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Arbeit und Beruf

Arbeiten und selbständig sein in Kolumbien

Nicht jedes Visum erlaubt dir zu arbeiten, und ein Rentnervisum erlaubt es nicht. Was Angestellte, Selbständige und Ferntätige beachten müssen, wie viel in Kolumbien verdient wird – und warum eine SAS in einer Woche gegründet ist.

9 Min. Lesezeit · 🇨🇴 Kolumbien

Arbeiten und selbständig sein in Kolumbien

Zuerst: Darfst du überhaupt?

Das ist die Frage, die vor allen anderen steht, und sie wird oft zu spät gestellt. In Kolumbien hängt die Arbeitserlaubnis am Visum, nicht am Aufenthalt.

Mit einem Touristenstempel darfst du nicht arbeiten – auch nicht ein bisschen, auch nicht gegen Bargeld.

Das Rentnervisum M-11 erlaubt dir, in Kolumbien zu leben, aber es erlaubt keine Erwerbstätigkeit im Land. Wer als Rentner nebenbei etwas aufbauen will, braucht ein anderes oder zusätzliches Visum.

Das Arbeitsvisum M setzt einen kolumbianischen Arbeitgeber voraus, der dich einstellt und für dich einsteht. Das Investorenvisum M erlaubt Tätigkeiten im Zusammenhang mit deiner Investition oder deinem Unternehmen – nicht aber eine beliebige Anstellung daneben. Wer sich selbständig macht und ein eigenes Unternehmen in Kolumbien führt, kommt über die Visumskategorie für Unternehmer hinein.

Und das digitale Nomadenvisum ist ein V-Visum für Menschen, die für ausländische Auftraggeber arbeiten. Es hat eine niedrige Einkommensschwelle, gilt bis zu zwei Jahre – aber diese Zeit zählt nicht für eine spätere Daueraufenthaltserlaubnis.

Merk dir diesen letzten Punkt. Wer über Jahre mit V-Visa im Land lebt, sammelt keine Zeit an. Wer eine Perspektive auf Daueraufenthalt will, braucht ein M-Visum.

Was in Kolumbien verdient wird

Der gesetzliche Mindestlohn liegt 2026 bei 1.750.905 Pesos im Monat, dazu kommt eine Transportzulage von 249.095 Pesos für Beschäftigte bis zum doppelten Mindestlohn – zusammen glatte zwei Millionen Pesos, rund 450 Euro. Zum 1. Januar 2026 ist der Mindestlohn um 23 Prozent gestiegen, der stärkste Sprung seit Jahrzehnten.

Eine Bürokraft verdient in einer großen Stadt zwei bis vier Millionen, eine Fachkraft mit Studium vier bis acht, eine erfahrene Führungskraft deutlich mehr. Für europäische Verhältnisse sind das niedrige Zahlen – und sie erklären, warum eine Rente aus Deutschland in Kolumbien weit trägt.

Umgekehrt gilt: Wer plant, hier ein europäisches Einkommen zu erzielen, plant falsch. Kolumbien ist ein Ort, an dem man von außen kommendes Geld gut ausgibt, kein Ort, an dem man es verdient.

Wenn du angestellt wirst

Der Arbeitsvertrag heißt contrato laboral und gibt es als befristeten oder unbefristeten. Die Wochenarbeitszeit ist seit dem 15. Juli 2026 auf 42 Stunden gesunken – Teil der schrittweisen Verkürzung nach dem Gesetz Ley 2101 von 2021.

Kolumbien kennt Leistungen, die es in Deutschland nicht gibt: die prima de servicios, ein zusätzlicher Monatslohn, ausgezahlt zur Hälfte im Juni und im Dezember. Die cesantías, eine Art gesetzliche Abfindungsrücklage, die jährlich in einen Fonds eingezahlt und verzinst wird. Und fünfzehn Werktage bezahlten Urlaub im Jahr.

Der Arbeitgeber meldet dich bei Krankenkasse, Rentenfonds und Unfallversicherung an und zieht die Beiträge ein. Dein Anteil liegt bei vier Prozent für die Gesundheit und vier Prozent für die Rente.

Wenn du selbständig arbeitest

Als Selbständiger meldest du dich bei der Steuerbehörde DIAN an und bekommst deinen RUT, die Steuernummer. Ohne RUT kannst du keine Rechnung schreiben – und Rechnungen laufen in Kolumbien elektronisch, über die factura electrónica der DIAN. Es gibt günstige Anbieter, die das für dich abwickeln.

Deine Sozialbeiträge zahlst du selbst über das Formular PILA: 12,5 Prozent für die Gesundheit und 16 Prozent für die Rente, berechnet auf 40 Prozent deiner Bruttoeinnahmen, mindestens aber auf einen Mindestlohn.

Wer die Rentenbeiträge nicht zahlen will, sollte wissen, dass die Gesundheitsbeiträge dennoch Pflicht sind – und dass die DIAN Einnahmen und Beiträge abgleicht.

Ein Unternehmen gründen

Die übliche Form ist die SAS, die Sociedad por Acciones Simplificada. Sie ist Kolumbiens großer Verwaltungserfolg: Ein Gesellschafter genügt, ein Mindestkapital gibt es nicht, die Haftung ist beschränkt, und der Gesellschaftsvertrag ist ein privates Dokument – kein Notar nötig.

Der Weg: Namen bei der Handelskammer prüfen, Gründungsdokument aufsetzen, bei der Cámara de Comercio deiner Stadt eintragen, RUT bei der DIAN beantragen, Firmenkonto eröffnen. Das dauert in der Praxis wenige Tage bis zwei Wochen und kostet einen überschaubaren Betrag, der sich nach dem Kapital richtet.

Zwei Punkte, die man übersieht: Die Handelsregistereintragung muss jedes Jahr im ersten Quartal erneuert werden – die renovación. Und eine SAS zahlt Körperschaftsteuer und muss Buch führen; für kleine Tätigkeiten kann die Anmeldung als Einzelperson mit RUT die einfachere Lösung sein.

Für kleine Betriebe gibt es das Régimen Simple de Tributación, ein vereinfachtes Sammelverfahren, das Einkommensteuer, Gewerbesteuer und weitere Abgaben in einem Satz zusammenfasst. Lass dir von einem contador ausrechnen, ob es für dich günstiger ist.

Wenn du für deutsche Kunden weiterarbeitest

Das ist der häufigste Fall bei Zugezogenen – und der Fall, in dem die meisten Fehler passieren.

Zwei Dinge musst du auseinanderhalten. Aufenthaltsrechtlich brauchst du ein Visum, das die Tätigkeit deckt; für Arbeit ausschließlich für ausländische Auftraggeber ist das digitale Nomadenvisum vorgesehen. Steuerlich aber giltst du, sobald du 183 Tage im Land bist, als steuerlich ansässig – und dann besteuert Kolumbien dein weltweites Einkommen, unabhängig davon, wo deine Kunden sitzen.

Da es zwischen Deutschland und Kolumbien kein Doppelbesteuerungsabkommen gibt, läuft die Entlastung über die Anrechnung: Was du in Deutschland gezahlt hast, kannst du in Kolumbien gegenrechnen. Zwei Erklärungen bleiben es trotzdem, und die Kombination ist nichts, was man nebenbei löst. Sprich vor dem Umzug mit einem Steuerberater, der beide Seiten kennt.

Deine deutsche Rentenversicherung, Krankenversicherung und Berufshaftpflicht müssen ebenfalls einzeln geprüft werden – ein Sozialversicherungsabkommen zwischen Deutschland und Kolumbien gibt es nicht.

Was gesucht wird

Wer wirklich in Kolumbien arbeiten will, hat die besten Aussichten dort, wo Sprache und Herkunft ein Vorteil sind: Deutschunterricht an Sprachschulen und den vier deutschen Schulen, Übersetzung, Tourismus mit deutschsprachigen Gästen, Ingenieurwesen und Industrieberatung, Bergbau- und Energietechnik, IT.

Stellen findest du über LinkedIn, elempleo.com und Computrabajo. Erwarte deutsche Gehälter nicht – und wisse, dass ein kolumbianischer Arbeitgeber für ein Arbeitsvisum bürgen muss, was viele kleinere Betriebe abschreckt.

Deutsche Abschlüsse anerkennen lassen

Für einen reglementierten Beruf – Medizin, Recht, Ingenieurwesen, Architektur – brauchst du die convalidación deines Abschlusses durch das kolumbianische Bildungsministerium. Das Verfahren läuft online, verlangt apostillierte und übersetzte Urkunden samt Fächerverzeichnis und dauert Monate.

Beantrage die Apostille in Deutschland, solange du dort bist. Von Kolumbien aus dauert allein dieser Schritt Wochen.

Und wenn du gar nicht arbeiten willst

Dann ist das der einfachere Weg, und das Rentnervisum ist genau dafür gemacht. Vergiss dabei nicht: Ehrenamt ist keine Erwerbstätigkeit. Wer beim Tierheim mithilft, in der Gemeinde mitarbeitet oder einer Nachbarin Deutsch beibringt, bewegt sich in einem anderen Bereich – solange kein Geld fließt. Sobald Geld fließt, ist es Arbeit, und dann fragt irgendwann jemand nach dem Visum.

Stand: 11.8.2026

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