Ankommen & Alltag
Leben in Mexiko: Alltag, Sprache und Sicherheit
Warum Spanisch der Schlüssel ist, wie Umgangsformen und Zeitgefühl funktionieren, welche Regionen du meidest und welche Regeln in den Auswandererorten gelten — dazu Einkaufen, Feste und die ersten Wochen in Mexiko.
Mexiko empfängt Ausländer mit einer Herzlichkeit, die viele Deutsche überrascht. Der Alltag ist bunt, laut, familiär und langsamer als zu Hause. Wer ankommen will, braucht dreierlei: Spanisch, Geduld mit einem anderen Verständnis von Zeit und einen nüchternen Blick auf die Sicherheitslage. Mit allen dreien lebt es sich in Mexiko sehr gut.
Ohne Spanisch geht es nicht
In den Auswandererorten wie San Miguel de Allende, am Chapalasee oder an der Riviera Maya kommst du anfangs mit Englisch durch. Beim Amt, beim Handwerker, beim Arzt auf dem Land und im Gespräch mit Nachbarn aber nicht. Wer Spanisch lernt, wird anders behandelt, bekommt bessere Preise und findet Freunde. Plane vor dem Umzug einen Kurs ein und nimm in den ersten Monaten Unterricht vor Ort — Sprachschulen gibt es in jeder größeren Stadt, oft günstig.
Umgangsformen
Man grüßt: „Buenos días" beim Betreten eines Geschäfts, im Aufzug, beim Arzt. Höflichkeit ist wichtig, direkte Kritik wird als unhöflich empfunden. Ein Nein wird selten ausgesprochen; „vamos a ver" — mal sehen — kann auch nein heißen.
Die Zeit läuft anders. „Ahorita", gleich, kann in zehn Minuten oder morgen heißen. Bei privaten Einladungen kommt man nicht pünktlich, bei Behörden, Ärzten und im Beruf wird Pünktlichkeit aber zunehmend erwartet. Handwerker kommen manchmal nicht zum vereinbarten Termin — rechne damit und bleib freundlich.
Die Familie steht im Mittelpunkt. Sonntage gehören der Familie, Feste sind groß, und Einladungen werden gern ausgesprochen. Wer eingeladen wird, bringt etwas mit.
Die Sicherheitslage — ehrlich betrachtet
Mexiko hat Regionen mit hoher Gewaltkriminalität, vor allem durch Kartelle. Das Auswärtige Amt weist in seinen Sicherheitshinweisen auf besonders betroffene Regionen hin, und die US-Behörden raten von Reisen in sechs Bundesstaaten ganz ab: Sinaloa, Guerrero, Michoacán, Tamaulipas, Colima und Zacatecas. Dazu kommen Grenzstädte wie Tijuana und Ciudad Juárez. QOVANTO zeigt diese Regionen bewusst nicht als Wohnorte.
In den Städten und Orten, in denen die meisten Auswanderer leben, ist der Alltag für Ausländer in aller Regel ruhig. Die Gewalt richtet sich überwiegend zwischen kriminellen Gruppen. Trotzdem gelten Regeln, die jeder einhält:
- Überlandfahrten bei Nacht vermeiden und die gebührenpflichtigen Autobahnen nutzen
- Taxis über eine App bestellen oder an offiziellen Ständen nehmen, nicht auf der Straße anhalten
- Geld an Automaten in Banken oder Einkaufszentren abheben, nicht auf der Straße
- Schmuck, teure Uhren und Bargeld nicht offen zeigen
- bei einem Überfall nichts verteidigen, sondern herausgeben
- die aktuellen Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts regelmäßig lesen
Erdbeben
Mexiko liegt in einer der aktivsten Erdbebenzonen der Welt. In Mexiko-Stadt und anderen Städten warnt ein Frühwarnsystem über Sirenen und Handy, oft Sekunden bevor die Erde bebt. Lerne, wo in deinem Haus die sichere Stelle ist, und mach bei den jährlichen Übungen mit. Wohnst du in Mexiko-Stadt, lohnt ein Blick auf das Baujahr und den Untergrund des Hauses.
Einkaufen und Bezahlen
Eingekauft wird im Supermarkt — Walmart, Soriana, Chedraui, La Comer —, auf den Märkten, den mercados, und im Kiosk an der Ecke. Die Ladenkette Oxxo findest du in jedem Ort; dort bezahlst du auch Rechnungen und lädst Guthaben auf. Frisches Obst und Gemüse ist auf den Märkten günstig und gut.
Bargeld ist weiter wichtig, besonders auf Märkten, bei kleinen Läden und beim Taxi. Karten werden in Supermärkten und Restaurants fast überall akzeptiert. Trinkgeld gibt man im Restaurant 10 bis 15 Prozent, dazu an Tankwarte, Parkwächter und die Packer an der Supermarktkasse.
Essen und Trinken
Die mexikanische Küche gehört zum Weltkulturerbe, und sie ist vielfältiger als alles, was in Deutschland als mexikanisch gilt. Essen von Straßenständen ist Teil des Alltags; wähle Stände mit vielen Kunden und frisch gekochten Speisen. Trinkwasser nur aus Flaschen oder Filtern — auch Eiswürfel in Restaurants sind in den Städten meist aus gereinigtem Wasser, auf dem Land frag nach.
Behörden und Papierkram
Behördengänge, trámites, brauchen in Mexiko Zeit und Kopien. Nimm zu jedem Termin das Original und zwei Kopien jedes Dokuments mit, dazu Passfotos und einen aktuellen Wohnsitznachweis. Viele Ämter vergeben Termine online, die citas, und lassen niemanden ohne Termin herein. Wer freundlich bleibt und Spanisch spricht, kommt weiter; wer sich beschwert, wartet länger.
Für die Anmeldung von Strom, Internet oder Bankkonto verlangt fast jeder die gleichen drei Dinge: Aufenthaltskarte, CURP und Wohnsitznachweis. Leg dir davon einen Satz Kopien an, den du immer griffbereit hast.
Wohnen und Nachbarschaft
Viele Auswanderer wohnen in einer geschlossenen Wohnanlage, einem fraccionamiento oder condominio, mit Tor und Wachdienst. Das gibt Sicherheit und Ruhe, kann aber auch isolieren. Wer mitten in einer colonia wohnt, einem normalen Stadtviertel, erlebt Mexiko näher: den Markt am Samstag, den Gasverkäufer mit seiner Melodie, die Nachbarn, die abends vor der Tür sitzen. Schau dir beides an, bevor du dich entscheidest.
Feste und Feiertage
Die großen Feste prägen das Jahr: der Unabhängigkeitstag in der Nacht vom 15. auf den 16. September, der Día de Muertos am 1. und 2. November, bei dem die Familien ihre Toten mit Altären und Blumen ehren, die Posadas vor Weihnachten und die Karwoche. Wer mitfeiert, wird schnell Teil der Nachbarschaft.
Deutsche in Mexiko
Deutsche leben vor allem in Mexiko-Stadt, in Puebla rund um das VW-Werk, in Querétaro, Guadalajara und in den Auswandererorten. Es gibt deutsche Vereine, Stammtische, evangelische und katholische deutschsprachige Gemeinden und die Deutsch-Mexikanische Industrie- und Handelskammer. Wer aber in Mexiko wirklich ankommen will, sucht vor allem mexikanische Freunde.
Die ersten Wochen
- binnen 30 Tagen zum Migrationsamt INM
- Spanischkurs beginnen, falls noch nicht geschehen
- die Nachbarn begrüßen und sich vorstellen
- Arzt, Apotheke und Krankenhaus in der Nähe heraussuchen
- die Notrufnummer 911 und die Nummer der Deutschen Botschaft speichern