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Heizen in Frankreich: Strom, Holz und der Energieausweis

Ein Drittel der Wohnungen heizt mit Strom, viele Landhäuser sind für den Sommer gebaut. Was die Energieklasse für Vermietung und Preis bedeutet, welche Zuschüsse es für den Umbau gibt und warum du im Winter besichtigen solltest.

8 Min. Lesezeit · 🇫🇷 Frankreich

Heizen in Frankreich: Strom, Holz und der Energieausweis

Frankreich heizt anders als Deutschland: Rund ein Drittel aller Wohnungen hängt am Strom, und der Altbau auf dem Land ist häufig deutlich schlechter gedämmt, als sein Charme vermuten lässt. Wer ein Haus kauft, entscheidet mit der Heizung über den größten Posten der laufenden Kosten.

Was in französischen Häusern verbaut ist

Am weitesten verbreitet sind elektrische Konvektoren, die alten davon sind schlicht Heizdrähte hinter einem Blech. Sie sind billig im Einbau und teuer im Betrieb. Daneben gibt es Gasheizungen in Städten mit Leitungsnetz, Flüssiggas- und Ölheizungen auf dem Land, Holzöfen und Kaminfeuer fast überall, und in den letzten Jahren immer häufiger Luft-Wasser-Wärmepumpen.

Ein Detail, das aus deutscher Sicht überrascht: Viele Häuser im Süden haben gar keine richtige Heizung, sondern nur einen Kamin und ein paar Elektroöfen. Sie sind für Sommer gebaut, mit dicken Steinmauern und kühlen Räumen. Im Januar, wenn der Mistral geht, wird daraus ein feuchtes, schwer warm zu bekommendes Haus.

Der Energieausweis entscheidet inzwischen mit

Das diagnostic de performance énergétique, kurz DPE, teilt Gebäude in Klassen von A bis G ein. Es ist längst kein Papier mehr für die Ablage: Die schlechtesten Klassen dürfen nicht mehr neu vermietet werden, und die Grenze rückt weiter nach oben. Für Käufer heißt das zweierlei — ein Haus mit schlechter Einstufung ist im Preis verhandelbar, aber es ist auch eine Verpflichtung zur Sanierung, wenn du je vermieten willst.

Beim Kauf gehört der DPE-Bericht zu den Pflichtunterlagen. Lies nicht nur die Klasse, sondern die geschätzten Jahreskosten für Heizung und Warmwasser, die darin stehen. Sie sind grob, aber sie zeigen die Größenordnung.

Was Heizen kostet

Elektrisch heizen ist im Altbau der teuerste Weg; ein schlecht gedämmtes Haus im Landesinneren bringt es im Winter auf Stromrechnungen von mehreren hundert Euro im Monat. Holz ist am billigsten, wenn du selbst stapelst und der Ofen einigermaßen modern ist — Brennholz wird in Ster oder Kubikmetern verkauft, und die Preise unterscheiden sich stark nach Region und Trocknungsgrad. Flüssiggas liegt dazwischen und schwankt mit dem Weltmarkt, Heizöl ebenfalls.

Die Wärmepumpe ist im französischen Klima meistens die vernünftigste Wahl, weil die Winter außerhalb der Berge mild sind und der Strommix günstig ist. Sie setzt aber eine gewisse Grunddämmung und ausreichend große Heizflächen voraus.

Zuschüsse für den Umbau

Für Eigentümer gibt es ein System von Zuschüssen, das an Einkommen und erreichte Verbesserung gekoppelt ist; der bekannteste Baustein heißt MaPrimeRénov. Gefördert werden Dämmung, Fenster, Wärmepumpen und Holzheizungen, mit höheren Sätzen für umfassende Sanierungen statt Einzelmaßnahmen. Daneben gibt es zinslose Darlehen für energetische Arbeiten und Zuschüsse der Energieversorger.

Zwei Bedingungen tauchen immer wieder auf und werden ohne Ausnahme geprüft: Der ausführende Betrieb muss das Siegel RGE tragen, und der Antrag muss vor Beginn der Arbeiten gestellt sein. Wer erst baut und dann beantragt, bekommt nichts. Die Sätze und Bedingungen ändern sich fast jährlich — prüfe den Stand vor dem Angebot, nicht nach der Rechnung.

Kamin und Ofen: die Pflichten

Kaminkehren ist Pflicht, in der Regel ein- bis zweimal jährlich, je nach Département. Der Nachweis ist kein Formalismus: Versicherer verlangen ihn im Brandfall, und ohne Bescheinigung wird der Schaden gekürzt oder abgelehnt. Für neue Öfen gilt die Zertifizierung nach europäischen Normen, und in einigen Ballungsräumen sind offene Kamine als Hauptheizung untersagt, weil sie die Feinstaubwerte treiben.

Holz kaufst du am besten im Frühjahr für den nächsten Winter — dann ist es billiger und hat Zeit zu trocknen. Feuchtes Holz heizt schlecht, verrußt den Zug und ist der häufigste Grund für Kaminbrände.

Sommer ist die andere Hälfte der Frage

Im Süden entscheidet die Kühlung inzwischen genauso über die Wohnqualität wie die Heizung. Klimageräte sind verbreitet, aber die bessere Lösung steckt oft im Gebäude: Fensterläden, die tagsüber geschlossen bleiben, dicke Mauern, Nachtlüftung, ein Baum vor der Südseite. Reversible Wärmepumpen heizen im Winter und kühlen im Sommer — für Neubauten und sanierte Häuser die naheliegende Kombination.

Worauf du beim Hauskauf achtest

Frag nach den Jahresabrechnungen der letzten beiden Winter, nicht nach der Einschätzung des Verkäufers. Sieh dir an, ob das Dach gedämmt ist — das ist die billigste und wirksamste Maßnahme und im Altbau oft nicht gemacht. Prüfe die Fenster: Einfachverglasung ist in ländlichen Häusern noch verbreitet. Und geh, wenn irgend möglich, im Winter durchs Haus. Ein Steinhaus in der Provence fühlt sich im Juli großartig an und im Februar wie ein Keller.

Warmwasser läuft meist über den Speicher

Fast jedes Haus hat einen elektrischen Warmwasserspeicher, den ballon d'eau chaude, der nachts zum günstigen Tarif aufheizt. Zwei Dinge lohnen den Blick: Fasst er genug für die Zahl der Bewohner — zweihundert Liter sind für vier Personen knapp — und ist er in einem beheizten Raum aufgestellt. Steht er im kalten Nebenraum, heizt er die Wand statt das Wasser. Die Lebensdauer liegt bei zehn bis fünfzehn Jahren; beim Hauskauf ist er einer der Posten, die kurz nach dem Einzug fällig werden.

Zweitwohnung im Winter

Wer das Haus über den Winter leer stehen lässt, muss die Leitungen schützen. In Höhenlagen und im Landesinneren wird es nachts empfindlich kalt, und ein Frostschaden an einer nicht entleerten Leitung ist der häufigste Schaden an Ferienhäusern. Die meisten Versicherer verlangen deshalb, dass das Wasser abgestellt und das System entleert wird oder eine Mindesttemperatur gehalten wird. Steht das in der Police und du hältst dich nicht daran, zahlt sie nicht.

Regional sehr verschieden

Im Elsass, in Lothringen und in den Bergen wird ernsthaft geheizt, mit entsprechenden Gebäuden und Kosten. Entlang des Mittelmeers reicht oft eine Übergangsheizung, dafür wird die Kühlung wichtig. Im Atlantikklima der Bretagne und der Normandie ist nicht die Kälte das Problem, sondern die Feuchtigkeit — dort entscheidet Lüftung über Schimmel, und eine kontrollierte Wohnraumlüftung ist Gold wert.

Was zuerst gemacht wird

Wenn Geld nur für einen Schritt reicht, ist es fast immer das Dach. Danach kommen die Fenster, dann die Heizung selbst. Umgekehrt vorzugehen — erst die neue Wärmepumpe in ein ungedämmtes Haus — ist der teuerste Fehler: Die Anlage wird zu groß ausgelegt, läuft im falschen Bereich und liefert nie die Werte, mit denen gerechnet wurde. Ein Energieberater kostet wenige hundert Euro und ist für die höheren Fördersätze ohnehin vorgeschrieben.

Stand: 8.9.2026

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