Versicherungen
Versicherungen in Kolumbien – was du brauchst und was du dir sparen kannst
Eine Privathaftpflicht kennt in Kolumbien fast niemand, dafür hat jede zweite Familie eine Bestattungsvorsorge. Welche Policen im Land wirklich üblich sind, welche deutschen mit dem Umzug enden – und warum das Erdbebenrisiko in deinen Vertrag gehört.
Deine deutschen Verträge enden früher, als du denkst
Die meisten deutschen Versicherungen setzen einen Wohnsitz in Deutschland voraus. Mit der Abmeldung entfällt die Grundlage – teils sofort, teils zum Ende des Versicherungsjahres.
Das betrifft Hausrat und Privathaftpflicht: Beide gelten nach dem Umzug nicht mehr für dein neues Zuhause. Melde dich aktiv bei deinem Versicherer, statt einfach weiterzuzahlen. Wer jahrelang Beiträge für eine Police überweist, die im Schadensfall nicht greift, merkt es genau einmal – und dann zu spät.
Anders liegen die Fälle, die an dir hängen statt an deiner Adresse: Eine Risikolebensversicherung, eine private Unfallversicherung mit weltweiter Deckung und eine Berufsunfähigkeitsversicherung laufen in der Regel weiter. Frag trotzdem schriftlich nach und lass dir bestätigen, dass Kolumbien als Wohnsitzland kein Problem ist – manche Verträge enthalten Auslandsklauseln, die niemand liest.
Kapitallebensversicherungen und Rentenversicherungen laufen weiter, aber die Auszahlung ins Ausland kann steuerlich anders behandelt werden. Das ist ein Fall für den Steuerberater, nicht für die Versicherung.
Die Haftpflicht, die es kaum gibt
Auf diesen Unterschied musst du dich einstellen: Eine Privathaftpflicht, wie sie in Deutschland fast jeder Haushalt hat, ist in Kolumbien unüblich. Es gibt sie – sie heißt responsabilidad civil extracontractual –, aber sie wird meist als Zusatzbaustein zur Hausratversicherung oder zur Autoversicherung verkauft, nicht als eigenständige Police für die Familie.
Frag bei deiner Hausratversicherung danach und lass dir den Deckungsumfang zeigen. Die Summen sind deutlich niedriger als in Deutschland üblich.
Wohnung und Haus
Die Hausratversicherung heißt seguro de hogar und deckt in der Grundform Feuer, Blitz, Explosion und meist Diebstahl mit Einbruchspuren. Zwei Bausteine sind in Kolumbien wichtiger als in Deutschland:
Erdbeben. Kolumbien liegt auf mehreren aktiven Verwerfungen; die Kaffeeregion, der Südwesten und die Region um Bucaramanga sind besonders betroffen. Das Wort im Vertrag heißt terremoto. Es ist selten automatisch dabei – prüf es.
Überschwemmung und Erdrutsch, im Vertrag inundación und deslizamiento. In den Berglagen, in denen viele Zugezogene wohnen, ist der Hang das größere Risiko als der Fluss.
Wohnst du in einer Wohnanlage, ist das Gebäude ohnehin versichert: Nach dem Wohnungseigentumsgesetz von 2001 muss die Eigentümergemeinschaft die gemeinschaftlichen Teile gegen Feuer und Erdbeben versichern. Das ist Teil deiner Hausgeldzahlung. Dein eigener Vertrag deckt dann nur, was in deinen vier Wänden steht.
Bei einem Kauf mit Kredit verlangt die Bank ohnehin eine Police auf ihren Namen – prüf, ob du sie durch eine eigene, günstigere ersetzen darfst. In Kolumbien geht das oft.
Das Auto
Für jedes Fahrzeug gilt Versicherungspflicht: der SOAT, die Pflichtversicherung für Personenschäden. Sie deckt medizinische Behandlung, Bestattungskosten und eine Invaliditätsleistung für Verletzte – aber ausschließlich Personen. Sie zahlt keinen einzigen Peso für ein zerbeultes Blech. Der SOAT wird jährlich abgeschlossen, die Preise legt die Aufsichtsbehörde nach Fahrzeugtyp und Hubraum fest, und ohne gültigen SOAT wird das Auto bei einer Kontrolle abgeschleppt.
Alles Weitere deckt die freiwillige póliza todo riesgo: Schäden am eigenen Fahrzeug, Diebstahl, und vor allem die Haftpflicht für Sachschäden anderer. Genau diesen Teil vergisst man, wenn man vom deutschen System herkommt, wo Haftpflicht und Pflichtversicherung dasselbe sind. In Kolumbien sind sie es nicht. Fahr nicht ohne todo riesgo.
Achte im Vertrag auf zwei Punkte: den Selbstbehalt, deducible, und die Frage, ob Fahrten außerhalb der Städte und über Landstraßen ohne Einschränkung gedeckt sind.
Die Versicherung, die hier jeder hat
Das plan exequial ist die kolumbianische Bestattungsvorsorge, und sie ist im Land völlig selbstverständlich – quer durch alle Schichten. Für einen kleinen Monatsbeitrag übernimmt der Anbieter im Todesfall die gesamte Abwicklung: Überführung, Sarg, Trauerfeier, Grab oder Einäscherung, Papiere. Angeboten wird sie von Bestattungshäusern wie Los Olivos, Jardines del Recuerdo oder Coomeva und oft im Familientarif für mehrere Angehörige zugleich.
Für Zugezogene ist sie aus einem zusätzlichen Grund interessant: Sie nimmt den Angehörigen die Organisation in einem Land ab, dessen Sprache und Behördenwege sie vielleicht nicht kennen. Prüf dabei ausdrücklich zwei Dinge – ob es eine Aufnahme-Altersgrenze gibt, und ob eine Überführung nach Deutschland eingeschlossen oder zubuchbar ist. Sie ist es meist nicht, und sie kostet ohne Vorsorge einen fünfstelligen Betrag.
Für Mieter und Vermieter
Wer in Kolumbien eine Wohnung mietet, muss fast immer eine Sicherheit stellen. Das läuft über Firmen wie Afianzadora oder über die Mietbürgschaft eines Versicherers: Du zahlst eine Gebühr, und das Unternehmen bürgt dem Vermieter gegenüber für deine Miete. Das ersetzt die in Deutschland übliche Kaution und den Bürgen.
Als Vermieter kannst du dich umgekehrt mit einem seguro de arrendamiento gegen Mietausfall absichern; die Gesellschaft treibt dann auch bei und übernimmt das Räumungsverfahren.
Für die ersten Monate
Bis deine Cédula da ist und die EPS läuft, brauchst du eine internationale Krankenversicherung. Sie gehört ohnehin zum Visumsantrag, denn Kolumbien verlangt für das M-Visum eine Police, die im ganzen Land gilt, alle Risiken deckt und die Rückführung im Todesfall einschließt.
Zwei Fallen dabei: Reisekrankenversicherungen aus Deutschland decken meist nur Reisen bis zu einer bestimmten Dauer – sechs Wochen, acht Wochen, manchmal drei Monate. Für einen Umzug taugen sie nicht. Und Policen ohne Rückführungsdeckung werden von der Cancillería zurückgewiesen; das steht ausdrücklich in den Anforderungen.
Was du dir sparen kannst
Eine Rechtsschutzversicherung, wie sie in Deutschland verkauft wird, gibt es in Kolumbien praktisch nicht. Rechtsstreitigkeiten laufen anders: Für Grundrechtsfragen – und Gesundheit gehört dazu – gibt es die tutela, einen kostenlosen Eilantrag beim Gericht, für den du keinen Anwalt brauchst.
Und lass dir keine Police aufschwatzen, die dir am Bankschalter zum Konto dazugelegt wird. Diese Kombinationsprodukte sind teuer und decken wenig. Vergleich lieber bei zwei, drei Gesellschaften direkt – Sura, Bolívar, Allianz Colombia, Mapfre und Axa Colpatria sind die großen Namen.