Strom, Gas, Wasser
Strom, Gas und Wasser in Panama: 110 Volt und ein Tank auf dem Balkon
In Panama kommen 110 Volt aus der Steckdose, US-Stecker sitzen in der Wand, und deine deutschen Geräte gehen daran kaputt oder gar nicht erst an. Gas gibt es nicht aus der Leitung, sondern in Flaschen zu einem staatlich gestützten Preis. Wasser kostet fast nichts und fällt dafür manchmal aus. Was das im Alltag heißt und womit du rechnen musst.
Es sind selten die großen Dinge, die einen im ersten Monat aus der Fassung bringen. Es ist der Moment, in dem der mitgebrachte Wasserkocher zischend die Sicherung wirft, weil in Panama 110 Volt aus der Wand kommen und nicht 230.
STROM: HALBE SPANNUNG, ANDERE STECKER
Panama fährt auf US-Norm. 110 bis 120 Volt, 60 Hertz, flache Stecker vom Typ A und B. Deutsche Schukostecker passen nicht, und ein bloßer Adapter macht die Sache schlimmer, weil er zwar den Stecker anpasst, aber nicht die Spannung.
Was daraus für dein Umzugsgut folgt:
Geräte mit Netzteil — Laptop, Handy, Kamera, viele Fernseher — laufen fast immer, weil das Netzteil 100 bis 240 Volt verträgt. Der Aufdruck auf dem Netzteil sagt es dir. Du brauchst nur einen Steckeradapter.
Geräte mit Motor oder Heizung — Wasserkocher, Föhn, Bügeleisen, Küchenmaschine, Waschmaschine, Staubsauger — laufen nicht. Ein Transformator ist bei Dauerlast unpraktisch und teuer. Diese Sachen lässt man besser da und kauft sie vor Ort neu.
Und das, was gar nichts wird: alles mit Uhr oder Zeitsteuerung, die an der Netzfrequenz hängt. Deutschland hat 50 Hertz, Panama 60. Das Gerät läuft dann zu schnell.
Wer den Pensionado hat, darf seinen Haushalt einmal zollfrei einführen und alle zwei Jahre ein Fahrzeug. Das lohnt sich für Möbel, Bücher und Persönliches — für Elektrogeräte fast nie.
WER DEN STROM LIEFERT UND WAS ER KOSTET
Panama hat drei Verteilnetzbetreiber, aufgeteilt nach Gebiet: ENSA im Osten und in Colón, EDEMET in der Landesmitte, EDECHI in Chiriquí. Aussuchen kannst du dir nichts, es entscheidet die Adresse. Reguliert wird alles von der Aufsichtsbehörde ASEP, die die Tarife halbjährlich festsetzt.
Der durchschnittliche Haushaltstarif lag im Frühjahr 2026 bei rund 0,18 US-Dollar je Kilowattstunde. Das klingt nach der Hälfte des deutschen Preises — und trotzdem berichten viele Auswanderer von Stromrechnungen, die sie aus Deutschland nicht kennen.
Der Grund heißt Klimaanlage. In der Stadt und im Tiefland läuft sie im Grunde durchgehend, und sie ist mit Abstand der größte Posten im Haushalt. Zwei Klimageräte im Dauerbetrieb bringen eine Monatsrechnung schnell in den dreistelligen Bereich.
Genau daraus erklärt sich, warum Boquete und die Berge so beliebt sind: Auf 1.200 Metern braucht man keine Klimaanlage. Das ist kein Geschmacksurteil, das ist ein Posten in der monatlichen Rechnung.
Der Staat stützt die Tarife für Haushalte mit einem Verbrauch bis 300 Kilowattstunden im Monat. Im März 2026 hat die Regierung erklärt, die Strompreise trotz gestiegener Brennstoffkosten nicht anzuheben und die Subventionen dafür auszuweiten.
Pensionado-Inhaber bekommen 25 Prozent Nachlass auf die Strom- und die Wasserrechnung. Wichtig dabei: Der Vertrag muss auf deinen Namen laufen. Wer zur Miete wohnt und die Nebenkosten über den Vermieter zahlt, sieht von diesem Rabatt nichts.
WAS DEIN GERÄT WIRKLICH KAPUTT MACHT
Nicht der Stromausfall, sondern das, was danach kommt. Spannungsschwankungen und Überspannung nach einer Unterbrechung sind in Panama Alltag, in ländlichen Gegenden mehr als in der Stadt.
Überspannungsschutz an Kühlschrank, Fernseher und Rechner ist deshalb keine Vorsicht, sondern Grundausstattung. Wer eine Klimaanlage oder eine Pumpe hat, braucht einen Spannungswächter davor. In der Regenzeit sind Ausfälle nach Gewittern normal — für Router und Rechner lohnt sich eine kleine unterbrechungsfreie Stromversorgung.
GAS: ES KOMMT IN DER FLASCHE
Ein Gasnetz für Haushalte gibt es in Panama nicht. Gekocht wird mit Flüssiggas aus der Flasche, dem „tanquecito".
Die Standardflasche fasst 25 Pfund und ist staatlich subventioniert. Der regulierte Preis liegt zwischen 4,37 und 6,90 US-Dollar, je nach Region — in Panama-Stadt und San Miguelito am unteren Ende, in abgelegenen Gegenden am oberen. Ohne Subvention läge sie bei 12,87 US-Dollar; der Staat trägt also rund 8,50 US-Dollar je Flasche. Überwacht wird die Preisbindung von der Verbraucherbehörde Acodeco.
Für einen Zweipersonenhaushalt hält so eine Flasche je nach Kochgewohnheit mehrere Wochen. Geliefert wird sie ins Haus, in vielen Gegenden fährt der Wagen mit Hupsignal durch die Straße.
Beheizt wird in Panama nichts. Heizung ist im ganzen Land kein Thema — auch in Boquete nicht, wo es nachts kühl wird. Eine Decke reicht.
WASSER: BILLIG, ABER NICHT IMMER DA
Das Wasser kommt vom staatlichen Versorger IDAAN, in manchen ländlichen Gegenden von örtlichen Wassergenossenschaften. Es ist ausgesprochen günstig, oft nur wenige Dollar im Monat.
Der Haken ist die Zuverlässigkeit. Unterbrechungen kommen vor, in der Trockenzeit häufiger, nach starken Regenfällen ebenfalls, weil das Rohwasser trüb wird. Wie lange und wie oft, hängt stark vom Ort ab.
Deshalb gehört in Panama zur Wohnungsbesichtigung eine Frage, die man aus Deutschland nicht kennt: Gibt es einen Wassertank? Viele Häuser und Wohnanlagen haben eine Zisterne oder einen Tank auf dem Dach, der einen Ausfall von ein bis zwei Tagen überbrückt. Ein Haus ohne Tank ist in vielen Gegenden ein echter Nachteil.
Trinkwasser: In Panama-Stadt gilt das Leitungswasser als trinkbar. In vielen ländlichen Gegenden, auf den Inseln und in Bocas del Toro nicht. Frag die Nachbarn, nicht das Internet — das ist von Ort zu Ort verschieden.
WAS SONST NOCH ANS HAUS KOMMT
Internet und Mobilfunk sind gut ausgebaut, in der Stadt schnell und günstig, auf dem Land dünner. In den Bergen ist Glasfaser nicht selbstverständlich — bevor du eine Wohnung nimmst, von der aus du arbeiten willst, lass dir die tatsächliche Leitung zeigen, nicht den Werbeprospekt.
Müllabfuhr läuft über die Gemeinde und wird häufig zusammen mit anderen kommunalen Abgaben abgerechnet.
KURZ GESAGT
Nimm keine Elektrogeräte mit, außer sie tragen 100–240 V auf dem Netzteil. Rechne die Klimaanlage in deine Miete ein, bevor du dich in eine Wohnung im Tiefland verliebst. Frag nach dem Wassertank. Und kauf am ersten Tag Überspannungsschutz — der ist billiger als der Kühlschrank dahinter.
Hinweis: Dieser Artikel gibt einen Überblick nach dem Stand August 2026. Tarife und Subventionen werden in Panama halbjährlich neu festgesetzt und politisch angepasst; die aktuellen Werte veröffentlicht die Aufsichtsbehörde ASEP.