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Steuern und Finanzen

Steuern in Frankreich: Was dich als Zugezogener erwartet

Frankreich besteuert den Haushalt statt die Person, was Familien entlastet. Wie das quotient familial rechnet, warum deine deutsche Rente in Deutschland versteuert wird, was die Sozialabgaben auf Kapitalerträge kosten und wo Erbschaften richtig teuer werden.

8 Min. Lesezeit · 🇫🇷 Frankreich

Steuern in Frankreich: Was dich als Zugezogener erwartet

Frankreich hat den Ruf, ein Hochsteuerland zu sein. Das stimmt für Sozialabgaben und für Erbschaften, für den normalen Haushalt mit Rente oder mittlerem Einkommen sieht die Rechnung dagegen oft günstiger aus als in Deutschland — weil Frankreich nicht die Person besteuert, sondern den Haushalt.

Wann Frankreich dich besteuert

Steuerlich ansässig bist du, wenn dein Zuhause oder dein hauptsächlicher Aufenthalt in Frankreich liegt, wenn du hier arbeitest oder wenn hier der Mittelpunkt deiner wirtschaftlichen Interessen liegt. Eines genügt. Bist du ansässig, erklärt Frankreich grundsätzlich dein weltweites Einkommen — was Deutschland oder die Schweiz davon behalten dürfen, regelt das jeweilige Doppelbesteuerungsabkommen.

Der Haushalt zählt, nicht der Einzelne

Das ist der große Unterschied zum deutschen System. Frankreich veranlagt den foyer fiscal und teilt das Einkommen durch Anteile: Erwachsene zählen je eins, die ersten beiden Kinder je ein halbes, ab dem dritten Kind je eins. Auf den so geteilten Betrag wird der Tarif angewendet und danach wieder multipliziert. Für Paare und für Familien mit mehreren Kindern senkt dieses quotient familial die Last spürbar; für Alleinstehende mit hohem Einkommen wirkt es nicht.

Der Tarif ist gestaffelt und beginnt erst oberhalb eines Grundfreibetrags je Anteil. Die Einkommensteuer wird seit 2019 an der Quelle einbehalten, das prélèvement à la source. Die Steuererklärung gibst du trotzdem jedes Frühjahr online ab, meist zwischen April und Anfang Juni je nach Département; sie bestimmt den Satz für das kommende Jahr.

Renten aus Deutschland — die Frage, die am häufigsten falsch beantwortet wird

Seit dem Zusatzabkommen von 2015 werden gesetzliche Renten aus der deutschen Sozialversicherung in Deutschland besteuert, auch wenn du in Frankreich wohnst. Frankreich stellt sie frei, berücksichtigt sie aber bei der Höhe des Steuersatzes für dein übriges Einkommen. Beamtenpensionen bleiben ohnehin beim Kassenstaat. Betriebs- und Privatrenten folgen wieder anderen Regeln.

Daraus folgt zweierlei: Du bleibst mit deiner deutschen Rente in Deutschland erklärungspflichtig, und du brauchst trotzdem eine französische Erklärung. Wer das übersieht, bekommt Jahre später Post vom deutschen Finanzamt. Lass die eigene Konstellation einmal von jemandem prüfen, der beide Seiten kennt — die Kosten dafür sind gering gegenüber einer Nachzahlung mit Zinsen.

Die Sozialabgaben sind der eigentliche Kostenblock

Auf Kapitalerträge, Mieteinnahmen und Veräußerungsgewinne erhebt Frankreich Sozialabgaben, CSG und CRDS, in Höhe von 17,2 Prozent. Für Menschen, die in einem anderen EU-Staat sozialversichert sind und in Frankreich nicht der Krankenversicherung unterliegen, reduziert sich das auf einen Solidaritätsbeitrag von 7,5 Prozent. Diese Unterscheidung ist bares Geld und wird von der Verwaltung nicht von selbst berücksichtigt — sie gehört in die Erklärung eingetragen.

Für Zinsen und Dividenden gilt daneben die pauschale Abgeltung von 30 Prozent, in der Einkommensteuer und Sozialabgaben zusammengefasst sind. Wer wenig verdient, kann stattdessen die Veranlagung zum normalen Tarif wählen.

Grundsteuer bleibt, Wohnsteuer ist fast weg

Die taxe d'habitation auf die Hauptwohnung ist abgeschafft. Für Zweitwohnungen gibt es sie weiter, und viele Gemeinden in touristischen Lagen haben die Sätze deutlich angehoben — an der Côte d'Azur, in der Bretagne und im Baskenland ist das ein ernster Posten. Die taxe foncière als Grundsteuer zahlt jeder Eigentümer, jährlich im Herbst, mit Beträgen, die je nach Gemeinde stark schwanken.

Wer Immobilienvermögen von mehr als 1,3 Millionen Euro hält, zahlt zusätzlich die Vermögensteuer auf Immobilien.

Erbschaften sind der teure Teil

Hier liegt der Punkt, den Zuziehende regelmäßig unterschätzen. Der Freibetrag für Kinder liegt bei 100.000 Euro je Elternteil und Kind, alle fünfzehn Jahre neu. Zwischen Ehepartnern ist der Erwerb von Todes wegen steuerfrei, zwischen Geschwistern, Neffen oder Nichten wird es dagegen schnell sehr teuer — bis zu 55 Prozent, bei Nichtverwandten 60 Prozent. Deutschland und Frankreich haben ein eigenes Abkommen für Erbschaft- und Schenkungsteuer, das die doppelte Belastung vermeidet, aber die höhere der beiden Steuern bleibt.

Konto, Rechnungen, Alltag

Ein französisches Konto ist praktisch unverzichtbar, weil Lastschriften für Strom, Wasser, Versicherungen und Steuern über die dortige Bankverbindung laufen. Für die Eröffnung brauchst du Ausweis und Adressnachweis. Ausländische Konten musst du in der Steuererklärung angeben — auch das deutsche Konto, das du behältst, und auch ein Depot. Das wird ernst genommen: Nicht gemeldete Auslandskonten sind ein häufiger Anlass für Nachforderungen.

Wenn du in Frankreich arbeitest oder selbständig bist

Für kleine Selbständigkeit gibt es die micro-entreprise: Anmeldung online, keine Buchhaltungspflicht im engeren Sinn, Abgaben als fester Anteil vom Umsatz. Bis zu bestimmten Umsatzgrenzen bleibt sie umsatzsteuerfrei, darüber wird die TVA fällig. Das Modell ist bequem, hat aber zwei Haken: Betriebsausgaben lassen sich nicht abziehen, und die Sozialbeiträge fallen auf den Umsatz an, nicht auf den Gewinn. Wer hohe Kosten hat, fährt mit einer anderen Rechtsform besser.

Angestellte zahlen deutlich höhere Sozialabgaben als in Deutschland, allerdings zum größeren Teil beim Arbeitgeber. Auf der Abrechnung stehen darum zwei Bruttobeträge; verlass dich beim Vergleich mit einem deutschen Angebot nur auf das Netto.

Wo du erklärst, wenn du in beiden Ländern etwas hast

Vermietest du weiter eine Wohnung in Deutschland, bleibt sie dort steuerpflichtig; Frankreich rechnet sie nur für den Steuersatz mit. Umgekehrt gehören französische Mieteinnahmen in die französische Erklärung. Zwei Erklärungen sind bei Auswanderern eher die Regel als die Ausnahme, und die Fristen liegen unterschiedlich — die französische im Frühjahr, die deutsche im Sommer.

Was du im ersten Jahr besonders im Blick behältst

Im Umzugsjahr überschneiden sich die Systeme: Für den Teil des Jahres vor dem Wegzug bist du in der Heimat unbeschränkt steuerpflichtig, danach in Frankreich. Das erzeugt regelmäßig zwei Erklärungen für dasselbe Kalenderjahr und gelegentlich einen Bescheid, der auf den ersten Blick falsch aussieht. Hebe deshalb Abmeldebescheinigung, Mietvertrag, Umzugsrechnung und die ersten Strom- und Telefonrechnungen auf — mit ihnen belegst du das Datum, an dem dein Lebensmittelpunkt gewechselt ist.

Denk außerdem an die Sozialversicherung. Wer aus Deutschland eine Rente bezieht und in Frankreich wohnt, wird in der Regel über das Formular S1 in das französische System aufgenommen, während die deutsche Kasse zuständig bleibt. Das wirkt zunächst wie eine Formalie, entscheidet aber darüber, ob du auf Kapitalerträge die vollen 17,2 Prozent zahlst oder den reduzierten Satz.

Stand: 8.9.2026

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