Bildung
Bildung in Ecuador: Zwei Schuljahre, drei deutsche Schulen — und der Kurs, den du selbst brauchst
Ecuador hat zwei versetzte Schuljahre — eines fürs Hochland, eines für die Küste — und drei anerkannte deutsche Schulen in Quito, Guayaquil und Cuenca. Wer hier arbeiten oder die Visa Profesional nutzen will, muss sein Diplom bei der SENESCYT eintragen lassen. Und für alle anderen zählt vor allem eines: Spanischunterricht kostet hier acht bis fünfzehn Dollar die Stunde, einzeln.
Dieses Thema betrifft dich vermutlich auf zwei Wegen. Entweder kommen Kinder oder Enkel mit — dann willst du wissen, wo sie hingehen. Oder du willst dein Diplom hier anerkennen lassen, weil daran ein Visum oder eine Tätigkeit hängt.
Und dann gibt es noch den dritten Weg, der für die meisten unserer Leser der wichtigste ist: Du selbst musst Spanisch lernen. Dazu steht am Ende, was es kostet und was funktioniert.
ZWEI SCHULJAHRE IN EINEM LAND
Das ist die Besonderheit, die kaum jemand erwartet. Ecuador hat zwei getrennte Schulkalender, weil das Land zwei Klimazonen hat.
Das Régimen Sierra-Amazonía gilt im Hochland und im Osten, also für Quito, Cuenca, Loja, Ambato und den Amazonasraum. Dort beginnt das Schuljahr im Spätsommer und endet im Frühsommer des Folgejahres — ähnlich wie in Deutschland.
Das Régimen Costa-Galápagos gilt an der Küste und auf den Inseln, also für Guayaquil, Manta, Salinas und Portoviejo. Dort läuft das Schuljahr genau versetzt: Beginn im Frühjahr, Ende zu Jahresanfang.
Das hat Folgen, die man bedenken sollte. Ein Umzug innerhalb Ecuadors von Quito nach Manta bedeutet für ein Kind einen halbjährigen Bruch. Und wer den Zeitpunkt der Auswanderung frei wählen kann, sollte den Schulbeginn seiner Zielregion kennen. Den genauen Kalender veröffentlicht das Bildungsministerium jedes Jahr neu.
WIE DAS SYSTEM AUFGEBAUT IST
Nach der Vorschule folgt die Educación General Básica über zehn Jahre und darauf das Bachillerato über drei Jahre, das mit dem Bachillerato General Unificado abschließt. Bis dahin ist der Schulbesuch Pflicht und an staatlichen Schulen kostenlos — auch für ausländische Kinder, unabhängig vom Aufenthaltsstatus. Das steht so in der Verfassung.
In der Praxis schicken die meisten Zugezogenen ihre Kinder trotzdem auf eine Privatschule. Die staatlichen Schulen sind gut gemeint und schlecht ausgestattet, die Klassen sind groß, und ein Kind ohne Spanischkenntnisse bekommt dort keine besondere Förderung.
DIE DREI DEUTSCHEN SCHULEN
Ecuador hat drei anerkannte deutsche Auslandsschulen, und das ist für ein Land dieser Größe bemerkenswert.
Das Colegio Alemán Quito, das Colegio Alemán Humboldt in Guayaquil und das Colegio Alemán Stiehle in Cuenca. Alle drei unterrichten von der Vorschule an zweisprachig, führen zu deutschen Sprachdiplomen und ermöglichen einen Abschluss, der in Deutschland studierberechtigt macht.
Wenn Enkel für ein Jahr mitkommen oder die Familie ganz zieht, sind das die Adressen, die du zuerst anschreibst. Die Plätze sind begehrt, es gibt Aufnahmeverfahren und Wartelisten — melde dich ein Jahr vorher, nicht einen Monat.
Was es kostet, hängt von Standort und Klassenstufe ab und liegt im Bereich mehrerer tausend Dollar im Jahr, dazu Aufnahmegebühren. Frag direkt nach der aktuellen Gebührenordnung, die Schulen geben sie bereitwillig heraus.
DIE ANDEREN PRIVATSCHULEN
Neben den deutschen gibt es zweisprachige englische Schulen, katholische Schulen mit langer Tradition und internationale Schulen mit dem IB-Abschluss. Die Bandbreite bei den Gebühren ist groß: von wenigen hundert Dollar im Jahr an einer einfachen Privatschule bis zu fünfstelligen Beträgen an den internationalen Häusern.
Zwei Fragen, die du bei jeder Besichtigung stellen solltest: Wie viele Kinder sitzen tatsächlich in einer Klasse? Und was passiert mit einem Kind, das am Anfang kein Spanisch spricht?
Die Antwort auf die zweite Frage entscheidet über das erste Jahr.
DEIN DIPLOM MUSS EINGETRAGEN WERDEN
Wenn du in Ecuador in deinem Beruf arbeiten willst — oder wenn du die Visa Profesional beantragst, bei der die Einkommensgrenze auf ein Drittel sinkt —, muss dein Hochschulabschluss bei der SENESCYT eingetragen sein. Ohne diese Eintragung hat er in Ecuador keine rechtliche Wirkung.
Der Vorgang heißt Reconocimiento General de Títulos Extranjeros und läuft über das Portal siau-online.senescyt.gob.ec. Du legst deine Urkunde im Original mit Apostille vor, dazu ein Dokument, aus dem die Dauer des Studiums hervorgeht, und eines zur Studienform — Präsenz oder Fernstudium. Die Unterlagen müssen vorher notariell beglaubigt sein.
Die Gebühr liegt im Bereich von rund fünfundzwanzig Dollar je Titel, die Bearbeitung ist mit etwa fünfundvierzig Werktagen angesetzt.
Zwei Dinge, die du wissen musst: Abschlüsse aus dem Gesundheitsbereich und Promotionen laufen über eigene, aufwendigere Verfahren. Und du solltest die Apostille schon in Deutschland besorgen, bevor du umziehst — von Ecuador aus ist das ungleich mühsamer.
STUDIEREN
Die staatlichen Universitäten sind in Ecuador gebührenfrei, verlangen aber eine landesweite Zulassungsprüfung, und die Plätze sind knapp. Für Zugezogene ist das selten der Weg.
Bei den privaten Hochschulen haben die Universidad San Francisco de Quito, die Pontificia Universidad Católica del Ecuador und die Universidad de Cuenca einen guten Ruf, an der Küste die ESPOL in Guayaquil. Studiengebühren sind nach europäischen Maßstäben moderat.
Für ältere Zugezogene interessanter sind die offenen Angebote: Viele Universitäten führen Kurse für die Allgemeinheit, von Kunstgeschichte bis Keramik, und die Kulturhäuser der Städte ebenfalls. Es kostet wenig, es ist auf Spanisch, und es ist der beste Ort, um Einheimische kennenzulernen, die nicht deine Vermieter sind.
SPANISCH — DER TEIL, DER FÜR DICH ZÄHLT
Ecuador gilt unter Sprachlernenden als eines der besten Länder Lateinamerikas, um Spanisch zu lernen. Das hat einen handfesten Grund: Das hier gesprochene Spanisch, besonders im Hochland, wird langsam und deutlich artikuliert, ohne verschluckte Endungen. Wer in Quito oder Cuenca lernt, versteht danach fast überall etwas.
Einzelunterricht kostet in Cuenca und Quito üblicherweise zwischen acht und fünfzehn Dollar die Stunde — bei einer Lehrerin, die nur für dich da ist. Für den Preis einer deutschen Volkshochschulgruppe bekommst du hier zwanzig Einzelstunden.
Cuenca hat wegen der großen Zahl an Zugezogenen die dichteste Auswahl an Schulen, Quito die größte Vielfalt, und in beiden Städten gibt es Intercambios: Treffen, bei denen Ecuadorianer, die Englisch oder Deutsch lernen, und Zugezogene, die Spanisch lernen, sich abwechselnd unterhalten. Das kostet nichts.
DER EHRLICHE RAT ZUM SPRACHKURS
Fang in Deutschland an, nicht hier. Sechs Monate Grundlagen vor dem Umzug ersparen dir das erste halbe Jahr Hilflosigkeit — bei der Anmeldung, beim Arzt, beim Vermieter.
Und dann nimm hier Einzelunterricht statt eines Gruppenkurses. Mit sechzig ist das Lernen langsamer als mit zwanzig, das ist normal und kein Grund aufzuhören. Eine Lehrerin, die auf dein Tempo eingeht, bringt dich weiter als jede Gruppe, in der du dich nicht traust.
Zwei Stunden in der Woche, ein Jahr lang. Danach kannst du dein Leben hier selbst führen, statt es dir übersetzen zu lassen. Das ist die beste Investition, die du in Ecuador machen kannst — und die einzige, deren Ertrag dir niemand nehmen kann.