Strom, Gas, Wasser
Strom, Gas und Wasser in Frankreich: Anschluss, Kosten, Fallen
Beim Strom wählst du nicht nur den Tarif, sondern auch die Anschlussleistung — und heizt oft elektrisch. Was Gas, Wasser und Abwasser auf dem Land kosten, warum die eigene Kläranlage beim Hauskauf zählt und in welcher Reihenfolge du anmeldest.
Strom, Gas und Wasser sind in Frankreich unspektakulär zu bekommen — mit zwei Besonderheiten, die aus deutscher Sicht ungewohnt sind: Der Stromvertrag hat eine Leistungsgrenze, die du selbst wählst, und in vielen Häusern ist Strom die Heizung.
Strom: der Anschlusswert entscheidet über den Preis
Der historische Anbieter ist EDF, daneben gibt es zahlreiche alternative Anbieter. Der reglementierte Tarif dient als Vergleichsmaßstab; Wechselangebote setzen darauf einen Abschlag oder eine Preisbindung.
Anders als in Deutschland zahlst du nicht nur nach Verbrauch, sondern auch nach der bestellten Anschlussleistung, angegeben in Kilovoltampere. Üblich sind sechs oder neun kVA, bei Elektroheizung oder Wärmepumpe mehr. Ist der Wert zu niedrig, springt der Hauptschalter heraus, wenn Backofen, Waschmaschine und Wasserkocher zusammentreffen. Ist er zu hoch, zahlst du jeden Monat Grundpreis für nichts. Die Leistung lässt sich anpassen, meist online und ohne Technikerbesuch.
Verbreitet ist außerdem der Tarif mit Tag- und Nachtstrom, heures pleines und heures creuses. Wer Warmwasserspeicher, Waschmaschine und Spülmaschine in die Nachtstunden legt, spart spürbar. Die Zeitfenster sind je nach Ort verschieden und stehen in deinem Vertrag.
Zählerstand, Abschlag, Abrechnung
Fast überall hängt inzwischen der digitale Zähler Linky, der die Werte selbst übermittelt. Bezahlt wird in monatlichen Abschlägen mit jährlicher Abrechnung, oder auf Wunsch nach tatsächlichem Verbrauch alle zwei Monate. Bei Einzug meldest du dich einfach beim Anbieter deiner Wahl an; einen Wechsel des Zählers braucht es nicht, die Umstellung dauert Tage, nicht Wochen. Genau deshalb ist der Stromvertrag der schnellste Weg zu deinem ersten Adressnachweis.
Gas: nicht überall, und selten in Flaschen bequem
Erdgas liegt vor allem in Städten und größeren Orten an. Wo keine Leitung ist, wird mit Flüssiggas aus einem Tank geheizt, mit Heizöl oder mit Holz. Beim Flüssiggas ist der Tank oft Eigentum des Lieferanten, was dich vertraglich bindet — prüfe vor dem Hauskauf, wem der Tank gehört und wie lange die Bindung läuft, das ist ein häufiger Streitpunkt beim Eigentümerwechsel.
Für Küche und Grill sind Gasflaschen üblich; man tauscht sie im Supermarkt gegen Pfand.
Wasser: Sache der Gemeinde
Die Wasserversorgung liegt bei der Gemeinde oder einem Zweckverband, der oft einen der großen Betreiber beauftragt. Die Preise unterscheiden sich deshalb von Ort zu Ort erheblich — Unterschiede um den Faktor zwei zwischen Nachbargemeinden sind nicht selten. Abgerechnet wird meist halbjährlich, Abwasser läuft über dieselbe Rechnung.
Auf dem Land gibt es Häuser mit eigener Quelle oder Brunnen und Grundstücke mit eigener Kläranlage. Für Letztere gilt eine Prüfpflicht: Vor dem Verkauf muss ein aktuelles Gutachten vorliegen, und ist die Anlage nicht regelkonform, muss der Käufer sie binnen eines Jahres ertüchtigen. Das sind schnell mehrere tausend Euro und gehört in die Kaufverhandlung.
Trockenheit und Wasserbeschränkungen
In den Sommern der letzten Jahre haben Präfekturen in weiten Teilen des Südens und Westens Beschränkungen erlassen: kein Gartenwässern, kein Autowaschen, teilweise keine Poolbefüllung, in Einzelfällen Einschränkungen der Versorgung. Das ist inzwischen Normalität und kein Ausnahmefall mehr. Wer ein Haus mit Pool oder großem Garten kauft, sollte die Regeln des Départements kennen und im Kopf haben, dass sie strenger werden können.
Internet und Telefon gehören dazu
Der Glasfaserausbau ist weit fortgeschritten, auch in kleinen Orten, und die Preise liegen unter dem deutschen Niveau. Prüfe die Verfügbarkeit für die genaue Adresse, nicht für den Ort — zwischen zwei Straßen kann der Unterschied zwischen Glasfaser und langsamem Kupferanschluss liegen. Wo nichts anliegt, helfen Mobilfunkrouter oder Satellitenanschlüsse; im Bergland ist auch der Mobilfunk lückenhaft.
Müll und Nebenkosten
Die Müllabfuhr wird über eine Abgabe finanziert, die beim Eigentümer erhoben und in der Miete umgelegt wird. In vielen Gemeinden holst du die Behälter oder Sondermüllkarten bei der mairie ab. Die Öffnungszeiten der Wertstoffhöfe sind knapp und werden streng gehandhabt.
Beim Einzug in dieser Reihenfolge
Zählerstände von Strom und Wasser gemeinsam mit Vermieter oder Verkäufer notieren und schriftlich festhalten. Dann Stromvertrag anmelden, danach Wasser bei der Gemeinde, danach Internet — die Anschlusstermine für Glasfaser haben die längste Vorlaufzeit. Wer den Internetanschluss zuletzt bestellt, sitzt vier Wochen ohne Netz im neuen Haus.
Photovoltaik und Einspeisung
Für Anlagen bis neun Kilowatt gibt es ein vereinfachtes Verfahren mit garantierten Einspeisetarifen über zwanzig Jahre und einem Zuschuss zum Eigenverbrauch. Die Sonnenstunden im Süden machen die Rechnung schnell attraktiv. Achte auf zwei Dinge: Der Betrieb muss zertifiziert sein, sonst entfallen Zuschuss und Vergütung, und bei denkmalgeschützten Ortsbildern entscheidet die Denkmalbehörde mit — in vielen Dörfern des Südwestens ist das der eigentliche Engpass.
Wenn der Vertrag noch auf dem Vorbesitzer läuft
Beim Einzug übernimmt niemand automatisch. Meldest du dich nicht selbst an, wird der Anschluss nach kurzer Zeit abgestellt, und die Wiederinbetriebnahme kostet Gebühr und Zeit. Umgekehrt zahlst du weiter, wenn du beim Auszug nicht kündigst — auch das passiert regelmäßig, weil die Abrechnung erst Monate später kommt.
Was Strom und Wasser ungefähr kosten
Ein Zweipersonenhaushalt ohne Elektroheizung liegt beim Strom grob zwischen siebzig und hundert Euro im Monat, ein Haus mit Elektroheizung im Winter deutlich darüber. Wasser und Abwasser zusammen bewegen sich für zwei Personen meist zwischen dreißig und fünfzig Euro im Monat. Beides schwankt stark mit Region und Gebäude — verlass dich nicht auf Durchschnittswerte, sondern lass dir beim Kauf die Jahresabrechnungen der letzten beiden Jahre zeigen. Das ist die ehrlichste Auskunft über ein Haus, die du bekommen kannst.
Heizen ist ein Thema für sich
Ob Strom, Flüssiggas, Holz oder Wärmepumpe — die Wahl entscheidet über den größten Posten der Nebenkosten und hängt am Gebäude. Was das im französischen Altbau bedeutet, welche Zuschüsse es für den Umbau gibt und warum der Energieausweis inzwischen über die Vermietbarkeit entscheidet, steht im eigenen Beitrag zum Heizen.