Zugänglichkeit — zusammen mit dem Territorialprinzip bei der Steuer — ist der Grund, warum Paraguay im vergangenen Jahr über 40.000 Aufenthaltsgenehmigungen erteilt hat und für 2026 mit etwa 80.000 rechnet.
Die Einreise
Als deutsche, österreichische oder Schweizer Staatsangehörige brauchst du für bis zu neunzig Tage kein Visum. Der Aufenthalt kann bei der Migrationsbehörde einmalig um weitere neunzig Tage verlängert werden. Genau in diesem Zeitfenster stellst du deinen Antrag — vom Ausland aus geht es auf dem Normalweg nicht. Du musst persönlich da sein.
Ein Punkt, an dem regelmäßig Leute stolpern: Wenn du über Land einreist, achte darauf, dass dein Pass wirklich gestempelt wird. An den Übergängen Ciudad del Este nach Foz do Iguaçu, Encarnación nach Posadas und Puerto Falcón nach Clorinda werden Fahrzeuge oft gar nicht angehalten. Ohne Einreisestempel zahlst du bei einer Kontrolle oder spätestens bei der Ausreise eine Strafgebühr von derzeit rund 600.000 Guaraní, also etwa 80 Euro. Kläre das lieber ein, zwei Tage vor dem Rückflug bei der Migrationsbehörde als am Flughafenschalter.
Was du zu Hause besorgst — bevor du fliegst
Das ist die Stelle, an der die meisten Anträge scheitern. Alles, was aus deinem Heimatland kommt, muss dort apostilliert sein. Eine Apostille bekommst du nachträglich nicht aus Asunción heraus, ohne Kurierdienst, Wartezeit und Nerven.
Du brauchst deine Geburtsurkunde, apostilliert. Du brauchst ein Führungszeugnis auf nationaler beziehungsweise Bundesebene, ebenfalls apostilliert — und zwar nicht nur aus deinem Heimatland, sondern aus jedem Land, in dem du in den letzten Jahren gelebt hast. Verlangt wird es ab dem vierzehnten Lebensjahr. Und du brauchst einen Nachweis über deinen Familienstand: Heiratsurkunde, Scheidungsurteil oder Sterbeurkunde des Ehepartners, je nachdem, was auf dich zutrifft. Auch das apostilliert.
Dein Reisepass sollte noch bequem gültig sein. Sechs Monate Restlaufzeit sind der sichere Maßstab.
Was in Asunción dazukommt
Vor Ort kommen zwei Papiere hinzu, die du nur dort bekommst. Das eine ist die Interpol-Bescheinigung, ein kurzer Termin für etwa zwölf Dollar. Das andere ist das Certificado de Antecedentes para Extranjeros, das polizeiliche Führungszeugnis für Ausländer, ausgestellt von der Informatikabteilung der Nationalpolizei, rund zwanzig Dollar.
Dazu müssen deine mitgebrachten Papiere ins Spanische übersetzt werden — und zwar von einem in Paraguay vereidigten Übersetzer, einem traductor público. Eine Übersetzung, die du in Deutschland hast anfertigen lassen, wird nicht anerkannt. Rechne mit hundert bis zweihundertfünfzig Dollar, je nachdem, wie viele Seiten es sind.
Der Antrag bei Migraciones
Mit dem vollständigen Stapel gehst du zur Dirección Nacional de Migraciones. Dort gibst du die eidesstattlichen Erklärungen ab: dein Beruf beziehungsweise deine wirtschaftliche Tätigkeit, dein Wohnsitz in Paraguay, und die Verpflichtung, Verfassung und Gesetze zu achten. Diese Erklärungen erzeugt das System der Behörde beim Einreichen — du musst sie nicht vorbereiten.
Die Gebühr beträgt nach der seit dem 1. Juli 2026 geltenden Tarifordnung 2.926.925 Guaraní, umgerechnet etwa 480 Dollar, bar zu zahlen; mit Karte kommt ein Aufschlag dazu. Die Gebühr ist in Tagelöhnen bemessen und steigt jedes Mal mit, wenn der Mindestlohn angehoben wird. Verbindlich ist immer nur die Tabelle, die am Tag der Einreichung auf der Seite der Behörde steht.
Rechne für den gesamten Aufenthalt mit etwa zehn Werktagen, wenn du alles selbst erledigst. Solange dein Antrag läuft, hast du den Status residente precario. Damit darfst du ausreisen, wieder einreisen, arbeiten und studieren — du bist also nicht ans Land gefesselt, während die Akte liegt.
Bis zur Genehmigung vergehen üblicherweise zwei bis sechs Monate, abhängig davon, wie voll die Behörde gerade ist.
Die cédula — und die ehrliche Wartezeit
Mit dem Aufenthaltsausweis in der Hand beantragst du die cédula paraguaya, den Personalausweis, bei der Abteilung Identificaciones der Nationalpolizei. Die cédula ist das Dokument, an dem im Alltag alles hängt: Bankkonto, Verträge, Steuernummer, Reisen innerhalb des Mercosur.
Hier steht eine Zahl, die dir sonst niemand gern sagt: Anfang 2026 lag die durchschnittliche Wartezeit auf die cédula bei über drei Monaten. Der Andrang ist explodiert, das Personal nicht mitgewachsen. Plane das ein. Wer damit rechnet, in vier Wochen ein Konto zu eröffnen, plant falsch.
Der RUC
Der RUC ist deine Steuernummer bei der Behörde DNIT. Pflicht ist er für den Aufenthalt nicht, aber du brauchst ihn, sobald du in Paraguay Rechnungen schreibst — und, das ist der eigentliche Grund, ihn früh zu holen: Nach den seit 2026 geltenden Regeln zur Solvenz spielt er bei der Umwandlung in den Daueraufenthalt eine Rolle. Wer ihn erst im einundzwanzigsten Monat besorgt, gerät unnötig in Hektik.
Das Fenster in Monat 21 — der wichtigste Termin
Die Umwandlung in den Daueraufenthalt kannst du frühestens ab dem einundzwanzigsten Monat deiner befristeten Aufenthaltsgenehmigung beantragen und spätestens, bevor sie nach vierundzwanzig Monaten abläuft. Drei Monate, mehr nicht.
Verpasst du dieses Fenster, beginnt der ganze Zyklus von vorn: wieder zwei Jahre befristet. Trag dir den Termin an dem Tag in den Kalender, an dem du deinen Ausweis abholst — nicht später.
Dazu kommt eine Regel, die man leicht übersieht: Du darfst seit dem Ausstellungsdatum deiner befristeten Aufenthaltskarte nicht länger als zwölf Monate am Stück außerhalb Paraguays gewesen sein. Eine Mindestanwesenheit gibt es nicht, aber diese eine Grenze zählt. Außerdem brauchst du für den Daueraufenthalt erneut ein sauberes Führungszeugnis — aus deinem Herkunftsland, aus jedem Land, in dem du gelebt hast, und aus Paraguay selbst.
Die Residencia Permanente gilt dann zehn Jahre. Wer die Einbürgerung anstrebt, ist insgesamt bei ungefähr fünf Jahren: zwei befristet, drei mit Daueraufenthalt.
Die Abkürzungen für Investoren
Zwei Wege führen unter Umgehung der zwei Jahre direkt zum Daueraufenthalt. Das SUACE-Programm verlangt eine produktive Investition ab 70.000 Dollar und die Schaffung von fünf Arbeitsplätzen vor Ort; von der Einreichung bis zur Genehmigung vergehen etwa zwei bis sechs Monate. Der sogenannte Investor Pass nach der Resolution 0283/2026 richtet sich an passive Anleger — Tourismus, Immobilien, Börse — und setzt zwischen 150.000 und 200.000 Dollar voraus; er kann in wenigen Wochen durch sein.
Beides sind ernsthafte Programme, keine Papiertiger. Aber sie sind nichts für jemanden, der einfach nur in Ruhe leben will.
Was es unterm Strich kostet
Wenn du alles selbst erledigst, liegst du für eine erwachsene Person realistisch bei 800 bis 1.350 Dollar: die Behördengebühr von rund 480 Dollar, die Apostillen zu Hause mit 100 bis 400 Dollar je nach Land und Anzahl, die vereidigten Übersetzungen mit 100 bis 250 Dollar, Interpol und Polizei mit gut dreißig Dollar zusammen, Beglaubigungen beim Notar mit 50.000 bis 100.000 Guaraní je Dokument und die cédula mit zehn bis dreißig Dollar. Flüge und Unterkunft kommen obendrauf.
Kanzleien und Vermittler, die dir das komplett abnehmen, nehmen dafür grob 1.300 Euro bis 3.200 Dollar. Ob sich das lohnt, hängt vor allem daran, wie sicher du dich mit Spanisch und Behörden fühlst.
Und die Abmeldung zu Hause?
Deine Aufenthaltsgenehmigung in Paraguay sagt nichts darüber, was in Deutschland, Österreich oder der Schweiz mit deinem Wohnsitz passiert. Das sind zwei getrennte Vorgänge, und der zweite ist der folgenreichere: Er entscheidet über Krankenversicherung, Steuerpflicht und Rente. Wie das zusammenspielt, steht ausführlich in unserem Kapitel zur Vorbereitung in Deutschland.
Ebenso wichtig: Aufenthalt und Steueransässigkeit sind in Paraguay nicht dasselbe. Wer die Aufenthaltsgenehmigung bekommt, wird dadurch nicht automatisch dort steuerlich ansässig. Auch das ist ein eigenes Kapitel wert.
Was oft falsch erzählt wird
Drei Dinge, die dir immer wieder begegnen werden und die schlicht nicht mehr stimmen. Erstens: die 5.000-Dollar-Einlage für den Daueraufenthalt — abgeschafft. Zweitens: Daueraufenthalt bei einer einzigen Reise — geht nur über die Investorenprogramme. Drittens: Es gäbe eine Mindestanwesenheit in Tagen — auf der befristeten Stufe gibt es sie nicht; was zählt, ist die Zwölf-Monats-Grenze der ununterbrochenen Abwesenheit.
Und ein vierter Punkt, der weniger mit Recht als mit Erwartung zu tun hat: Paraguay ist kein Land, in dem etwas von allein läuft. Die Behörden arbeiten in ihrem eigenen Tempo, fast alles läuft auf Spanisch, und die guten privaten Dienstleistungen sitzen in Asunción. Wer das weiß, bevor er kommt, kommt gut an.