Bildung
Schule in Frankreich: Aufbau, Sprache und was Eltern erwartet
Schulpflicht ab drei Jahren, Unterricht bis halb fünf und Noten von zwanzig abwärts. Wie Kinder ohne Französisch gefördert werden, wo es deutsche Schulen gibt und was für Erwachsene beim Sprachenlernen wirklich zählt.
Das französische Schulsystem ist zentral organisiert, kostenlos und anspruchsvoll — und es beginnt früher, als deutsche Eltern erwarten: Ab drei Jahren besteht Schulpflicht.
Der Aufbau in vier Stufen
Die école maternelle nimmt Kinder von drei bis sechs Jahren auf und ist bereits Schule, nicht Kindergarten: mit Lehrplan, Klassenlehrer und festen Zeiten. Danach folgt die école élémentaire bis elf, das collège bis fünfzehn und schließlich das lycée bis zum Abitur, dem baccalauréat.
Die Zuweisung erfolgt nach Wohnort. Angemeldet wird bei der Gemeinde, die die Schule zuteilt; für weiterführende Schulen ist das Département zuständig. Für eine Schule außerhalb des zugewiesenen Bezirks braucht es einen begründeten Antrag.
Der Tag ist lang
Unterricht von halb neun bis halb fünf ist normal, mit einer langen Mittagspause und warmem Essen in der Kantine, das die Gemeinde gegen eine einkommensabhängige Gebühr anbietet. Der Mittwoch ist in vielen Gemeinden frei oder verkürzt. Ferien gibt es reichlich, verteilt über drei Zonen, damit nicht ganz Frankreich gleichzeitig unterwegs ist — für Zugezogene mit Familie in der Heimat ein Punkt, den man beim Planen von Besuchen kennen sollte.
Kinder, die kein Französisch sprechen
Für sie gibt es Förderklassen, die UPE2A, in denen sie zusätzlich Sprachunterricht bekommen und schrittweise in die reguläre Klasse wechseln. Sie sind an größeren Schulen eingerichtet, im ländlichen Raum aber nicht überall. Kleinere Kinder lernen die Sprache in wenigen Monaten nebenbei; ab dem collège wird es anstrengend, weil der Unterricht sprachlich anspruchsvoll ist und viel schriftlich geprüft wird.
Der Ton in französischen Schulen ist formeller und die Bewertung strenger als in Deutschland. Noten von zwanzig Punkten abwärts, und eine Vierzehn ist eine gute Note — daran gewöhnen sich Eltern langsamer als Kinder.
Deutsche und internationale Schulen
In Paris, Straßburg, Lyon, Toulouse, Nizza und Marseille gibt es deutsche oder internationale Schulen, teils mit deutschem Abschluss, teils mit dem internationalen Baccalauréat. Sie sind kostenpflichtig, oft mit Wartelisten, und die Gebühren liegen je nach Schule im mittleren vierstelligen Bereich pro Jahr. Daneben gibt es an staatlichen Schulen die sections internationales mit verstärktem Sprachunterricht — kostenlos, aber mit Aufnahmeprüfung.
Wer aufs Land zieht, hat diese Wahl nicht. Dort ist die Dorfschule die Schule, und das ist meistens kein Nachteil: kleine Klassen, Lehrer, die alle Kinder kennen, und ein schneller Anschluss ins Dorfleben über die Kinder.
Nach der Schule
Das Hochschulsystem ist zweigeteilt: die Universitäten mit niedrigen Gebühren und offenem Zugang, daneben die grandes écoles mit Aufnahmeprüfung und hohem Ansehen. Für die Bewerbung gibt es ein zentrales Portal, Parcoursup, mit festen Fristen im Frühjahr — wer sie verpasst, verliert ein Jahr.
Deutsche Abiturzeugnisse werden anerkannt, brauchen aber eine Übersetzung und meist eine Gleichwertigkeitsbescheinigung. Umgekehrt ist das baccalauréat in Deutschland anerkannt; für einige Fächer wird ein Nachweis über belegte Kurse verlangt.
Berufsausbildung
Die duale Ausbildung deutscher Prägung gibt es so nicht. Der Weg führt über berufliche Schulen und Ausbildungsverträge, die apprentissage, die in den letzten Jahren gefördert und deutlich ausgebaut wurden. Für Handwerksberufe ist das ein gangbarer Weg, auch für Jugendliche, die spät zuziehen — die Betriebe suchen händeringend.
Erwachsene: Französisch lernen
Die staatlich anerkannten Sprachprüfungen heißen DELF und DALF; für die Einbürgerung wird ein bestimmtes Niveau verlangt. Die Volkshochschulen der Gemeinden bieten günstige Kurse an, oft im Rathaus oder in der Bibliothek, und in vielen Orten gibt es Vereine, in denen Zugezogene und Einheimische einander sprachlich helfen.
Der wichtigste Rat kommt von denen, die es hinter sich haben: Fang vor dem Umzug an, und lerne sprechen statt Grammatik. Behörden, Handwerker und Nachbarn erwarten kein perfektes Französisch, aber sie erwarten, dass du es versuchst.
Betreuung unter drei Jahren
Vor der Schulpflicht gibt es zwei Wege: die crèche, also die Kinderkrippe der Gemeinde, mit einkommensabhängigen Beiträgen und regelmäßig langen Wartelisten, und die assistante maternelle, eine geprüfte Tagesmutter, die Kinder bei sich zu Hause betreut. Der zweite Weg ist auf dem Land der übliche und funktioniert gut; ein Teil der Kosten wird erstattet, und die Betreuerinnen sind über die Gemeinde oder das Département vermittelbar.
Familienleistungen
Zuständig ist die Familienkasse CAF. Sie zahlt Kindergeld ab dem zweiten Kind, dazu einkommensabhängige Zuschüsse für Betreuung, Wohnen und Schulbeginn. Der Antrag läuft online und verlangt Geburtsurkunden mit Übersetzung sowie den Nachweis, dass du hier wohnst. Wer aus Deutschland Kindergeld bezieht, muss den Wechsel melden — Doppelbezug wird später zurückgefordert.
Was Schule tatsächlich kostet
Der Unterricht ist kostenlos, das Drumherum nicht: Kantine, Schulbus, Materiallisten am Schuljahresbeginn, Klassenfahrten und der Sportverein. Für die Anschaffungen im September gibt es einen staatlichen Zuschuss, die allocation de rentrée scolaire, wenn das Einkommen unter der Grenze liegt. Rechne trotzdem mit ein paar hundert Euro je Kind im Herbst.
Fernunterricht und Heimunterricht
Für Familien in abgelegenen Lagen oder in Übergangszeiten gibt es den staatlichen Fernunterricht CNED, der als Ersatz für den Schulbesuch anerkannt werden kann. Freier Heimunterricht ist dagegen seit 2021 nur noch mit Genehmigung möglich und wird eng ausgelegt — wer damit plant, klärt das vor dem Umzug, nicht im September.
Zeugnisse und Wechsel mitten im Jahr
Ein Schulwechsel ist auch während des Schuljahres möglich; die aufnehmende Schule verlangt das letzte Zeugnis in Übersetzung und stuft danach ein. Es kommt vor, dass ein Kind ein Jahr zurückgestuft wird, meist wegen der Sprache und nicht wegen des Stoffs. Das lässt sich später korrigieren und ist kein Drama — für Jugendliche, die kurz vor dem Abschluss stehen, wiegt es allerdings schwer. Wer mit Kindern im collège-Alter umzieht, plant den Wechsel möglichst zum Schuljahresbeginn im September.
Was Eltern hilft
An jeder Schule gibt es Elternvertretungen, in die auch Zugezogene gewählt werden können — der schnellste Weg, das System zu verstehen und Anschluss zu finden. Die Kommunikation läuft über ein Onlineportal je Schule, auf Französisch und knapp formuliert; lass dir den Zugang am ersten Tag einrichten und sieh regelmäßig hinein, weil dort Termine, Noten und Abwesenheiten stehen.