Auto & Verkehr
Auto in Frankreich: Führerschein, Zulassung und was sie kostet
Der deutsche Führerschein gilt weiter, das Auto muss binnen eines Monats umgemeldet werden — und die Zulassungsgebühr kann bei starken Motoren richtig teuer werden. Was Maut, Umweltplakette und Landleben ohne Bus bedeuten.
Frankreich ist ein Autoland mit gut ausgebauten Straßen, teuren Autobahnen und einem Behördenweg, der sich vollständig ins Netz verlagert hat — mit allen Vor- und Nachteilen.
Führerschein: umschreiben musst du meist nicht
Deutsche und österreichische Führerscheine gelten in Frankreich unbefristet weiter. Umgeschrieben wird erst, wenn das Dokument abläuft, verloren geht, oder wenn du in Frankreich eine Sanktion mit Punktabzug bekommst — dann verlangt die Behörde die Umschreibung. Schweizer Führerscheine sind innerhalb eines Jahres nach Wohnsitznahme umzutauschen.
Der Antrag läuft über das Portal der ANTS, der zentralen Stelle für Fahrzeug- und Führerscheinangelegenheiten. Ein Schalter, an dem du das erledigen könntest, existiert nicht mehr. Rechne mit Wartezeiten von mehreren Monaten und mache vorher Kopien; das Original geht ein.
Das Fahrzeug ummelden
Wer sein Auto mitbringt, muss es innerhalb eines Monats nach Wohnsitznahme französisch zulassen. Dafür brauchst du den europäischen Übereinstimmungsnachweis, die Zulassungsbescheinigung Teil I und II, einen Adressnachweis, die Versicherung und den Nachweis, dass die Steuer im Herkunftsland erledigt ist. Fahrzeuge, die älter als vier Jahre sind, brauchen vorher eine gültige französische Hauptuntersuchung.
Am Ende steht die carte grise, der Fahrzeugschein. Die Gebühr richtet sich nach Steuer-PS und Département und ist bei starken Motoren erheblich; bei sehr emissionsstarken Fahrzeugen kommt eine Zulassungsabgabe hinzu, die vierstellig werden kann. Wer ein großes deutsches Auto mitbringt, sollte das vorher überschlagen — es ist einer der teuersten Einzelposten beim Umzug.
Hauptuntersuchung und Werkstatt
Der contrôle technique ist ab dem vierten Jahr fällig und danach alle zwei Jahre. Er ist etwas nachsichtiger als der deutsche TÜV, aber die Abgasprüfung wurde verschärft. Werkstätten sind gut verteilt; freie Werkstattketten sind deutlich billiger als Vertragswerkstätten, und die Ersatzteilpreise liegen unter deutschem Niveau.
Autobahn, Sprit, Regeln
Fast alle Autobahnen sind mautpflichtig, abgerechnet über Schranken oder ein Funkgerät für den Wagen. Für Vielfahrer lohnt sich das Abo, weil die Spuren kürzer sind und die Abrechnung monatlich läuft. Eine Fahrt quer durchs Land kostet leicht sechzig bis achtzig Euro nur an Maut.
Die Tempolimits liegen bei 130 auf der Autobahn, 110 auf Schnellstraßen, 80 auf Landstraßen ohne Mittelstreifen — einige Départements haben auf 90 zurückgestellt, die Beschilderung entscheidet. Bei Regen gelten niedrigere Werte. Kontrolliert wird viel und automatisch; Bußgelder aus Frankreich werden in Deutschland und Österreich vollstreckt.
In vielen Städten gilt die Umweltplakette Crit'Air, die du online bestellst und die zwingend an der Scheibe kleben muss. Ohne sie ist die Einfahrt in Umweltzonen untersagt, und die Kontrollen sind ernst gemeint.
Pflicht im Fahrzeug
Warnweste und Warndreieck müssen mitgeführt werden, die Weste griffbereit im Innenraum, nicht im Kofferraum. Alkohol am Steuer ist strenger geregelt als in Deutschland: Die Grenze liegt bei 0,5 Promille, für Fahranfänger bei 0,2. Radarwarner und entsprechende Funktionen in Navigationsgeräten sind verboten.
Auto kaufen
Gebrauchtwagen sind im Verhältnis teurer als in Deutschland, das Angebot ist kleiner, und Diesel verlieren wegen der Umweltzonen schneller an Wert. Beim Kauf von privat brauchst du den Kaufvertrag, die carte grise mit Vermerk des Verkäufers, einen aktuellen contrôle technique und die Bescheinigung, dass keine Pfändung eingetragen ist. Die Ummeldung läuft wieder online über die ANTS und muss binnen eines Monats erfolgen.
Ohne Auto geht es selten
Der Zugverkehr zwischen den großen Städten ist ausgezeichnet und schnell, der Nahverkehr auf dem Land dagegen dünn. In vielen Dörfern fährt der Bus zweimal täglich zur Schule und sonst nicht. Wer aufs Land zieht, plant das Auto nicht als Bequemlichkeit ein, sondern als Voraussetzung — und im Alter wird genau das zur Frage, die man vor dem Kauf eines abgelegenen Hauses ehrlich beantworten sollte.
Für die Strecke in die alte Heimat lohnt der Blick auf die Bahn: Von Paris, Straßburg und Lyon gibt es schnelle Verbindungen nach Deutschland und in die Schweiz, und die Fernbusse sind billig, wenn auch langsam.
Winterreifen in den Bergen
In den Bergdépartements gilt von November bis Ende März eine Ausrüstungspflicht: Winterreifen oder Ketten im Fahrzeug. Betroffen sind Alpen, Pyrenäen, Jura, Vogesen, Zentralmassiv und Korsika, jeweils gemeindeweise festgelegt und ausgeschildert. Wer dort wohnt oder regelmäßig durchfährt, hält sich daran — kontrolliert wird an den Zufahrten zu den Skiorten.
Kinder im Auto
Kindersitze sind bis zehn Jahre oder bis eine bestimmte Körpergröße erreicht ist vorgeschrieben, und Kinder unter zehn dürfen grundsätzlich nicht auf dem Beifahrersitz mitfahren. Die Regeln werden kontrolliert und die Bußgelder sind spürbar.
Parken in Städten
In den Innenstädten wird fast überall bewirtschaftet, meist über Automaten oder eine App, oft mit vergünstigten Anwohnerkarten, die über die Gemeinde beantragt werden. Wer eine Wohnung in einer größeren Stadt mietet, klärt die Stellplatzfrage vor dem Vertrag — in Nizza, Bordeaux oder Lyon ist ein eigener Platz ein eigener Preisfaktor.
Wenn etwas passiert
Nach einem Unfall wird der constat amiable ausgefüllt, ein europaweit einheitliches Formular, das beide Fahrer unterschreiben. Es liegt in jedem französischen Handschuhfach und ersetzt in den allermeisten Fällen die Polizei. Ohne dieses Blatt wird die Regulierung zäh, deshalb: eines besorgen und im Auto lassen.
Elektroauto und Ladenetz
Das Ladenetz an Autobahnen ist gut ausgebaut, in ländlichen Gegenden hängt es von der Gemeinde ab. Für den Wallbox-Einbau am eigenen Haus gibt es einen Steuerabzug; in Eigentümergemeinschaften besteht ein Recht darauf, den Anschluss auf eigene Kosten legen zu lassen. Der Strompreis macht das Laden zu Hause deutlich günstiger als in Deutschland, an Schnellladern dagegen nicht.
Wohnmobil, Anhänger, Roller
Für Gespanne über einer bestimmten Gesamtmasse brauchst du die passende Führerscheinklasse; die deutsche Klasse gilt unverändert weiter. Wohnmobile stehen in Frankreich bequem, weil viele Gemeinden eigene Stellplätze mit Ver- und Entsorgung anbieten, oft kostenlos oder für wenige Euro. Wildes Übernachten wird an der Küste dagegen konsequent geahndet.
Roller bis 50 Kubikzentimeter fahren viele Jugendliche ab vierzehn mit einer kleinen Fahrerlaubnis. Wer aus Deutschland zuzieht, sollte wissen, dass das hier normal ist — und dass Helm, Handschuhe und Versicherung streng kontrolliert werden.
Wenn das Auto in die Jahre kommt
Verschrottet wird nur bei einem anerkannten Betrieb, der die Abmeldung selbst vornimmt und dir eine Bescheinigung ausstellt. Ohne sie bleibst du in den Registern als Halter geführt und bekommst später Post wegen Verkehrsverstößen, die andere begangen haben. Dasselbe gilt beim Verkauf: Die Meldung über das Portal ist deine Aufgabe, nicht die des Käufers.