Bildung
Schule, Studium und Sprachkurse in Kolumbien
Kolumbien hat vier deutsche Auslandsschulen mit anerkanntem Abschluss – in Bogotá, Medellín, Cali und Barranquilla. Wie das Schuljahr läuft, was Privatschulen kosten und wo du als Erwachsener Spanisch lernst, ohne dass es teuer wird.
Vier deutsche Schulen im Land
Kolumbien gehört zu den Ländern mit einem dichten Netz deutscher Auslandsschulen. Vier gibt es, alle mit langer Geschichte und alle von der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen betreut:
Das Colegio Andino – Deutsche Schule Bogotá im Norden der Hauptstadt, die größte der vier. Das Colegio Alemán Medellín. Das Colegio Alemán Cali. Und das Colegio Alemán Barranquilla an der Karibikküste.
Alle vier führen zum kolombianischen Abschluss und bieten daneben deutsche Abschlüsse an – das Deutsche Sprachdiplom und, je nach Schule, das gemischtsprachige Internationale Abitur. Damit kann dein Kind oder Enkelkind ohne Umweg an einer deutschen Universität studieren.
Die Schulen sind zweisprachig, die Klassen international gemischt, und die Wartelisten sind lang. Wer plant, mit schulpflichtigen Kindern zu kommen, schreibt ein Jahr vorher an die Schule – nicht drei Wochen vor dem Umzug.
Rechne mit Schulgeld in der Größenordnung von zwei bis fünf Millionen Pesos im Monat, dazu einmalige Aufnahmegebühren. Das ist erheblich; für Familien mit einem deutschen Einkommen aber machbar, und es ist der Preis für einen Abschluss, der in beiden Ländern zählt.
Wie das Schuljahr läuft
Kolumbien hat zwei Kalender, und das verwirrt jeden Zugezogenen.
Der calendario A beginnt im Januar oder Februar und endet im November. Ihm folgen die meisten öffentlichen Schulen und ein großer Teil der Privatschulen, vor allem in Bogotá, im Landesinneren und an der Küste.
Der calendario B beginnt im August oder September und endet im Juni – wie in Europa und Nordamerika. Ihm folgen viele internationale Schulen, darunter die deutschen, und die meisten Privatschulen in Cali und Medellín.
Das ist bei einem Umzug entscheidend. Wer im Sommer aus Deutschland kommt, passt in den calendario B nahtlos hinein und würde im calendario A mitten ins Schuljahr platzen.
Das Schulsystem in Kürze
Die preescolar beginnt mit fünf Jahren. Darauf folgt die básica primaria, fünf Jahre, dann die básica secundaria, vier Jahre, und schließlich die media mit zwei Jahren, die mit dem Titel bachiller endet – dem kolumbianischen Schulabschluss.
Am Ende steht die staatliche Prüfung ICFES Saber 11, eine landesweite Abschlussprüfung, deren Ergebnis über den Zugang zu Universitäten und Stipendien entscheidet. Sie ist für jeden Schüler Pflicht.
Öffentlich oder privat
Die öffentlichen Schulen sind kostenlos, aber der Unterschied zu Privatschulen ist in Kolumbien größer als in Deutschland – in der Ausstattung, in der Klassenstärke und in den Ergebnissen. In vielen Regionen wird nur halbtags unterrichtet, weil dasselbe Gebäude vormittags und nachmittags zwei Schülergruppen aufnimmt.
Deshalb schickt jede Familie, die es sich leisten kann, ihre Kinder auf eine Privatschule. Das ist keine Frage von Anspruch, sondern der Normalfall in der Mittelschicht. Die Bandbreite ist groß: Von einer halben Million Pesos im Monat für eine solide Nachbarschaftsschule bis zu mehreren Millionen für die internationalen Häuser.
Wichtig zu wissen: Auch privat besuchte Schulen brauchen die Anerkennung durch das Bildungssekretariat der Stadt. Frag nach der Registrierung, bevor du unterschreibst.
Wenn dein Kind aus Deutschland kommt
Zeugnisse aus Deutschland müssen für die Aufnahme in eine kolumbianische Schule beglaubigt werden: Apostille aus Deutschland, dann Übersetzung durch einen in Kolumbien zugelassenen Übersetzer. Bei einem Wechsel mitten in der Schullaufbahn entscheidet die Schule über die Einstufung; für den Abschluss selbst ist die Anerkennung durch das Bildungsministerium nötig, die convalidación.
Beantrage die Apostille in Deutschland, solange du dort bist. Aus Kolumbien heraus dauert es Wochen.
Studieren in Kolumbien
Die angesehensten Universitäten sind die staatliche Universidad Nacional de Colombia, die Universidad de los Andes und die Universidad Javeriana in Bogotá, die Universidad de Antioquia und EAFIT in Medellín sowie die Universidad del Valle und die Icesi in Cali.
Die staatlichen Universitäten sind sehr günstig, verlangen aber eine eigene Aufnahmeprüfung, und die Plätze sind hart umkämpft. Private Universitäten kosten je Semester grob zwischen fünf und dreißig Millionen Pesos – ein Bruchteil amerikanischer Preise, gemessen an deutschen Verhältnissen aber viel Geld.
Ausländische Studierende brauchen ein V-Visum als Student. Bewerben kannst du dich vom Ausland aus; die Universität stellt die Zulassung aus, die du dem Visumsantrag beilegst. Deutsche Abschlüsse werden für die Zulassung anerkannt, müssen aber apostilliert und übersetzt sein.
Berufsausbildung
Was in Deutschland die duale Ausbildung ist, ist in Kolumbien das SENA – das staatliche Servicio Nacional de Aprendizaje. Es bietet kostenlose Kurse und Ausbildungen in Handwerk, Technik, Gastronomie, Pflege und Verwaltung an, für Kolumbianer und für Ausländer mit Cédula.
Das SENA ist auch für Zugezogene interessant, die kein Studium brauchen, sondern etwas Praktisches: Kochkurse, Buchhaltung, Elektrik, Landwirtschaft. Die Kurse sind gut organisiert und wirklich kostenlos.
Spanisch lernen – der wichtigste Punkt für Erwachsene
Ohne Spanisch geht in Kolumbien wenig. Außerhalb der Geschäftsviertel von Bogotá und Medellín spricht kaum jemand Englisch, und beim Amt, beim Arzt und beim Handwerker gar niemand.
Die gute Nachricht: Kolumbianisches Spanisch – besonders das aus Bogotá und dem Kaffeegürtel – gilt als das klarste und langsamste Lateinamerikas. Für Anfänger ist das ein echter Vorteil gegenüber Chile oder der Karibik.
Wo du lernst:
Die Universitäten bieten Sprachkurse für Ausländer an, die Universidad Nacional, die Javeriana und die Universidad EAFIT in Medellín. Solide, strukturiert, mit Zertifikat.
Private Sprachschulen findest du in Medellín, Bogotá, Cartagena und Santa Marta reichlich, oft mit Kursen speziell für Zugezogene.
Ein Privatlehrer kostet in Kolumbien wenig – rechne mit 40.000 bis 80.000 Pesos die Stunde. Zwei Stunden die Woche über ein Jahr verändern alles und kosten weniger als ein deutscher Volkshochschulkurs.
Und der intercambio: Du triffst dich mit jemandem, der Deutsch oder Englisch lernen will, und ihr redet je zur Hälfte in einer Sprache. Kostet nichts und bringt zugleich Bekanntschaften – das ist für die ersten Monate oft wertvoller als der Unterricht selbst.
Fang in Deutschland an, nicht erst hier. Wer mit einem Grundwortschatz ankommt, erlebt die ersten Wochen völlig anders.
Für Ältere
Viele Universitäten haben Programme für Senioren, und in den größeren Städten gibt es Kulturzentren mit Kursen in Malerei, Tanz, Fotografie oder Geschichte. Die Goethe-Institute in Bogotá und die deutschen Kulturvereine in Medellín und Cali sind daneben Anlaufstellen, an denen sich Deutschsprachige treffen – für die ersten Monate oft der schnellste Weg zu Kontakten.