Ankommen & Alltag
Leben in Georgien als Deutscher: Alltag, Kosten, Anschluss
In Georgien kaufst du die SIM-Karte mit dem Reisepass, bestellst Taxis per App und brauchst auf dem Land Bargeld. Das Auswärtige Amt rät, die politischen Demonstrationen in Tiflis zu meiden.
Georgien empfängt dich mit einer Gastfreundschaft, die nicht aus dem Reiseprospekt stammt: Der Gast gilt als Geschenk Gottes, und das meinen viele wörtlich. Zugleich ist der Alltag rauer, direkter und manchmal chaotischer als in Deutschland. Die ersten Wochen sind einfacher, wenn du weißt, was dich erwartet.
Die ersten Tage
Kauf dir gleich am Flughafen oder in der Stadt eine georgische SIM-Karte. Die großen Anbieter sind Magti, Silknet und Cellfie; du brauchst dafür deinen Reisepass. Mobiles Internet ist schnell und günstig. Die Zeit: Georgien liegt drei Stunden vor der deutschen Winterzeit und zwei vor der Sommerzeit, eine Zeitumstellung gibt es nicht.
Bezahlt wird in Lari. In den Städten nimmt fast jeder Laden Karten, auch kontaktlos; auf dem Land, auf Märkten und bei kleinen Händlern brauchst du Bargeld. Geldautomaten gibt es überall.
Die Wohnung für den Anfang
Nimm dir für die ersten ein bis drei Monate eine möblierte Wohnung auf Zeit. So lernst du die Viertel kennen, bevor du dich festlegst. Such die dauerhafte Wohnung dann vor Ort, mit Besichtigung, und nicht aus Deutschland über Bilder im Internet. Wie das Mieten funktioniert, steht im Artikel „Wohnung mieten in Georgien".
Unterwegs in der Stadt
Taxis bestellst du per App, zu festen Preisen — das erspart das Verhandeln und die Touristenpreise. In Tiflis fahren eine Metro mit zwei Linien und viele Busse, bezahlt wird mit Karte. Zwischen den Städten fahren Marschrutkas, Kleinbusse, die abfahren, wenn sie voll sind, und Züge.
Behördengänge
Fast alles, was mit Behörden zu tun hat, erledigst du im Justizhaus, dem Public Service Hall: Aufenthaltserlaubnis, Grundbuch, Firmengründung, beglaubigte Kopien. Die Häuser sind modern, gut organisiert, und du ziehst eine Nummer wie beim Arzt. Nimm deinen Pass, Kopien und die übersetzten Urkunden mit, und rechne mit einer Wartezeit. Die Steckdosen in Georgien sind übrigens dieselben wie in Deutschland — dein Ladegerät passt.
Einkaufen und Essen
Supermärkte haben lange geöffnet, viele rund um die Uhr, auch sonntags. Auf den Märkten kaufst du Obst, Gemüse, Käse und Kräuter frischer und günstiger. Die georgische Küche ist eine der großen Überraschungen des Landes: Chatschapuri, Chinkali, Walnusssaucen, frische Kräuter zu jedem Essen. Deutsche Produkte findest du in manchen Supermärkten, aber nicht alles; wer auf ein bestimmtes Brot oder einen bestimmten Kaffee nicht verzichten kann, bringt einen Vorrat mit.
Der Wein und die Tafel
Georgien gilt als eines der ältesten Weinländer der Welt. In Kachetien wird Wein seit Jahrtausenden in Tonkrügen vergoren, die in der Erde vergraben sind. Zu einer georgischen Tafel, der Supra, gehört ein Tischmeister, der Tamada, der die Trinksprüche ausbringt — auf die Familie, die Toten, die Gäste, das Land. Getrunken wird nach seinem Spruch, nicht zwischendurch. Wer nicht trinken will, sagt es früh und freundlich; das wird akzeptiert. Wer mittrinkt, sollte wissen, dass eine Supra lange dauern kann.
Kirche und Tradition
Die georgisch-orthodoxe Kirche prägt das Land stark. In Kirchen und Klöstern bedecken Frauen den Kopf und tragen einen Rock, Männer lange Hosen; an vielen Eingängen liegen Tücher bereit. Man fotografiert zurückhaltend und stört keinen Gottesdienst. Die großen Feste folgen dem orthodoxen Kalender: Weihnachten ist am 7. Januar, Ostern oft an einem anderen Datum als in Deutschland.
Die Sprache im Alltag
Georgisch ist die Landessprache, mit eigener Schrift. Ältere sprechen oft Russisch, Jüngere zunehmend Englisch, und Deutsch hörst du öfter, als du denkst — nach Englisch und Russisch ist es die am dritthäufigsten gelernte Fremdsprache. Lern die Schrift und ein paar Sätze: „Gamardschoba" für Guten Tag und „Madloba" für Danke öffnen Türen.
Wie Georgier miteinander umgehen
Georgier sind herzlich, laut und direkt. Pünktlichkeit ist dehnbar, Absprachen werden mündlich getroffen und manchmal anders umgesetzt. Familie steht über allem, und wer eingeladen wird, geht hin und bringt etwas mit — Wein, Süßes, etwas für die Kinder. Freundschaften entstehen schnell, und sie verpflichten: Wer dir hilft, erwartet, dass du auch hilfst.
Feiertage
Die wichtigsten Feiertage sind Neujahr, das orthodoxe Weihnachtsfest am 7. Januar, der Unabhängigkeitstag am 26. Mai und das orthodoxe Ostern. Dazu kommen zahlreiche kirchliche Feste. An solchen Tagen haben Behörden und Banken geschlossen, und rund um Neujahr und Ostern ist das halbe Land bei der Familie. Plane Behördengänge nicht in diese Wochen.
Arbeiten im Café
Tiflis und Batumi haben sich zu Treffpunkten für Fernarbeiter entwickelt. Es gibt zahlreiche Coworking-Räume und Cafés mit schnellem Internet, in denen du Menschen aus aller Welt triffst. Beachte aber: Wer für georgische Kunden arbeitet oder in Georgien ein Gewerbe betreibt, braucht seit März 2026 eine Arbeitserlaubnis.
Sicherheit
Georgien gilt als sicheres Land mit niedriger Alltagskriminalität. Taschendiebstahl kommt in Touristenvierteln vor, Gewalt gegen Fremde selten. Seit Ende 2024 finden in Tiflis und anderen Städten jedoch regelmäßig politische Demonstrationen statt, vor allem vor dem Parlament auf dem Rustaveli-Boulevard. Das Auswärtige Amt rät, Demonstrationen und größere Menschenansammlungen zu meiden; für Ausländer kann schon die Anwesenheit Folgen haben. Halte dich aus der Politik heraus, auch in sozialen Netzwerken.
Die Gebiete Abchasien und Südossetien sind tabu — Reisen dorthin sind nach georgischem Recht strafbar.
Deutschsprachige und andere Zugezogene
Die deutschsprachige Gemeinschaft ist klein, aber es gibt sie, vor allem in Tiflis. Treffpunkte sind das Goethe-Institut, die evangelisch-lutherische Gemeinde, die Deutsche Internationale Schule und Gruppen in sozialen Netzwerken. Seit 2022 sind viele Menschen aus Russland, der Ukraine und Belarus zugezogen, dazu Fernarbeiter aus aller Welt; in Tiflis und Batumi hörst du auf der Straße viele Sprachen.
Der erste Winter
Die Sommer sind lang und heiß, der Herbst mit Weinlese ist die schönste Zeit. Der erste Winter entscheidet aber oft, ob jemand bleibt: kalte Wohnungen, kurze Tage, Stromausfälle auf dem Land. Wer ihn mit einer warmen Wohnung, ein paar Freunden und einer Aufgabe verbringt, kommt gut durch.
Unser Rat
Sag Ja zur ersten Einladung, auch wenn dein Georgisch nur für „Madloba" reicht. Kauf eine SIM-Karte, lade eine Taxi-App, und such dir für den Anfang eine Wohnung, von der du zu Fuß einkaufen kannst. Und gib dir ein Jahr, bevor du über Georgien urteilst — das Land zeigt sich nicht in einer Woche.