Heizen
Heizen in Österreich: Holz, Fernwärme und lange Winter
Wie in Österreich geheizt wird, was der Energieausweis über deine Heizkosten verrät, warum der Rauchfangkehrer von selbst kommt und weshalb Hausbesitzer im Winter den Gehsteig räumen müssen.
Der österreichische Winter ist lang. In Wien und im Flachland liegen die Nächte von Dezember bis Februar oft unter null, in den Alpentälern sinkt das Thermometer auf minus fünfzehn Grad und tiefer, und in manchen Hochlagen wird von Oktober bis Mai geheizt. Wie viel dich das kostet, entscheidet sich nicht am Tarif, sondern an der Heizung, die im Haus steht — und daran, wie gut es gedämmt ist.
Wie in Österreich geheizt wird
Österreich heizt vielfältiger als Deutschland. In Wien und anderen Städten ist die Fernwärme verbreitet; sie kommt aus Kraftwerken und Müllverbrennung und wird über den Vermieter oder direkt mit dem Versorger abgerechnet. In städtischen Altbauten stehen häufig Gasthermen in der Wohnung, die zugleich das Warmwasser bereiten.
Auf dem Land dominieren Holz und Pellets. Österreich ist eines der waldreichsten Länder Europas, und Biomasseheizungen sind hier keine Nische, sondern Alltag. Dazu kommen Ölheizungen in älteren Häusern und Wärmepumpen in fast allen Neubauten.
Ein eigenes Kapitel ist der Kachelofen. In vielen Bauernhäusern und Einfamilienhäusern steht ein gemauerter Ofen, der mit wenigen Scheiten am Tag stundenlang Wärme abgibt. Wer ein Haus mit Kachelofen kauft, hat eine zuverlässige Heizung für Stromausfälle — und meist die gemütlichste Ecke des Hauses.
Öl und Gas auf dem Rückzug
Neue Öl- und Gasheizungen dürfen in Neubauten nicht mehr eingebaut werden. Für bestehende Anlagen gibt es keinen Zwang zum sofortigen Tausch, aber der Staat fördert den Umstieg. Wer ein Haus mit alter Ölheizung kauft, sollte den Tausch in die Kalkulation aufnehmen: Er kostet je nach System eine fünfstellige Summe, von der Bund und Land oft einen erheblichen Teil übernehmen — vorausgesetzt, der Antrag geht vor dem Auftrag ein.
Der Energieausweis
Beim Kauf und bei der Miete muss der Energieausweis vorgelegt werden. Die wichtigste Zahl darauf ist der Heizwärmebedarf, kurz HWB, in Kilowattstunden je Quadratmeter und Jahr. Ein Neubau liegt bei 30 oder darunter, ein unsanierter Altbau aus den Sechzigerjahren leicht bei 150 oder 200. Das ist der Unterschied zwischen einer Heizrechnung von wenigen hundert und einigen tausend Euro im Jahr.
Fehlt der Energieausweis, obwohl er vorgelegt werden müsste, gilt eine dem Alter und der Art des Gebäudes entsprechende Gesamtenergieeffizienz als vereinbart. Verlass dich darauf nicht — frag nach.
Heizkosten in der Mietwohnung
In Häusern mit Zentralheizung oder Fernwärme werden die Heizkosten nach dem Heizkostenabrechnungsgesetz aufgeteilt: ein Teil nach der Fläche, der größere Teil nach dem tatsächlichen Verbrauch, gemessen an den Heizkörpern. Du zahlst monatliche Vorauszahlungen und bekommst einmal im Jahr die Abrechnung. Lass dir vor der Anmietung die letzte Abrechnung zeigen — sie ist ehrlicher als jede Schätzung des Maklers.
Hat die Wohnung eine eigene Gastherme, schließt du den Gasvertrag selbst ab. Die jährliche Wartung der Therme ist in vielen Mietverträgen dem Mieter übertragen und kostet etwa hundert bis zweihundert Euro.
Holz und Pellets kaufen
Brennholz wird in Raummetern verkauft, gespalten und ofenfertig oder in Meterstücken. Frisch geschlagenes Holz muss ein bis zwei Jahre trocknen, bevor es gut brennt; kauf deshalb getrocknetes Holz oder lagere früh ein. Viele Bauern und Forstbetriebe verkaufen direkt, oft günstiger als der Handel.
Pellets werden lose mit dem Tankwagen geliefert und in einen Lagerraum eingeblasen. Die Preise schwanken mit der Jahreszeit; im Frühling und Sommer ist es meist am günstigsten, das Lager zu füllen. Achte auf das Gütesiegel ENplus.
Der Rauchfangkehrer
Jede Feuerstätte — Ofen, Kamin, Öl- oder Pelletsheizung, Gastherme — muss regelmäßig vom Rauchfangkehrer überprüft und gereinigt werden. In Österreich ist das keine Empfehlung, sondern eine Pflicht, und der Rauchfangkehrer kommt von selbst. Die Kosten trägt der Eigentümer, in der Miete sind sie über die Betriebskosten verrechnet. Wer ein Haus kauft, meldet sich beim zuständigen Rauchfangkehrer an und lässt sich den letzten Befund zeigen.
Einen Kaminofen nachträglich einzubauen, ist möglich, braucht aber die Zustimmung des Rauchfangkehrers und oft der Baubehörde.
Winter heißt auch Schnee räumen
Wer im Ortsgebiet ein Haus besitzt, muss nach der Straßenverkehrsordnung den Gehsteig vor dem Grundstück von Schnee und Eis freihalten, von sechs Uhr morgens bis zehn Uhr abends. Fehlt ein Gehsteig, gilt das für einen Streifen am Straßenrand. Rutscht jemand aus, haftest du. Auch Dachlawinen und Eiszapfen fallen in deine Verantwortung — in schneereichen Orten gehören Schneefanggitter aufs Dach.
In Mehrparteienhäusern übernimmt das meist die Hausverwaltung oder ein Winterdienst, bezahlt über die Betriebskosten.
Wenn es knapp wird
Die Bundesländer zahlen Haushalten mit geringem Einkommen einen Heizkostenzuschuss, meist einmal im Winter. Die Grenzen und Beträge legt jedes Land selbst fest; der Antrag läuft über die Gemeinde oder die Landesregierung, oft nur in einem kurzen Zeitfenster im Herbst. Auch Rentner mit kleiner deutscher Rente können anspruchsberechtigt sein, wenn sie in Österreich ihren Hauptwohnsitz haben.
Vorsicht bei Stromheizungen. In manchen älteren Wohnungen, vor allem in Ferienorten, heizen Nachtspeicheröfen oder elektrische Radiatoren. Sie sind billig in der Anschaffung und teuer im Betrieb. Eine Wohnung mit Stromheizung sollte deutlich günstiger zu haben sein als eine vergleichbare mit Fernwärme oder Gas — sonst zahlst du den Unterschied jeden Winter.
Was du beim Kauf prüfst
- Heizungsart, Alter des Kessels und das Datum der letzten Wartung
- den HWB-Wert im Energieausweis
- bei Holz und Pellets: Lagerraum, Zufahrt für den Lieferwagen und den Befund des Rauchfangkehrers
- bei Öl: den Zustand des Tanks und ob ein Tausch gefördert würde
- bei Wärmepumpen: ob sie für die Heizkörper des Hauses geeignet ist oder eine Fußbodenheizung braucht
Wie viel Wärme du brauchst, hängt vom Ort ab
Zwischen dem pannonischen Osten und den Hochtälern der Alpen liegen Welten. Im Burgenland und in Wien reicht in milden Wintern eine kurze Heizperiode, in Kärnten und der Steiermark wird es in den Becken durch Nebel und Kälteseen oft kälter als in den Bergen darüber. In Tirol, Salzburg und Vorarlberg heizen Häuser in Höhenlagen fast das ganze Jahr ein wenig.
Wer aus Norddeutschland kommt, unterschätzt meist die Kälte, wer aus Süddeutschland kommt, kennt sie. Beide unterschätzen, wie viel Sonne ein österreichischer Winter hat — ein gut ausgerichtetes Haus mit großen Südfenstern spart auch in den Bergen spürbar Heizkosten.