Hilfe im Ausland
Hilfe in Frankreich: Notruf, Vertretungen, Ombudsstellen
112, 15, 17, 18 — und was die Botschaft für dich tut und was nicht. Wo du bei Streit mit Behörden kostenlos Hilfe bekommst, was im Todesfall zu tun ist und welche Vorsorge im Ernstfall wirklich zählt.
Wenn im Ausland etwas schiefgeht, zählt, dass man weiß, wen man anruft. Frankreich ist gut erschlossen, und die deutschsprachigen Vertretungen sitzen in Paris — aber sie sind nicht für alles zuständig, und manches erledigst du besser selbst.
Die Notrufnummern
Die 112 gilt europaweit und verbindet dich mit der zuständigen Stelle, in vielen Fällen auch auf Englisch. Daneben gibt es die eigenen Nummern: die 15 für den medizinischen Notdienst SAMU, die 17 für die Polizei, die 18 für die Feuerwehr, die zugleich der wichtigste Rettungsdienst auf dem Land ist. Für Gehörlose gibt es die 114 per Textnachricht.
Speichere sie ein, bevor du sie brauchst, und übe mit Kindern einmal, wie man den Ort auf Französisch angibt — das ist die Angabe, an der es im Ernstfall hängt.
Die Vertretungen
Deutschland, Österreich und die Schweiz unterhalten Botschaften in Paris, dazu Generalkonsulate und ein Netz von Honorarkonsulaten in den größeren Städten. Sie helfen bei verlorenen Pässen, bei Notfällen, bei Todesfällen und mit Listen von Anwälten und Ärzten. Sie sind nicht zuständig für Rechtsberatung, für Streit mit Behörden oder Handwerkern und nicht für Geldüberweisungen.
Sinnvoll ist die Eintragung in die Krisenvorsorgeliste der jeweiligen Vertretung: Sie kostet nichts und sorgt dafür, dass du bei größeren Ereignissen erreichbar bist.
Wenn Papiere weg sind
Verlust oder Diebstahl von Ausweisdokumenten meldest du bei der örtlichen Polizei oder Gendarmerie und lässt dir die Anzeige bescheinigen. Mit dieser Bescheinigung stellt die Vertretung im Notfall ein Ersatzdokument aus. Bewahre deshalb Kopien deiner Dokumente getrennt vom Original auf, am besten zusätzlich als Datei in einem verschlüsselten Speicher.
Bankkarten sperrst du über die Sperrnummer deiner Bank oder europaweit über den zentralen Sperrnotruf.
Wer bei Streit hilft
Bei Ärger mit Behörden gibt es den défenseur des droits, eine unabhängige Ombudsstelle mit Vertretern in jedem Département — kostenlos, ohne Anwalt, und in der Praxis oft erfolgreich. Bei Streit mit Unternehmen sind die Verbraucherschlichtungsstellen zuständig, jede Branche hat ihre eigene; die Adresse steht in den Vertragsbedingungen.
Für rechtliche Erstberatung gibt es an vielen Gerichten und Rathäusern kostenlose Sprechstunden, die maisons de justice et du droit. Und wer wenig Einkommen hat, bekommt Prozesskostenhilfe, die aide juridictionnelle.
Bei Krankheit und Unfall
Im Krankenhaus wird zuerst behandelt und später abgerechnet. Hast du die carte vitale noch nicht, zeige die europäische Krankenversichertenkarte oder deine private Police; die Rechnung kommt per Post, und die Erstattung klärst du danach. Hebe alle Belege auf, ohne sie erstattet niemand etwas.
Für Rücktransporte nach Deutschland zahlt die gesetzliche Krankenkasse in der Regel nicht — das deckt nur eine private Auslandsreisekrankenversicherung oder eine Zusatzpolice.
Deutschsprachige Anlaufstellen im Land
Es gibt evangelische und katholische deutschsprachige Gemeinden in Paris, Lyon, Marseille, Straßburg und einigen anderen Städten, dazu deutsch-französische Vereinigungen, Handelskammern und Auswanderergruppen im Netz. Sie sind für den Anfang oft nützlicher als jede Behörde: Dort sitzt jemand, der denselben Antrag vor zwei Jahren gestellt hat.
Im Todesfall
Der Tod wird binnen vierundzwanzig Stunden bei der Gemeinde angezeigt, in der er eingetreten ist; das übernimmt in der Regel das Bestattungsunternehmen oder das Krankenhaus. Die französische Sterbeurkunde brauchst du mehrfach — für Banken, Versicherungen und die Rentenversicherung. Lass sie als internationale Urkunde ausstellen, dann sparst du die Übersetzung.
Eine Überführung in die Heimat ist möglich, aber teuer und dauert; sie läuft über spezialisierte Bestatter und braucht die Zustimmung der Präfektur. Wer das vermeiden will, legt zu Lebzeiten fest, was gewünscht ist — schriftlich, an einem Ort, den die Angehörigen kennen.
Vorsorge, die im Ernstfall wirklich zählt
Eine Liste mit Versicherungen, Konten, Zugängen und Ansprechpartnern, die jemand findet. Eine Vorsorgevollmacht und eine Patientenverfügung, am besten in beiden Sprachen. Und die Namen von zwei Menschen vor Ort, die man anrufen kann. Das klingt unspektakulär, ist aber genau das, was fehlt, wenn es ernst wird.
Was du für den Ernstfall vorbereitest
Leg einen Ordner an, digital und auf Papier, mit den Kopien von Ausweis, Aufenthaltspapieren, Versicherungspolicen, Kontodaten, Vollmachten und den Nummern von Hausarzt, Apotheke und zwei Vertrauenspersonen. Sag jemandem, wo er liegt. Das ist genau die Sammlung, die im Ernstfall den Unterschied macht — und der Grund, warum wir sie mit der Vorsorge-Mappe auch als geführtes Werkzeug anbieten.
Naturgefahren
Frankreich kennt Hochwasser, Waldbrände, Stürme an der Atlantikküste und Hitzewellen. Die Präfekturen warnen über eine Wetterampel von grün bis rot; die Warnstufen werden ernst genommen und führen zu Straßensperrungen und Schulausfällen. In Waldgebieten des Südens gelten im Sommer Betretungsverbote und Grillverbote, die kontrolliert werden. Wer dort wohnt, muss zudem den Bewuchs rund um das Haus zurückschneiden — das ist Pflicht und wird geprüft.
Wenn du Hilfe für jemand anderen brauchst
Sorgst du dich um einen Angehörigen, der in Frankreich lebt und sich nicht meldet, kann die Vertretung eine Vermisstenanzeige unterstützen; zuständig ist zuerst die örtliche Polizei oder Gendarmerie. Bei älteren Menschen, die allein leben, gibt es in den Gemeinden Meldelisten für Hitzeperioden, in die man sich eintragen lassen kann — dann meldet sich die Gemeinde von sich aus. Das kostet nichts und ist eine der wirksamsten Vorsorgen im Süden.
Betrug und Abzocke
Zugezogene sind ein beliebtes Ziel, vor allem bei Dacharbeiten, Fassaden und angeblich verpflichtenden Sanierungen. Merksatz: Wer an der Tür klingelt und heute noch anfangen will, wird nicht beauftragt. Verlange den Kostenvoranschlag, prüfe die Registernummer des Betriebs im öffentlichen Verzeichnis und lass dir die Versicherung zeigen. Bei Haustürgeschäften hast du in der Regel vierzehn Tage Widerrufsrecht — dieses Recht steht schriftlich im Vertrag, und fehlt es, ist der Vertrag angreifbar.
Deutschsprachige Vertretungen in Frankreich
Deutschland
Botschaft
13/15 Avenue Franklin D. Roosevelt, 75008 Paris
Tel.: +33 1 53 83 45 00
Österreich
Botschaft
6 Rue Fabert, 75007 Paris
Tel.: +33 1 40 63 30 63
Schweiz
Botschaft
142 Rue de Grenelle, 75007 Paris
Tel.: +33 1 49 55 67 00