Strom, Gas, Wasser
Strom, Gas, Wasser in Ecuador: 110 Volt, eine Gasflasche und die Frage nach den Apagones
Ecuador hat 110 Volt und amerikanische Stecker — die meisten deutschen Geräte kannst du zu Hause lassen. Gekocht wird mit der subventionierten Gasflasche, geheizt wird gar nicht, und Leitungswasser trinkt man nur in Cuenca. Dazu die ehrliche Antwort auf die Frage nach den Stromausfällen: Die Krise von 2024 ist vorbei, ganz stabil ist das Netz aber noch nicht.
Der erste Satz zu diesem Thema ist der teuerste, wenn man ihn zu spät liest: Ecuador hat 110 Volt.
Genauer 120 Volt bei 60 Hertz, mit den flachen amerikanischen Steckern. Jedes deutsche Gerät, das du mitbringst, braucht mindestens einen Adapter, und alles, was einen Motor oder eine Heizspirale hat, braucht einen Transformator — oder es raucht ab. Küchenmaschine, Bohrmaschine, Föhn, Wasserkocher, Staubsauger: alles verkaufen.
Laptops, Handyladegeräte und die meisten modernen Netzteile vertragen beides, das steht klein aufgedruckt. Wenn dort 100–240 V steht, reicht ein Adapter für zwei Dollar. Steht 230 V, bleibt das Gerät zu Hause.
DIE APAGONES — DIE EHRLICHE ANTWORT
Wer über Ecuador liest, stößt schnell auf die Stromkrise. Sie ist real, und sie gehört auf den Tisch.
Im Jahr 2024 fiel in Ecuador der Strom über Monate hinweg planmäßig aus, in Spitzenzeiten viele Stunden am Tag. Der Grund war die Abhängigkeit von Wasserkraft und eine schwere Dürre. Für 2026 hat die Regierung erklärt, es werde keine Abschaltungen geben, und in dieser Schärfe ist die Lage auch nicht zurückgekehrt.
Ganz vorbei ist es aber nicht. Im Mai und Juni 2026 gab es an zwei Wochenenden angekündigte Abschaltungen von bis zu vier Stunden je Stadtteil, die als Wartungsarbeiten liefen. Im Januar 2026 hat Kolumbien die Stromlieferungen an Ecuador eingestellt, nachdem die ecuadorianische Regierung eine Abgabe auf kolumbianische Einfuhren erhoben hatte — und diese Einfuhren waren einer der Pfeiler des Versprechens. Fachleute rechnen damit, dass das System noch einige Jahre angespannt bleibt.
Was das für dich praktisch heißt: Rechne mit gelegentlichen Ausfällen, nicht mit einem Dauerzustand. Halte Taschenlampen, eine Powerbank und Kerzen im Haus. Wenn du auf ein medizinisches Gerät angewiesen bist oder von zu Hause aus arbeitest, gehört eine kleine Notstromlösung in die Planung — in den größeren Wohnanlagen ist ein Generator ohnehin üblich.
WAS DER STROM KOSTET
Zuständig ist je nach Region ein eigenes Unternehmen: in Quito die Empresa Eléctrica Quito, in Cuenca und dem Süden Centrosur, im größten Teil des Landes die staatliche CNEL.
Der Haushaltstarif liegt bei rund neun bis zehn US-Cent je Kilowattstunde. Das ist etwa ein Viertel des deutschen Preises. Eine normale Wohnung ohne Klimaanlage kommt im Monat auf fünfzehn bis vierzig Dollar.
An der Küste sieht das anders aus. Wer in Guayaquil, Manta oder Salinas eine Klimaanlage laufen lässt, kann diese Rechnung ohne Weiteres verdreifachen. Das ist einer der wenigen Punkte, an denen das Leben im heißen Tiefland teurer ist als im kühlen Hochland.
HEIZUNG GIBT ES NICHT
In Quito, Cuenca oder Loja wird es nachts zehn, zwölf Grad. Die Häuser haben keine Heizung, keine Dämmung und oft einfach verglaste Fenster. Tagsüber ist es angenehm, abends wird es klamm — und wer aus Deutschland kommt, unterschätzt das regelmäßig.
Die Lösung sind hier keine Heizkörper, sondern warme Kleidung, dicke Decken und im Zweifel ein kleiner elektrischer Heizlüfter für ein einzelnes Zimmer. Wer eine Wohnung besichtigt, sollte das abends tun und nicht mittags.
DAS GAS UND SEINE FLASCHE
Ein Gasnetz gibt es in Ecuador nicht. Gekocht wird mit Flüssiggas aus der orangefarbenen Fünfzehn-Kilo-Flasche, die man an fast jeder Ecke tauschen kann. In den Wohnvierteln fährt ein Wagen durch die Straßen und macht sich mit einer Glocke oder einem Lautsprecher bemerkbar.
Diese Flasche ist seit Jahrzehnten stark subventioniert und kostet nur wenige Dollar. Für einen Zweipersonenhaushalt hält sie je nach Kochgewohnheit einen bis zwei Monate.
Ein Hinweis, den du im Hinterkopf behalten solltest: Diese Subvention steht seit Jahren politisch zur Debatte. Der Zuschuss auf Diesel ist im September 2025 gefallen. Wenn eines Tages auch das Haushaltsgas fällt, wird die Flasche ein Vielfaches kosten — an deiner Gesamtrechnung ändert das trotzdem wenig, weil das Ausgangsniveau so niedrig ist.
Und noch etwas zur Sicherheit: Der Anschluss läuft über einen Schlauch mit Schelle, nicht über eine feste Leitung. Lass den Schlauch regelmäßig ansehen und stell die Flasche nie in einen fensterlosen Raum.
DIE DUSCHE MIT DEM DRAHT
Warmwasser kommt in vielen Wohnungen nicht aus einem Boiler, sondern aus einem elektrischen Duschkopf, der das Wasser direkt beim Durchlaufen erhitzt. Er heißt hier Ducha Eléctrica.
Diese Dinger funktionieren, aber sie sind oft von Laien angeschlossen, und ein fehlender Schutzleiter ist keine Seltenheit. Wenn du eine Wohnung nimmst, in der so etwas hängt, lass es von einem Elektriker prüfen, bevor du das erste Mal duschst. Es kostet zwanzig Dollar.
Ein Gasdurchlauferhitzer ist die bessere Lösung und in besseren Wohnungen auch üblich.
DAS WASSER
Auch das Wasser ist kommunal: in Quito die EPMAPS, in Cuenca die ETAPA, in Guayaquil Interagua. Eine Rechnung von zehn bis fünfundzwanzig Dollar im Monat ist normal.
Trinken solltest du Leitungswasser in Ecuador grundsätzlich nicht. Die eine große Ausnahme ist Cuenca — die Aufbereitung der ETAPA gilt als so gut, dass die Einheimischen dort selbstverständlich aus dem Hahn trinken. Überall sonst gilt: gekauftes Wasser, meist in der Zwanzig-Liter-Flasche, die geliefert wird und ein paar Dollar kostet.
Wer länger bleibt, schafft sich einen Filter an. Das ist billiger, umweltfreundlicher und erspart dir das Schleppen.
DIE ANMELDUNG UND DIE RECHNUNG
Alle drei Anschlüsse laufen üblicherweise weiter auf den Namen des Eigentümers, wenn du zur Miete wohnst. Lass dir bei der Übergabe die letzten Rechnungen zeigen — offene Beträge hängen am Zähler, nicht am Vormieter, und du willst sie nicht erben.
Bezahlt wird bar in Supermärkten und Apotheken, per Bankeinzug oder über die App deines Anbieters. Für den Bankeinzug brauchst du ein ecuadorianisches Konto, und dafür brauchst du die Cédula.
Ein praktischer Rat für die erste Zeit: Fotografier bei der Wohnungsübergabe die Zählerstände von Strom und Wasser. Das ist in Ecuador so wenig selbstverständlich wie ein Übergabeprotokoll — und genauso wertvoll, wenn es später Streit gibt.