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Strom, Gas, Wasser

Strom, Gas und Wasser in Italien

Strom anmelden, Gas ummelden, Wasser aktivieren – klingt banal, hat in Italien aber eigene Regeln. Nach dem Ende des geschützten Marktes wählst du deinen Anbieter frei; über 75-Jährige genießen weiter regulierten Schutz. Dazu die typische Stolperfalle: nur 3 kW Anschlussleistung.

9 Min. Lesezeit · 🇮🇹 Italien

Strom, Gas und Wasser in Italien

Es ist der unspektakulärste und doch einer der ersten Schritte im neuen Zuhause: Strom, Gas und Wasser zum Laufen bringen. In Italien hat sich hier gerade viel verändert – der jahrzehntelange „geschützte Markt" ist ausgelaufen –, weshalb viele Ratgeber im Netz veraltet sind. Dieses Kapitel bringt dich auf den aktuellen Stand und warnt dich vor der einen Stolperfalle, die fast jeden DACH-Auswanderer überrascht.

Die große Änderung: Ende des geschützten Marktes
Bis vor Kurzem gab es in Italien einen staatlich regulierten „mercato tutelato" mit von der Behörde ARERA festgelegten Preisen. Der ist nun Geschichte: für Gas seit Januar 2024, für Strom seit Juli 2024. Was gilt jetzt?
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[*]Mercato libero (freier Markt): Du wählst deinen Anbieter und Tarif selbst – der Normalfall.
[*]Servizio a Tutele Graduali (STG): Wer beim Strom keine eigene Wahl getroffen hat, wurde übergangsweise diesem Dienst zugeordnet (Preis vierteljährlich von ARERA aktualisiert), verfügbar noch bis 31. März 2027. Du kannst jederzeit in den freien Markt wechseln.
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Welches Regime für dich gilt, steht oben auf deiner Rechnung (bolletta): „Mercato libero", „Tutele Graduali" oder „Vulnerabilità".

Gute Nachricht für Ältere: der Schutzstatus
Für „schutzbedürftige" Kunden (clienti vulnerabili) gibt es weiterhin einen regulierten Schutzdienst zu behördlich kontrollierten Preisen. Dazu zählen unter anderem Menschen über 75 Jahre, Bezieher des Sozialbonus und schwer beeinträchtigte Personen. Für viele ältere Auswanderer heißt das: Du musst nicht durch den Angebotsdschungel jagen, sondern kannst im geschützten, preislich beaufsichtigten Dienst bleiben – ein beruhigendes Sicherheitsnetz.

So bekommst du Strom und Gas an: voltura, subentro, Neuanschluss
Beim Einzug hängt der Weg davon ab, in welchem Zustand die Anschlüsse sind:
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[*]Voltura – Umschreiben eines noch aktiven Anschlusses auf deinen Namen (häufig, wenn vor dir schon jemand dort wohnte). Du übernimmst die laufende Versorgung ohne Unterbrechung.
[*]Subentro – Wiederaktivierung eines abgemeldeten Anschlusses (der Vorvertrag wurde gekündigt).
[*]Neuanschluss (allacciamento / nuova attivazione) – wenn noch gar kein Zähler existiert, etwa im Neubau. Das ist der aufwendigste und teuerste Fall.
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Was du brauchst: deinen Codice Fiscale, den Nachweis, dass du dort wohnst (Mietvertrag oder Kaufvertrag), die Zählernummern-Codes (POD für Strom, PDR für Gas – stehen auf einer alten Rechnung oder am Zähler) und eine IBAN für das Lastschriftverfahren. Rechne mit einer kleinen Verwaltungsgebühr, der Stempelsteuer (bollo) und je nach Anbieter einer Kaution.

Die Stolperfalle: nur 3 kW Anschlussleistung
Das überrascht fast jeden aus dem DACH-Raum: Der Standard-Stromanschluss in italienischen Wohnungen liefert oft nur 3 kW. Backofen, Heizlüfter, Wasserkocher und Haartrockner gleichzeitig – und der Zähler springt heraus („salta il contatore"). Du kannst die Leistung erhöhen lassen (aumento di potenza, z. B. auf 4,5 oder 6 kW), was aber die fixen Kosten steigert. Plane deine Geräte entsprechend oder beantrage von vornherein mehr Leistung, wenn du elektrisch heizt oder kochst. Wer das nicht weiß, sitzt am ersten Winterabend im Dunkeln.

Die Rechnung und ihre Bestandteile
Die bolletta enthält nicht nur den reinen Energiepreis, sondern auch Systemabgaben (oneri di sistema), Netzentgelte (trasporto) und Steuern samt IVA. Abgerechnet wird meist zweimonatlich. Praktisch ist die domiciliazione (Lastschrift), damit nichts übersehen wird. Für einkommensschwache Haushalte gibt es den bonus sociale – einen automatischen Rabatt, der über den ISEE-Einkommensnachweis gewährt wird.

Wasser: eine lokale Angelegenheit
Anders als Strom und Gas ist Wasser in Italien kein freier Markt. Zuständig ist der örtliche Wasserversorger (gestore idrico), der je nach Gebiet unterschiedlich heißt und abrechnet. Du meldest dich direkt bei ihm an (ebenfalls per voltura oder subentro). In Mehrfamilienhäusern läuft die Wasserrechnung oft über die Hausgemeinschaft (condominio) mit – das klärst du beim Verwalter (amministratore).

Wo du Anbieter findest
Große Versorger sind unter anderem Enel Energia, Eni Plenitude, A2A, Edison, Iren und Sorgenia. Vergleichen kannst du über Online-Portale (comparatori). Ein Tipp, der Zeit spart: Bewahr die letzte Rechnung des Vormieters auf – die POD- und PDR-Codes darauf beschleunigen jede An- oder Ummeldung enorm.

Erleichterung: einmal einrichten, dann läuft's
Ja, die erste Einrichtung ist etwas fummelig – aber es ist eine einmalige Sache. Ist alles angemeldet, die Leistung passend gewählt und die Lastschrift eingerichtet, läuft der Alltag geräuschlos. Und für ältere Auswanderer bleibt der geschützte Schutzdienst als beruhigende Rückfalloption. Merke dir vor allem zwei Dinge: die alten POD/PDR-Codes aufheben – und an die 3 kW denken.

Dieser Artikel gibt einen allgemeinen Überblick; Anbieter, Tarife und Regelungen ändern sich. Stand Juli 2026. Prüfe Angebote und deinen konkreten Anschluss vor Vertragsabschluss. Stand: 17. Juli 2026.

Stand: 17.7.2026