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Steuern und Finanzen

Steuern in Panama: Warum steuerfrei nicht steuerfrei heißt

Panama besteuert nur, was im Land verdient wird — ausländische Einkünfte bleiben frei. Was dabei fast immer untergeht: Deutschland und Panama haben kein Doppelbesteuerungsabkommen. Deine deutsche Rente wird deshalb weiter in Deutschland besteuert, und zwar ab dem ersten Euro. Dazu die EU-Liste, die erweiterte beschränkte Steuerpflicht und der Fragebogen, der nach dem Wegzug kommt.

9 Min. Lesezeit · 🇵🇦 Panama

Steuern in Panama: Warum steuerfrei nicht steuerfrei heißt

Kaum ein Land trägt so viel Legende mit sich herum wie Panama. Steueroase, Briefkastenfirmen, Papers — das hängt seit Jahren an diesem Namen. Und dann sitzt du in Boquete auf der Terrasse, rechnest nach und merkst: Vieles davon stimmt sogar. Nur eben nicht das, worauf du gehofft hast.

DAS TERRITORIALPRINZIP — DAS IST DER KERN

Panama besteuert Einkommen nach seiner Quelle, nicht nach deinem Wohnsitz. Was in Panama verdient wird, wird in Panama besteuert. Was außerhalb Panamas entsteht, bleibt in Panama steuerfrei — vollständig, unabhängig davon, wie lange du im Land lebst und ob du dort dauerhaft ansässig bist.

Das gilt für Dividenden aus ausländischen Firmen, Zinsen, Kursgewinne aus einem Depot im Ausland und für Mieteinnahmen aus deiner deutschen Wohnung. Panama greift darauf nicht zu.

Für Einkünfte aus panamaischer Quelle gilt eine Staffel mit drei Stufen. Bis 11.000 US-Dollar im Jahr fällt keine Einkommensteuer an. Zwischen 11.000 und 50.000 US-Dollar sind es 15 Prozent, darüber 25 Prozent. Das Steuerjahr ist das Kalenderjahr, die Erklärung ist bis zum 15. März des Folgejahres fällig.

Die Mehrwertsteuer heißt ITBMS und liegt bei 7 Prozent. Alkohol und Hotelübernachtungen werden mit 10 Prozent belegt, Tabak mit 15 Prozent. Grundnahrungsmittel, Medikamente, ärztliche Leistungen und Transport sind befreit — für den Alltag ist das ein spürbarer Unterschied zu 19 Prozent in Deutschland.

Und eine Zahl, die viele überrascht: Panama kennt weder Erbschaft- noch Schenkungsteuer. Vermögensübertragungen sind dort steuerfrei.

JETZT DER SATZ, DER ALLES ÄNDERT

Zwischen Deutschland und Panama gibt es kein Doppelbesteuerungsabkommen.

Das einzige Abkommen zwischen beiden Staaten wurde am 21. November 2016 unterzeichnet und regelt ausschließlich die Besteuerung von See- und Luftfahrtunternehmen im internationalen Verkehr. Für dich als Privatperson ist es ohne Bedeutung.

Kein Abkommen heißt: Es gibt keine Regel, die festlegt, wer besteuern darf. Es gibt nur zwei Staaten, die jeweils ihr eigenes Recht anwenden.

WAS DAS FÜR DEINE DEUTSCHE RENTE BEDEUTET

Wer seinen Wohnsitz aus Deutschland wegverlegt, ist dort nicht mehr unbeschränkt, sondern beschränkt steuerpflichtig. Die deutsche gesetzliche Rente bleibt in Deutschland steuerpflichtig.

Und hier liegt der Haken, den viele erst mit dem ersten Bescheid begreifen: Beschränkt Steuerpflichtigen steht der Grundfreibetrag nicht zu. Der steuerpflichtige Teil der Rente wird ab dem ersten Euro besteuert. In Deutschland darf eine alleinstehende Rentnerin 2026 rund 12.348 Euro im Jahr steuerfrei beziehen — in Panama fällt dieser Schutz weg.

Zuständig ist ein einziges Finanzamt für alle Auslandsrentner: das Finanzamt Neubrandenburg, Bereich Rente im Ausland. Es beantwortet Anfragen ausschließlich auf Deutsch.

Es gibt einen Ausweg, aber er ist eng: Nach § 1 Absatz 3 des Einkommensteuergesetzes kann man beantragen, als unbeschränkt steuerpflichtig behandelt zu werden, und käme so wieder an den Grundfreibetrag. Das setzt voraus, dass praktisch das gesamte Einkommen aus Deutschland stammt. Und die Zusammenveranlagung mit dem Ehepartner ist dabei an einen Wohnsitz in der EU oder im EWR geknüpft — Panama fällt heraus.

Panama besteuert die Rente nicht, weil sie aus dem Ausland kommt. Deutschland besteuert sie ohne Freibetrag. Unter dem Strich zahlst du auf deine Rente möglicherweise mehr Steuern als vorher.

DIE ZEHN JAHRE NACH DEM WEGZUG

Panama gilt steuerrechtlich als Niedrigsteuergebiet. Damit greift § 2 des Außensteuergesetzes, die erweiterte beschränkte Steuerpflicht.

Sie trifft deutsche Staatsangehörige, die in den letzten zehn Jahren mindestens fünf Jahre unbeschränkt steuerpflichtig waren, in ein Niedrigsteuergebiet ziehen und weiterhin wesentliche wirtschaftliche Interessen in Deutschland haben — etwa einen Betrieb, eine Beteiligung oder erhebliche Einkünfte von dort. Dann bleiben für zehn Jahre nach dem Wegzug deutlich mehr Einkünfte in Deutschland steuerpflichtig als bei einer normalen beschränkten Steuerpflicht.

Wer Anteile an einer Kapitalgesellschaft von einem Prozent oder mehr hält, muss zusätzlich an die Wegzugsbesteuerung nach § 6 Außensteuergesetz denken. Beim Wegzug werden die stillen Reserven so behandelt, als hättest du verkauft — Steuer auf einen Gewinn, den du nie in der Hand hattest. Die Stundungsmöglichkeiten, die innerhalb der EU gelten, greifen bei einem Wegzug nach Panama nicht.

PANAMA STEHT AUF DER EU-LISTE

Am 17. Februar 2026 hat der Rat der EU die Liste nicht kooperativer Länder und Gebiete für Steuerzwecke aktualisiert. Sie umfasst zehn Einträge, und Panama steht darauf.

Deutschland setzt diese Liste im Steueroasen-Abwehrgesetz um. Die schärfsten Folgen treffen Unternehmen und Geschäftsbeziehungen, nicht den Rentner mit einem Girokonto. Was aber jeden trifft: verschärfte Mitwirkungs- und Dokumentationspflichten gegenüber dem deutschen Finanzamt und eine spürbare Zurückhaltung deutscher Banken, wenn ein panamaischer Wohnsitz im Spiel ist. Kontokündigungen sind kein Einzelfall.

Wer glaubt, Panama sei ein Ort, an dem Geld unsichtbar wird, irrt seit Jahren. Panama nimmt am automatischen Informationsaustausch nach dem gemeinsamen Meldestandard teil. Kontodaten wandern nach Deutschland.

DER FRAGEBOGEN, DER NACH DEM UMZUG KOMMT

Etwa drei bis zwölf Monate nach der Abmeldung schickt das deutsche Finanzamt einen Fragebogen zum Wegzug ins Ausland. Er fragt in großer Ausführlichkeit nach den Umständen deines Wegzugs und deinem neuen Lebensmittelpunkt.

Dahinter steht eine einfache Prüfung: Hast du den Lebensmittelpunkt wirklich verlegt, oder ist der Umzug nur auf dem Papier passiert? Wer eine Wohnung in Deutschland behält, die er jederzeit nutzen kann, bleibt dort unbeschränkt steuerpflichtig — mit allem, was daran hängt. Ein halbes Jahr Panama und ein halbes Jahr Deutschland ist genau das Muster, das nicht funktioniert.

BANKKONTO IN PANAMA

Ein Konto zu eröffnen ist in Panama aufwendiger, als der Ruf des Landes vermuten lässt. Die Banken verlangen die Aufenthaltsgenehmigung oder zumindest den carné, Referenzschreiben, Herkunftsnachweise für das Geld und oft ein persönliches Gespräch. Das ist die Folge jahrelangen internationalen Drucks — Panama prüft heute gründlicher als manche europäische Bank.

Ein Vorteil bleibt: Der US-Dollar ist offizielles Zahlungsmittel. Kein Wechselkursrisiko, keine Währungsreform im Hinterkopf. Zinsen auf Sparkonten und Festgelder bei panamaischen Banken sind von der Einkommensteuer befreit.

KURZ GESAGT

Panama nimmt dir keine Steuern auf ausländisches Einkommen ab. Deutschland lässt dich dafür ohne Grundfreibetrag zurück und schaut zehn Jahre lang genauer hin. Für jemanden mit Vermögen im Ausland und ohne deutsche Anknüpfung kann Panama ein sehr günstiger Ort sein. Für den Durchschnittsrentner mit gesetzlicher Rente ist es steuerlich eher ein Nachteil als ein Gewinn.

Das ist keine Warnung, sondern eine Rechnung. Mach sie einmal ehrlich, bevor du den Mietvertrag unterschreibst — nicht danach.

Hinweis: Dieser Artikel gibt einen Überblick nach dem Stand August 2026 und ersetzt keine Steuerberatung. Bei einem Wegzug nach Panama hängt viel an deinem Einzelfall. Lass ihn vor der Abmeldung von einem Steuerberater mit Erfahrung im Außensteuerrecht durchrechnen.

Stand: 7.8.2026

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