Gesundheit & Krankenversicherung
Gesundheit und Krankenversicherung in Ecuador: 84,83 Dollar im Monat — und was dahintersteckt
Deine deutsche Kasse endet mit der Abmeldung, und für die Krankenversicherung gibt es mit Ecuador keinerlei Abkommen. Dafür kostet die staatliche Versicherung IESS 84,83 Dollar im Monat, nimmt Vorerkrankungen ohne Ausschluss auf und kennt keine Altersgrenze — hat aber drei Monate Wartezeit und lange Wege zum Facharzt. Was das kostet, was es leistet und womit du die Lücke am Anfang schließt.
An dem Tag, an dem du dich in Deutschland abmeldest, endet deine gesetzliche Krankenversicherung. Nicht am Monatsende, nicht nach einer Übergangsfrist. Sie endet.
Für die Rente gibt es zwischen Deutschland und Ecuador Regelungen. Für die Krankenversicherung gibt es keine. Deine Kasse zahlt in Ecuador nichts, deine Pflegeversicherung auch nicht, und die Reisekrankenversicherung, die du seit Jahren hast, gilt für Urlaube und nicht für einen Wohnsitzwechsel.
Die gute Nachricht: Ecuador hat für diesen Fall eine der günstigsten Lösungen ganz Lateinamerikas.
DAS IESS UND SEIN PREIS
Das Instituto Ecuatoriano de Seguridad Social, kurz IESS, ist die staatliche Sozialversicherung. Als Zugezogener mit Cédula kannst du dich freiwillig anmelden — das nennt sich Afiliación Voluntaria, und der ganze Vorgang läuft online über das Portal des IESS.
Der Beitrag beträgt 17,60 Prozent einer Bemessungsgrundlage, die du selbst festlegst. Sie darf nur nicht unter dem gesetzlichen Mindestlohn liegen. Für 2026 sind das 482 Dollar, der Mindestbeitrag liegt damit bei 84,83 Dollar im Monat. Im Vorjahr waren es 82,72 Dollar — die Zahl steigt jedes Jahr im Januar mit dem Mindestlohn.
Deinen Ehepartner oder Lebensgefährten nimmst du für weitere 3,41 Prozent mit hinein, also rund 16,44 Dollar monatlich. Kinder unter achtzehn sind kostenlos mitversichert.
Für weniger als hundertzwanzig Dollar im Monat ist damit ein ganzer Haushalt versichert. In Deutschland zahlt ein freiwillig versicherter Rentner ein Vielfaches davon.
WAS DAS IESS BESSER MACHT ALS JEDE PRIVATE
Zwei Dinge, die dir kein privater Versicherer in Ecuador bietet.
Erstens: Es gibt keine Ausschlüsse für Vorerkrankungen. Wer mit einem Herzleiden, einem Diabetes oder einer Krebsvorgeschichte kommt, wird aufgenommen wie jeder andere. Kein Gesundheitsfragebogen, kein Risikozuschlag, keine Ablehnung.
Zweitens: Es gibt keine Altersgrenze für den Eintritt. Private Versicherer in Ecuador nehmen dich mit siebzig oft gar nicht mehr auf oder verlangen Beiträge, die den Sinn der Sache aufheben.
Für unsere Zielgruppe ist das der entscheidende Punkt. Wer mit sechzig auswandert, hat in Deutschland fast immer schon irgendetwas in der Akte stehen.
DIE DREI MONATE, DIE DU EINPLANEN MUSST
Es gibt eine Wartezeit. Anspruch auf medizinische Behandlung wegen Krankheit hast du erst, wenn du mindestens drei Monate ununterbrochen eingezahlt hast, und zwar vor Beginn der Erkrankung. Bei Notfällen greift diese Wartezeit nicht — dort wirst du auch ohne erfüllte Wartezeit behandelt.
Daraus folgt etwas Praktisches: Melde dich beim IESS an, sobald du deine Cédula hast, und überbrücke die ersten Monate mit einer Auslandskrankenversicherung aus Europa. Die drei Monate ohne jeden Schutz sind das größte Risiko des ganzen Umzugs.
Zwei weitere Zahlen gehören dazu. Wenn ein Monatsbeitrag sechzig Tage lang offen bleibt, meldet dich das IESS automatisch ab — die Wartezeit beginnt dann von vorn. Und wer die Mitgliedschaft beendet, behält noch zwei Monate lang Anspruch auf Behandlung, das sogenannte Período de Protección.
WO DAS IESS SCHWACH IST
Man muss ehrlich sein: Der Preis hat einen Preis. Wartezeiten auf Facharzttermine und planbare Eingriffe werden von Versicherten regelmäßig in Monaten gemessen, nicht in Wochen. Das gilt für die eigenen Häuser des IESS ebenso wie für die privaten Anbieter, mit denen es zusammenarbeitet.
In einer Notaufnahme wirst du versorgt. Auf einen Termin beim Kardiologen wartest du.
Deshalb machen es viele Zugezogene so: IESS als Grundlage und Rückhalt für den großen Fall, und die alltäglichen Arztbesuche zahlt man privat aus der Tasche. Eine Facharztsprechstunde in einer guten Privatklinik kostet dich meist zwischen vierzig und achtzig Dollar. Das lässt sich planen.
DIE PRIVATEN
Ecuadorianische Krankenversicherer wie Salud S.A., Ecuasanitas, BMI oder Confiamed bieten Tarife, die je nach Alter und Umfang bei rund achtzig Dollar im Monat beginnen und nach oben offen sind. Sie geben dir schnelleren Zugang und freie Arztwahl.
Aber: Vorerkrankungen werden ausgeschlossen oder mit Zuschlägen belegt, es gibt Wartezeiten von mehreren Monaten für alles, was nicht akut ist, und beim Eintritt gelten Altersgrenzen. Wer die Sechzig überschritten hat, sollte sich ein Angebot einholen, bevor er in Deutschland kündigt — nicht danach.
Die dritte Möglichkeit ist eine internationale Auslandskrankenversicherung aus Europa. Sie kostet deutlich mehr, deckt aber auch Behandlungen in Deutschland ab. Für alle, die im Ernstfall zu ihrem alten Arzt zurück wollen, ist das die einzige Lösung, die trägt.
DAS ÖFFENTLICHE SYSTEM
Daneben gibt es das Gesundheitsministerium MSP mit seinen Gesundheitszentren und Krankenhäusern. Die Behandlung dort ist für jeden kostenlos, auch für Ausländer, auch ohne Cédula, auch ohne Versicherung. Das ist in der ecuadorianischen Verfassung so angelegt.
In der Praxis ist dieses System chronisch unterfinanziert. Es rettet dir im Notfall das Leben, und dafür sollst du wissen, dass es da ist. Als dauerhafte Versorgung für einen Menschen mit chronischer Erkrankung taugt es nicht.
WO DIE GUTE MEDIZIN SITZT
Die leistungsfähigen Häuser liegen in den drei großen Städten. In Quito sind das vor allem das Hospital Metropolitano und das Hospital de los Valles, in Guayaquil das Omni Hospital und die Clínica Kennedy, in Cuenca das Hospital Monte Sinaí und das Hospital Santa Inés.
Das ist eine Zahl, die du bei der Wahl deines Wohnorts im Kopf haben solltest. Ein Dorf in den Anden kann wunderschön sein — wenn der nächste Kardiologe drei Stunden entfernt ist, ändert das die Rechnung.
Viele Ärzte in diesen Häusern haben in den USA oder Europa studiert und sprechen Englisch. Deutsch spricht so gut wie niemand. Verlass dich nicht darauf, dass es im Notfall jemanden gibt, der dich versteht — schreib deine Diagnosen, Allergien und Medikamente auf Spanisch auf und trag den Zettel bei dir.
APOTHEKEN UND MEDIKAMENTE
Apotheken gibt es überall, die großen Ketten heißen Fybeca, Sana Sana und Cruz Azul. Vieles, was in Deutschland verschreibungspflichtig ist, bekommst du hier ohne Rezept, und die Preise für Generika liegen deutlich unter den deutschen.
Ein Markenpräparat, das du seit Jahren nimmst, heißt hier aber oft anders oder ist gar nicht zu bekommen. Lass dir vor dem Umzug von deinem Arzt eine Liste mit den Wirkstoffnamen geben, nicht mit den Handelsnamen. Damit findet dir jeder Apotheker das Richtige.
DIE HÖHE
Quito liegt auf 2.850 Metern, Cuenca auf 2.560, Riobamba noch höher. Die ersten Tage dort spürst du: kurzatmig beim Treppensteigen, schlechter Schlaf, Kopfschmerzen. Das gibt sich meist nach einer Woche.
Wenn du aber ein Herz- oder Lungenleiden hast, ist die Höhe keine Kleinigkeit, sondern eine medizinische Frage. Besprich sie vor der Entscheidung mit deinem Arzt in Deutschland — und beziehe in die Überlegung ein, dass die Küste und das Tal von Vilcabamba deutlich tiefer liegen.
DIE NUMMER, DIE DU DIR MERKST
Der Notruf in Ecuador ist die 911. Er nimmt Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst entgegen, und er wird auf Spanisch beantwortet.
Speicher ihn ein, bevor du ihn brauchst, und leg dir die Adresse des nächsten Krankenhauses auf Spanisch daneben.