Bildung
Schule in Österreich: Kindergarten, Gymnasium und Matura
Pflichtjahr im Kindergarten, Volksschule bis zehn, dann Gymnasium oder Mittelschule: So ist das österreichische Schulsystem aufgebaut, wann du dein Kind anmeldest und was beim Wechsel aus Deutschland zu beachten ist.
Für Kinder aus Deutschland ist der Schulwechsel nach Österreich leichter als in jedes andere Land: Die Unterrichtssprache ist Deutsch, die Lehrpläne sind ähnlich, und Abschlüsse werden gegenseitig anerkannt. Der größte Unterschied liegt im Aufbau. In Österreich wird schon mit zehn Jahren entschieden, ob ein Kind aufs Gymnasium geht — und der Schulbeginn richtet sich nach dem Bundesland.
Kindergarten: ein Jahr ist Pflicht
Der Kindergarten ist Sache der Länder und Gemeinden. Für Kinder ab drei Jahren gibt es in den meisten Gemeinden Plätze, für Kleinkinder unter drei Jahren ist die Versorgung sehr unterschiedlich: in Wien gut, auf dem Land oft knapp. Melde dein Kind früh an, am besten sobald die Wohnadresse feststeht.
Das letzte Kindergartenjahr vor der Schule ist Pflicht, halbtags und kostenlos. In vielen Bundesländern ist der Kindergarten auch darüber hinaus beitragsfrei, zumindest am Vormittag; in Wien ist er für die Betreuung ganztags gratis, nur das Essen kostet.
Schulpflicht und Aufbau
Die Schulpflicht beginnt mit dem 1. September nach dem sechsten Geburtstag und dauert neun Jahre. Danach gilt eine Ausbildungspflicht bis 18: Jugendliche müssen eine Schule besuchen oder eine Lehre machen.
Der Weg durch die Schule sieht so aus:
- Volksschule: vier Jahre, von sechs bis zehn
- danach entweder Mittelschule oder die Unterstufe der AHS, des Gymnasiums — vier Jahre
- dann die Oberstufe der AHS mit Matura, eine berufsbildende höhere Schule wie HTL oder HAK mit Matura und Berufsabschluss, eine Fachschule oder die Polytechnische Schule mit anschließender Lehre
Die Entscheidung nach der Volksschule fällt früh. Für die AHS braucht das Kind in Deutsch und Mathematik im Zeugnis der vierten Klasse mindestens ein „Gut"; andernfalls entscheidet eine Aufnahmeprüfung oder die Schulkonferenz. In den Städten sind die begehrten Gymnasien voll, die Anmeldung läuft im Februar des vierten Volksschuljahres.
Die berufsbildenden höheren Schulen
Eine österreichische Besonderheit sind die BHS: Höhere Technische Lehranstalten (HTL), Handelsakademien (HAK), Schulen für wirtschaftliche Berufe, für Tourismus oder Landwirtschaft. Sie dauern fünf Jahre, enden mit Matura und einem Berufsabschluss und genießen in der Wirtschaft einen sehr guten Ruf. Wer mit der HTL-Matura abschließt, kann sofort als Techniker arbeiten oder studieren. Für viele Jugendliche ist das der bessere Weg als das Gymnasium.
Das Schuljahr
Das Schuljahr beginnt im Osten — Wien, Niederösterreich, Burgenland — am ersten Montag im September, in den übrigen Bundesländern eine Woche später. Die Sommerferien dauern neun Wochen. Dazu kommen Weihnachts-, Semester- und Osterferien; die einwöchigen Semesterferien im Februar liegen je nach Bundesland in unterschiedlichen Wochen.
Die Noten reichen von 1, Sehr gut, bis 5, Nicht genügend. Wer in einem Fach ein „Nicht genügend" im Jahreszeugnis hat, kann im Herbst eine Wiederholungsprüfung ablegen.
Anmeldung beim Umzug
Für die Volksschule ist meist die Schule im Schulsprengel zuständig, also im Einzugsgebiet deiner Wohnadresse. Die Anmeldung läuft über die Schule oder die Gemeinde; mitbringen musst du den Meldezettel, die Geburtsurkunde und das letzte Zeugnis.
Bei einem Wechsel mitten im Schuljahr nimmt die Schule dein Kind in die passende Klasse auf. Deutsche Zeugnisse werden ohne Übersetzung verstanden. Für den Übertritt in eine höhere Schule kann eine Einstufungsprüfung verlangt werden, wenn die Fächer nicht übereinstimmen — etwa bei Latein oder einer zweiten Fremdsprache.
Der Nachmittag
Viele Schulen in Österreich sind Halbtagsschulen: Der Unterricht endet mittags oder am frühen Nachmittag. Ganztagsschulen und Nachmittagsbetreuung gibt es, besonders in den Städten, aber nicht überall. Wer als Paar voll arbeitet, sollte bei der Wahl der Wohnung prüfen, welche Schule mit Nachmittagsbetreuung erreichbar ist.
Dialekt und Wortschatz
Die Kinder verstehen im Unterricht alles. Auf dem Schulhof und auf dem Land klingt es anders — Dialekt ist in Österreich allgegenwärtig, besonders in Tirol, Vorarlberg und Kärnten. Dazu kommen andere Wörter: Jänner statt Januar, Paradeiser statt Tomate, Sackerl statt Tüte. Kinder lernen das in wenigen Wochen, Eltern brauchen etwas länger.
Die Lehre
Die duale Ausbildung ist in Österreich so angesehen wie in Deutschland. Rund ein Drittel der Jugendlichen macht eine Lehre, im Betrieb und in der Berufsschule. Wer mit fünfzehn aus der Mittelschule kommt, besucht meist ein Jahr die Polytechnische Schule, die gezielt auf die Lehre vorbereitet. Mit der „Lehre mit Matura" lässt sich parallel die Hochschulreife erwerben. Lehrstellen vermitteln das Arbeitsmarktservice (AMS) und die Wirtschaftskammer; in vielen Regionen gibt es mehr offene Stellen als Bewerber.
Religion und Ethik
Religionsunterricht ist an österreichischen Schulen ein Pflichtfach für Kinder, die einer anerkannten Religionsgemeinschaft angehören. Wer nicht getauft ist oder sich abmeldet, besucht ab der Oberstufe den Ethikunterricht, der dort seit einigen Jahren verpflichtend ist. In der Volksschule und Unterstufe ist für abgemeldete Kinder oft eine Freistunde vorgesehen.
Kinder mit besonderem Förderbedarf
Kinder mit Behinderung oder Lernschwierigkeiten können einen sonderpädagogischen Förderbedarf festgestellt bekommen. Sie werden dann entweder in Integrationsklassen an Regelschulen oder in Sonderschulen unterrichtet. Bringt dein Kind einen deutschen Förderbescheid mit, wird er nicht automatisch übernommen; die Bildungsdirektion des Bundeslands entscheidet neu. Nimm früh Kontakt auf, am besten vor dem Umzug.
Privatschulen und internationale Schulen
In Wien, Salzburg, Innsbruck und Graz gibt es internationale Schulen mit englischem Unterricht und Abschlüssen wie dem International Baccalaureate. Dazu kommen konfessionelle Privatschulen, meist katholisch, mit moderatem Schulgeld und gutem Ruf. Für Kinder aus Deutschland ist eine internationale Schule nur dann sinnvoll, wenn die Familie später weiterzieht.
Studieren in Österreich
Österreichs Universitäten verlangen von EU-Bürgern keine Studiengebühren, solange die Mindeststudienzeit plus Toleranzsemester nicht überschritten wird. Deshalb studieren hier sehr viele Deutsche; in Medizin, Psychologie und einigen anderen Fächern gibt es Aufnahmeprüfungen. Für Medizin sind drei Viertel der Plätze Bewerbern mit österreichischem Maturazeugnis vorbehalten.
Ein deutsches Abitur berechtigt zum Studium in Österreich. Fachhochschulen verlangen je nach Studiengang eine eigene Aufnahme.
Die Reihenfolge
- Kindergartenplatz so früh wie möglich bei der Gemeinde anfragen
- klären, welche Volksschule für die neue Adresse zuständig ist
- bei Zehnjährigen die Anmeldefristen der Gymnasien und Mittelschulen im Februar beachten
- Zeugnisse und Geburtsurkunden bereithalten
- prüfen, wo es Nachmittagsbetreuung gibt, bevor die Wohnung feststeht