Anmeldung und Wohnsitz
Anmeldung und Wohnsitz in Ecuador: Die Zahl, an der alles hängt
In Ecuador hängt jede Aufenthaltserlaubnis an einer einzigen Zahl, dem gesetzlichen Mindestlohn — 2026 sind das 482 Dollar, und die meisten Wege verlangen das Dreifache davon. Anders als in Chile darfst du den Antrag im Land stellen. Welche Erlaubnis zu dir passt, welche Papiere ein Verfallsdatum haben und warum die Regel über deine Auslandstage darüber entscheidet, ob du zwischen Ecuador und Europa pendeln kannst.
Ecuador gehört zu den freundlichsten Ländern Südamerikas, wenn es ums Bleiben geht. Du brauchst kein Visum, um einzureisen. Du darfst deinen Aufenthaltsantrag stellen, während du schon im Land bist — anders als in Chile, wo dich genau das in eine Sackgasse führen würde. Und die Hürde ist eine einzige Zahl, die jedes Jahr im Januar neu festgelegt wird.
Diese Zahl heißt Salario Básico Unificado, kurz SBU. Sie ist Ecuadors gesetzlicher Mindestlohn, und an ihr hängt jede einzelne Aufenthaltserlaubnis. Für 2026 liegt sie bei 482 US-Dollar im Monat, festgelegt durch das Abkommen MDT-2025-195 des Arbeitsministeriums. Ecuador rechnet in US-Dollar, das ist seit 2000 die Landeswährung — ein Wechselkursrisiko für deine Rente gibt es hier also nicht.
NEUNZIG TAGE, EINMAL VERLÄNGERBAR
Mit deutschem, österreichischem oder Schweizer Pass bekommst du bei der Einreise neunzig Tage als Tourist. Die lassen sich um weitere neunzig verlängern, aber nur in einem engen Fenster: Der Antrag muss zwischen dem achtzigsten und dem neunzigsten Tag gestellt werden, solange dein Aufenthalt noch gültig ist. Wer den Termin verpasst, kann nicht mehr nachbessern. Mehr als hundertachtzig Tage im Kalenderjahr sind als Tourist nicht drin.
Diese Zeit reicht, um ein Land kennenzulernen. Sie reicht nicht, um einen Aufenthaltsantrag von null auf durchzubringen, wenn du erst nach der Ankunft damit anfängst, Papiere zu sammeln.
DEN ANTRAG KANNST DU IM LAND STELLEN
Der Antrag läuft über die Plattform e-VISAS des Außenministeriums. Du kannst ihn von zu Hause aus stellen, über ein ecuadorianisches Konsulat, oder eben hier im Land bei einer der Dirección Zonal. Die Bedingung im zweiten Fall: Dein Aufenthalt muss zu diesem Zeitpunkt regulär sein — also gültige Touristenzeit oder ein gültiges Visum. Wer schon überzogen hat, muss zuerst das in Ordnung bringen.
Bezahlt wird sofort nach dem Einreichen. Es fallen rund fünfzig Dollar für den Antrag und rund zweihundertsiebzig Dollar für die Erteilung an, dazu ein kleiner Betrag für die Cédula. Ab fünfundsechzig gibt es auf die Erteilungsgebühr die Hälfte Nachlass.
DIE ZAHL, AN DER ALLES HÄNGT
Fast alle Aufenthaltserlaubnisse verlangen ein monatliches Einkommen von drei SBU. Das sind 2026 genau 1.446 US-Dollar im Monat. Diese Grenze gilt für den Haushalt, Paare dürfen ihre Einkommen also zusammenzählen. Für jeden mitziehenden Angehörigen kommt ein Zuschlag von rund zweihundertfünfzig Dollar im Monat dazu.
Rechne nicht knapp. Die Behörde will drei bis sechs Monate gleichmäßiger Eingänge auf dem Konto sehen, nicht einen guten Monat. Der häufigste Grund für eine Rückfrage ist ein zu dünner Nachweis, nicht ein zu geringes Einkommen.
WELCHE ERLAUBNIS ZU DIR PASST
Die Visa de Jubilado ist der Weg für alle mit einer laufenden Rente aus dem Ausland. Ein Mindestalter gibt es nicht, es zählt allein, dass die Zahlung regelmäßig und dauerhaft ist. Deine deutsche, österreichische oder Schweizer Rente erfüllt das ohne Weiteres. Rechtsgrundlage sind die Artikel 59 und 60 des Movilitätsgesetzes und Artikel 34 seiner Durchführungsverordnung.
Die Visa de Rentista ist für Einkommen, das nicht aus einer Rente kommt — Mieteinnahmen, Dividenden, Ausschüttungen. Dieselbe Grenze von 1.446 Dollar, aber jede Quelle muss einzeln belegt werden, das macht die Mappe dicker.
Die Visa Profesional ist der übersehene Weg. Wenn du einen Hochschulabschluss hast, sinkt die Einkommensgrenze auf ein einziges SBU, also 482 Dollar im Monat. Der Abschluss muss in Ecuador anerkannt und im Register SENESCYT eingetragen werden, das kostet Zeit — aber es ist weniger als ein Drittel des Einkommens, das die Rentenerlaubnis verlangt.
Die Visa de Inversionista verlangt kein monatliches Einkommen, sondern eine einmalige Anlage von hundert SBU, 2026 also 48.200 Dollar. Das kann eine Immobilie sein oder ein Festgeld bei einer ecuadorianischen Bank. Das Geld bleibt deins, es ist keine Gebühr. Wer ohnehin kaufen will, hat den Aufenthalt damit gleich mit erledigt.
DIE PAPIERE UND IHRE VERFALLSDATEN
Du brauchst einen Reisepass mit mindestens sechs Monaten Restgültigkeit, ein Passfoto vor weißem Hintergrund, den Einkommensnachweis und ein Führungszeugnis aus jedem Land, in dem du in den letzten fünf Jahren gelebt hast. Das Führungszeugnis muss mit Apostille versehen und ins Spanische übersetzt sein, und es ist ab Ausstellung hundertachtzig Tage gültig.
Genau hier scheitern die meisten Anläufe. Die Apostille kommt in Deutschland vom Bundesamt für Justiz, in Österreich vom Innenministerium, in der Schweiz von der Staatskanzlei des Kantons. Das dauert Wochen, und in dieser Zeit läuft die Frist deines Zeugnisses schon. Beantrage das Führungszeugnis deshalb erst, wenn alles andere beisammen ist.
DIE CÉDULA IST DER EIGENTLICHE SCHLÜSSEL
Mit dem Visum in der Hand bekommst du eine Cedulación-Anweisung und gehst damit zum Registro Civil. Dort erhältst du die Cédula de Identidad, den ecuadorianischen Ausweis. Ohne sie geht praktisch nichts: kein Bankkonto, kein Handyvertrag, kein Stromanschluss auf deinen Namen, keine Aufnahme in die staatliche Krankenversicherung IESS.
Die Cédula ist deshalb kein Nachklapp, sondern der Schritt, mit dem dein Alltag hier überhaupt anfängt. Plane die Tage dafür fest ein.
WIE LANGE DU WEG SEIN DARFST
Das ist die Regel, die Zugezogene am häufigsten übersehen. Als vorübergehender Aufenthaltsberechtigter darfst du dich pro Jahr höchstens neunzig Tage außerhalb Ecuadors aufhalten. Gezählt wird ab dem Tag, an dem dein Visum erteilt wurde, und jeder Tag im Ausland geht von diesem Vorrat ab.
Wenn du später die dauerhafte Erlaubnis hast, sind es in den ersten zwei Jahren hundertachtzig Tage pro Jahr. Wer die Grenze wiederholt überschreitet, verliert seinen Status.
Für alle, die zwischen Ecuador und Europa pendeln wollen, ist das die entscheidende Zahl. Ein langer Sommer bei den Enkeln und ein Weihnachtsbesuch sind zusammen schnell mehr als neunzig Tage.
NACH EINUNDZWANZIG MONATEN
Die vorübergehende Erlaubnis gilt zwei Jahre und lässt sich einmal verlängern. Sobald du einundzwanzig Monate davon in Ecuador verbracht hast, kannst du die dauerhafte beantragen. Danach fällt die Einkommensprüfung weg, die Cédula gilt zehn Jahre wie bei jedem Ecuadorianer, und die Aufenthaltsfrage ist für dich erledigt.
Der Weg dorthin ist kurz, gemessen an anderen Ländern. Er verlangt nur, dass du die zwei Jahre auch wirklich hier verbringst.