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Wohnung mieten in Italien — 4+4, 3+2 und warum die Registrierung alles entscheidet

Italien kennt drei Mietvertragsarten, und welche du bekommst, entscheidet über acht Jahre Sicherheit oder achtzehn Monate. Dazu eine Regel, die kaum ein Auswanderer kennt: Meldet dein Vermieter den Vertrag nicht beim Finanzamt, ist er nichtig — und du hast einen ungewöhnlich scharfen Hebel in der Hand. Was im Vertrag stehen muss, was Kaution und Registrierung kosten und wo die Mieten 2026 wirklich liegen.

11 Min. Lesezeit · 🇮🇹 Italien

Wohnung mieten in Italien — 4+4, 3+2 und warum die Registrierung alles entscheidet

In Italien mietest du nicht einfach eine Wohnung. Du wählst eine Vertragsart — und diese Wahl bestimmt, ob du acht Jahre bleiben kannst oder nach achtzehn Monaten wieder packst.

Die zweite Besonderheit ist noch wichtiger und steht in keinem Wohnungsinserat: Ein Mietvertrag, den der Vermieter nicht innerhalb von dreißig Tagen beim Finanzamt anmeldet, ist nichtig. Nicht anfechtbar, nicht unwirksam im Streitfall — nichtig. Was das für dich bedeutet, ist erstaunlich günstig, wenn du es weißt.

Der Reihe nach.

1. Wie in Italien gemietet wird

Gesucht wird auf Immobiliare.it, idealista.it und Casa.it, dazu die Kleinanzeigen auf Subito. In kleineren Orten führt der Weg nach wie vor über die örtliche agenzia immobiliare und über Aushänge in der Bar an der Piazza — Italien ist beim Wohnen ein Land der persönlichen Empfehlung.

Ein Unterschied zu Spanien und Portugal, auf den du dich einstellen solltest: In Italien kassiert die Agentur üblicherweise von beiden Seiten. Für den Mieter sind ein bis zwei Monatsmieten oder rund zehn Prozent der Jahresmiete üblich, jeweils zuzüglich Mehrwertsteuer. Das ist verhandelbar, aber nicht rechtswidrig. Rechne es in dein Startbudget ein.

Der Markt ist zweigeteilt. In Mailand, Rom, Florenz und Bologna herrscht scharfer Wettbewerb, und wer nicht vor Ort ist, verliert. Im Süden und im Landesinneren dagegen stehen Wohnungen wochenlang leer, und es lässt sich verhandeln.

2. Die drei Vertragsarten — hier fällt die Vorentscheidung

Grundlage ist das Mietgesetz Legge 431/1998. Es kennt für Wohnraum drei Formen:

Der contratto 4+4, die freie Miete. Vier Jahre Laufzeit, danach automatische Verlängerung um weitere vier. Nach den ersten vier Jahren kann der Vermieter nur aus gesetzlich abschließend aufgezählten Gründen widersprechen — Eigenbedarf für sich oder nahe Angehörige, grundlegende Sanierung, Verkauf, oder wenn du die Wohnung gar nicht bewohnst. Die Miete wird frei vereinbart. Das ist die stärkste Position, die du in Italien bekommen kannst.

Der contratto 3+2, die vereinbarte Miete, auf Italienisch canone concordato. Drei Jahre plus zwei. Die Miete muss innerhalb der Spannen bleiben, die Vermieter- und Mieterverbände für die jeweilige Gemeinde ausgehandelt haben — sie liegt also unter dem freien Marktpreis. Der Vermieter bekommt dafür Steuervorteile: In Gemeinden mit angespanntem Wohnungsmarkt zahlt er auf diese Mieteinnahmen nur zehn Prozent Pauschalsteuer statt einundzwanzig.

Merk dir diesen Punkt, er ist bares Geld wert: Frag ausdrücklich, ob ein 3+2 möglich ist. Du zahlst weniger Miete, und der Vermieter zahlt weniger Steuern. In vielen Fällen ist das für beide Seiten das bessere Geschäft — nur schlägt es kaum jemand von sich aus vor.

Der contratto transitorio, der Übergangsvertrag. Ein bis achtzehn Monate. Er ist ausdrücklich nur zulässig, wenn eine echte, belegbare vorübergehende Notwendigkeit besteht — ein befristeter Arbeitsvertrag, ein Studium, eine angekündigte Versetzung. Der Grund muss im Vertrag stehen und nachweisbar sein.

Genau dieser Vertrag wird Auswanderern gern vorgelegt, weil er dem Vermieter alle Bindung erspart. Für dich heißt er: kein Verlängerungsanspruch, nach spätestens achtzehn Monaten neue Suche. Das Gute daran: Fehlt die vorübergehende Notwendigkeit, kann das Finanzamt den Vertrag als regulären 4+4 einstufen. Aber verlassen solltest du dich darauf nicht — sag lieber vorher, dass du dauerhaft bleiben willst und einen 4+4 oder 3+2 brauchst.

Zur Mieterhöhung: Bei freier Miete darf jährlich um höchstens fünfundsiebzig Prozent der ISTAT-Inflationsrate erhöht werden, und nur wenn es im Vertrag vereinbart ist. Hat der Vermieter die Pauschalbesteuerung cedolare secca gewählt, darf er während dieser Zeit überhaupt nicht erhöhen. Es lohnt also zu fragen, wie er versteuert.

3. Kaution, Registrierungssteuer und was sonst fällig wird

Die Kaution — deposito cauzionale — darf höchstens drei Monatsmieten betragen. Das steht seit 1978 im Gesetz und gilt bis heute.

Zwei Dinge dazu, die viele Vermieter nicht von selbst erwähnen: Die Kaution ist zu verzinsen, und zwar mit dem gesetzlichen Zinssatz, den der Vermieter dir am Ende der Mietzeit auszahlen muss. Und die Höhe der Kaution bemisst sich ausschließlich nach der Miete, die im registrierten Vertrag steht — eine mündlich vereinbarte höhere Miete zählt nicht und macht die darauf berechnete Kaution unwirksam.

Dazu kommt die Registrierungssteuer, die imposta di registro. Sie beträgt zwei Prozent der Jahresmiete, mindestens siebenundsechzig Euro, und wird zwischen Vermieter und Mieter geteilt — du zahlst also die Hälfte. Wer gleich für die gesamte Laufzeit im Voraus zahlt, bekommt einen Nachlass; endet der Vertrag früher, wird der Überschuss erstattet. Wählt der Vermieter die cedolare secca, entfallen Registrierungs- und Stempelsteuer ganz.

Rechne für den Einzug also mit: bis zu drei Monatsmieten Kaution, der ersten Miete, der halben Registrierungssteuer und gegebenenfalls der Maklerprovision. Bei 900 Euro Miete sind das schnell 4.500 bis 5.500 Euro.

4. Nebenkosten: was oben drauf kommt

Die laufenden Hausgeldkosten — spese condominiali ordinarie — trägt der Mieter: Treppenhausreinigung, Aufzug, Hausmeister, Gemeinschaftsstrom, laufende Wartung. Alles Außerordentliche, also Dach, Fassade, Anlagenerneuerung, geht zu Lasten des Eigentümers. Welche Posten wie aufgeteilt werden, regelt eine bundesweit anerkannte Aufstellung, die tabella oneri accessori. Lass sie dir zeigen.

Die Grundsteuer IMU zahlt der Eigentümer. Die Müllgebühr TARI dagegen der Bewohner, also du — sie wird bei der Gemeinde auf deinen Namen angemeldet.

Strom, Gas, Wasser und Internet laufen auf dich. Achte besonders auf die Heizung: Viele italienische Häuser haben eine zentrale Anlage, deren Kosten über das Hausgeld umgelegt werden, und in Norditalien sind das im Winter erhebliche Beträge. Frag nach der Abrechnung des Vorjahres, nicht nach einer Schätzung.

5. Was du als Ausländer zusätzlich brauchst

Das codice fiscale, die italienische Steuernummer, brauchst du für alles: Mietvertrag, Bankkonto, Stromvertrag, Arztbesuch. Du bekommst es bei der Agenzia delle Entrate oder über ein italienisches Konsulat, kostenlos und meist am selben Tag.

Dazu ein italienisches Bankkonto für die Lastschriften.

Und dann die übliche Hürde: Vermieter wollen Sicherheit sehen. Verlangt werden meist die letzten Gehaltsabrechnungen oder die Steuererklärung des Vorjahres, bei Selbstständigen die Umsatznachweise, bei Rentnern die Rentenbescheide. Wer nichts Italienisches vorlegen kann, wird häufig nach einem garante gefragt — einem Bürgen mit italienischem Einkommen — oder soll mehrere Monatsmieten vorauszahlen. Eine Mietbürgschaftsversicherung ist die dritte Möglichkeit.

Bereite die Mappe vor, digital und auf Papier: Ausweis, codice fiscale, Einkommensnachweise, Kontoauszüge. In Mailand entscheidet sich eine Wohnung am selben Nachmittag.

6. Der entscheidende Punkt: ohne Registrierung kein Vertrag — und kein Wohnsitz

Jetzt zum Kern. Der Vermieter muss den Mietvertrag innerhalb von dreißig Tagen nach Unterzeichnung bei der Agenzia delle Entrate registrieren lassen und dich sowie die Hausverwaltung innerhalb weiterer sechzig Tage darüber informieren. Unterlässt er das, ist der Vertrag nichtig.

Was das für dich bedeutet, ist bemerkenswert — und der Grund, warum du diesen Abschnitt lesen solltest, bevor du irgendwo unterschreibst:

Erstens ist jede Absprache über eine Miete, die höher ist als die im registrierten Vertrag genannte, unwirksam. Zahlst du auf die Hand etwas obendrauf, kannst du dieses Geld zurückfordern — innerhalb von sechs Monaten nach Rückgabe der Wohnung.

Zweitens kannst du selbst tätig werden, wenn der Vermieter nicht registriert. Stellt ein Gericht das Mietverhältnis fest, setzt es die geschuldete Miete neu fest, und sie darf einen gesetzlichen Mindestwert nicht überschreiten. In der Praxis läuft das auf das Dreifache des Katasterertrags der Wohnung hinaus — ein Betrag, der fast immer weit unter der Marktmiete liegt. Der Gesetzgeber wollte damit ausdrücklich, dass Schwarzvermietung sich für den Vermieter nicht lohnt.

Drittens hängt daran dein Wohnsitz. Als EU-Bürger musst du dich nach drei Monaten bei der Meldebehörde deiner Gemeinde eintragen lassen — der iscrizione anagrafica. Dafür brauchst du einen gültigen Rechtsgrund für die Wohnung. Ein registrierter Mietvertrag ist der glatte Weg. Ohne ihn brauchst du eine schriftliche Zustimmung des Eigentümers auf amtlichem Formular — und die wirst du von jemandem, der an der Steuer vorbei vermietet, nicht bekommen.

Rechne außerdem mit einem Besuch: Innerhalb von etwa fünfundvierzig Tagen kommt die Stadtpolizei vorbei und prüft, ob du tatsächlich dort wohnst. Das ist Routine, kein Misstrauen.

An der Meldung hängt der Rest — Gesundheitskarte, Personalausweis, Führerscheinumschreibung, Gemeindeleistungen. Frag den Vermieter deshalb geradeheraus: Wird der Vertrag registriert, und bekomme ich die Bestätigung? Wer ausweicht, spart auf deine Kosten.

7. Was es kostet: Preise nach Regionen

Die Mieten in Italien sind 2026 auf dem höchsten Stand seit Beginn der Erhebungen. Im zweiten Quartal 2026 lag der Landesdurchschnitt bei 15,40 Euro je Quadratmeter und Monat, ein Plus von 4,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal.

Die teuersten Regionen sind das Aostatal mit rund 26,60 Euro, die Lombardei mit 19,50, die Toskana mit 18,70, Latium mit 17 und Trentino-Südtirol mit 15,90. Am günstigsten wohnst du im Molise mit etwa 7,50 Euro, in der Basilikata mit 7,80 und in Umbrien mit 8,60.

Bei den Provinzen ist die Spanne noch größer: Lucca führt mit rund 29,30 Euro, gefolgt von Aosta und Belluno mit je 26,60 und Grosseto mit 23,90. Am anderen Ende stehen Caltanissetta mit 5,50 Euro, Enna mit 5,80, Isernia und Potenza mit je 6,20 und Avellino mit 6,40.

Unter den großen Städten bleibt Mailand mit etwa 23,20 Euro die teuerste, Rom erreichte mit rund 19,80 Euro seinen historischen Höchstwert.

Übersetzt in eine 80-Quadratmeter-Wohnung: rund 1.850 Euro in Mailand, etwa 1.580 in Rom, aber nur 440 Euro in Caltanissetta und 600 im Molise. Das ist der Faktor vier zwischen Nord und Süd, und er erklärt, warum so viele Auswanderer inzwischen nicht in die Toskana ziehen, sondern nach Abruzzen, Molise oder Kalabrien.

Ein Hinweis zum Trend: Der Preisdruck verlagert sich. Die großen Städte haben eine Sättigungsgrenze erreicht, während touristisch geprägte Provinzen mit geringer Bevölkerungsdichte am stärksten anziehen. Wer an einem schönen, aber kleinen Ort mieten will, sollte nicht mit Landesdurchschnitten rechnen.

8. Typische Fallen und Betrugsmaschen

Der Übergangsvertrag ohne Übergang. Man legt dir einen contratto transitorio vor, obwohl du dauerhaft bleiben willst. Achtzehn Monate später stehst du wieder am Anfang. Bestehe auf 4+4 oder 3+2 und lass dir den Vertragstyp im Text ausdrücklich benennen.

Miete auf die Hand. Ein Teil der Miete steht im Vertrag, der Rest wird bar gezahlt. Das ist nicht dein Vorteil, sondern seiner — und es ist unwirksam. Du kannst das Geld zurückfordern.

Gar keine Registrierung. Wer dir sagt, das lohne den Aufwand nicht, verschafft dir einen nichtigen Vertrag und verhindert deine Anmeldung.

Vorkasse ohne Besichtigung. Der angebliche Eigentümer ist im Ausland, der Schlüssel kommt gegen Zahlung per Post. Diesen Schlüssel gibt es nicht. Zahle niemals, bevor du die Wohnung betreten und den Eigentümer samt Ausweis gesehen hast.

Der Preis fällt aus der Reihe. Vergleiche jedes Angebot mit fünf anderen in derselben Straße.

Fotos aus zweiter Hand. Dieselben Bilder in mehreren Anzeigen oder fremde Wasserzeichen bedeuten: Die Wohnung existiert nicht.

9. Deine Reihenfolge

1. Codice fiscale beantragen, notfalls über das italienische Konsulat noch von Deutschland aus.
2. Italienisches Bankkonto eröffnen.
3. Unterlagenmappe zusammenstellen: Ausweis, codice fiscale, Einkommensnachweise, Kontoauszüge — digital und ausgedruckt.
4. Vor Ort besichtigen. Aus der Ferne mietet man in Italien nicht.
5. Vertragsart klären, bevor über den Preis gesprochen wird: 4+4, 3+2 oder transitorio? Nach dem 3+2 ausdrücklich fragen.
6. Klären, ob der Vermieter die cedolare secca wählt — dann darf er während dieser Zeit die Miete nicht erhöhen.
7. Vertrag lesen oder übersetzen lassen. Besonders: Vertragsart, Laufzeit, Indexklausel, Kaution, Aufteilung der Nebenkosten, Registrierungssteuer.
8. Unterschreiben, per Überweisung zahlen, Verwendungszweck eindeutig benennen.
9. Auf die Registrierungsbestätigung bestehen — sie muss innerhalb von dreißig Tagen erfolgen und dir innerhalb von sechzig mitgeteilt werden.
10. Am Einzugstag alles fotografieren und dem Vermieter senden.
11. Versorgungsverträge umschreiben, TARI bei der Gemeinde anmelden.
12. Bei der Gemeinde die Meldung beantragen. Danach Gesundheitskarte und übrige Papiere.

Zum Schluss

Italien ist beim Mieten strenger reguliert, als sein Ruf vermuten lässt, und die Regeln stehen überwiegend auf deiner Seite. Vier plus vier Jahre Sicherheit, eine gedeckelte Kaution mit Zinsanspruch, eine begrenzte Indexierung und ein Gesetz, das Schwarzvermietung für den Vermieter richtig teuer macht — das ist ein gutes Fundament.

Nur nützt dir all das nichts, wenn dein Vertrag nie beim Finanzamt ankommt. Die Frage nach der Registrierung ist deshalb keine Höflichkeitsfrage, sondern die wichtigste, die du vor der Unterschrift stellst.

Wenn du stattdessen kaufen willst, findest du den passenden Weg in unserem Artikel zum Immobilienkauf in Italien.

Stand: Juli 2026. Mietrecht, Steuersätze und Indexwerte ändern sich laufend. Dieser Beitrag ist eine allgemeine Orientierung und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung; bei einem konkreten Vertrag lohnt der Gang zu einem commercialista oder einer Mietervereinigung wie SUNIA, SICET oder UNIAT.

Stand: 29.7.2026

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