Immobilien und Notar
Wohnung mieten in Chile: Mietvertrag in UF, Kaution und der Bürge, den du nicht hast
Mietverträge werden in Chile meist in der inflationsgekoppelten Recheneinheit UF vereinbart — die Miete steigt also von allein. Vermieter verlangen chilenische Gehaltsabrechnungen und oft einen Bürgen mit eigener Immobilie, beides hast du am Anfang nicht. Was stattdessen hilft, was die Kaution rettet, was die gastos comunes ausmachen und warum der Vertrag zum Notar gehört.
Mieten ist in Chile der richtige erste Schritt. Du lernst die Stadt kennen, du erlebst einen Winter, und du bindest kein Geld, bevor du weißt, ob der Ort zu dir passt. Nur läuft die Wohnungssuche hier anders als zu Hause — und an zwei Stellen scheitern Neuankömmlinge regelmäßig.
1 · WO GESUCHT WIRD
Der Großteil des Marktes läuft über zwei, drei große Portale im Netz, dazu kommen die Kleinanzeigenseiten und in kleineren Orten die Aushänge im Supermarkt und die Schilder am Zaun.
Makler heißen hier "corredores de propiedades". Sie arbeiten fast immer für den Vermieter, nicht für dich. In den Städten des Südens läuft vieles außerdem über Mundpropaganda — die deutschsprachigen Vereine, die Nachbarschaftsversammlung und die Schule sind dort ergiebiger als jedes Portal.
Rechne mit einer Suchzeit von mehreren Wochen und besichtige selbst. Wohnungen aus der Ferne zu mieten, ohne dass jemand vor Ort hineingesehen hat, endet regelmäßig schlecht.
2 · DIE MIETE STEHT IN UF, NICHT IN PESOS
Das ist die erste Überraschung. Mietverträge werden in Chile meist in UF vereinbart, der an die Inflation gekoppelten Recheneinheit. Bezahlt wird in Pesos, umgerechnet zum Kurs des Zahltags.
Das heißt: Deine Miete steigt automatisch mit der Inflation, ohne dass jemand etwas ankündigen muss. Wenn im Inserat eine Zahl in Pesos steht, frag ausdrücklich nach, ob der Vertrag in UF oder in Pesos geschlossen wird und wie und wann angepasst wird. Beides ist zulässig, aber es macht über zwei Jahre einen spürbaren Unterschied.
3 · WAS DER VERMIETER SEHEN WILL
Und hier ist die zweite Hürde, die Zugezogene am härtesten trifft. Üblich verlangt werden: die chilenische Identitätskarte mit RUT, die letzten drei Gehaltsabrechnungen, ein Nachweis über die Rentenbeiträge und eine Wirtschaftsauskunft, die in Chile jeder unter dem Namen Dicom kennt.
Du hast in den ersten Monaten nichts davon. Kein RUT, keine chilenischen Gehaltsabrechnungen, keine Kredithistorie im Land.
Was hilft: eine Übersetzung deines Rentenbescheids und der letzten Kontoauszüge, der Nachweis über deine Aufenthaltserlaubnis — und die Bereitschaft, mehrere Monatsmieten im Voraus zu zahlen. Genau das ist der übliche Weg, auf den sich private Vermieter einlassen. Lass dir jede Vorauszahlung im Vertrag ausdrücklich als Mietvorauszahlung bestätigen, nicht als "Sicherheit".
4 · DER BÜRGE, DEN DU NICHT HAST
Viele Vermieter verlangen zusätzlich einen "aval" oder "codeudor solidario" — einen Mitschuldner mit chilenischem Einkommen, oft mit eigener Immobilie. Für jemanden, der gerade erst angekommen ist, ist das nicht zu erfüllen.
Es gibt zwei Auswege. Der eine sind private Vermieter, die auf Vorauszahlung statt auf Bürgen setzen. Der andere ist eine Mietbürgschaftsversicherung, die einige Makler anbieten und die den Bürgen ersetzt; sie kostet und wird vom Mieter bezahlt, löst das Problem aber sauber.
5 · KAUTION UND MAKLERGEBÜHR
Die Kaution heißt "mes de garantía" und beträgt üblicherweise eine Monatsmiete, gelegentlich zwei. Sie wird am Ende zurückgezahlt, abzüglich der Schäden — und genau darüber wird gestritten.
Deshalb: Mach am Einzugstag ein Übergabeprotokoll mit Fotos von jedem Raum, jedem Fleck und jedem Zählerstand, lass es von beiden unterschreiben und häng es an den Vertrag. Ohne dieses Blatt ist die Kaution in Chile erfahrungsgemäß schwer wiederzusehen.
Kommt ein Makler ins Spiel, zahlt der Mieter üblicherweise eine halbe Monatsmiete plus Mehrwertsteuer als Provision. Das ist verhandelbar und gehört vor der Unterschrift geklärt.
6 · WAS ZUR MIETE DAZUKOMMT
In Wohnhäusern gibt es die "gastos comunes", das chilenische Hausgeld. Es deckt Verwaltung, Reinigung, Aufzug, Portier und die Gemeinschaftsanlagen und wird monatlich zusätzlich zur Miete gezahlt.
Unterschätz diesen Posten nicht. In Gebäuden mit Portier rund um die Uhr, Schwimmbad und Gemeinschaftsräumen erreicht er leicht ein Fünftel der Miete. Frag vor der Unterschrift nach der Höhe der letzten Monate, nicht nach einer Schätzung.
Strom, Gas und Wasser laufen getrennt und werden auf dich umgeschrieben. Und die "contribuciones", die Grundsteuer, trägt der Eigentümer — wenn im Vertrag etwas anderes steht, ist das ein Verhandlungspunkt.
7 · MÖBLIERT ODER LEER — UND WAS "LEER" HEISST
"Sin amoblar" bedeutet in Chile wirklich leer. Häufig fehlen Lampen, oft auch Küchengeräte, manchmal die Waschmaschinenanschlüsse an der erwarteten Stelle.
Für die ersten Monate ist eine möblierte Wohnung deshalb oft die vernünftigere Wahl, auch wenn sie teurer ist — besonders wenn dein Container noch auf dem Wasser ist. Möblierte Wohnungen werden häufig kurzfristiger vermietet, was in der Anfangszeit ein Vorteil ist.
Und die Frage, die im Süden über den Winter entscheidet: Womit wird geheizt, wohin zeigen die Fenster, und gibt es Doppelverglasung?
8 · LAUFZEIT, KÜNDIGUNG UND DER NOTAR
Der Normalfall ist ein Jahresvertrag, der sich stillschweigend verlängert. Möglich sind auch unbefristete Verträge mit beidseitiger Kündigungsfrist. Beides regelt das Mietgesetz Nr. 18.101 für städtische Grundstücke.
Lass den Vertrag vor einem Notar unterschreiben. Das kostet wenig und ist in Chile der Unterschied zwischen einem Papier und einem durchsetzbaren Vertrag — ohne notarielle Unterschrift wird es für beide Seiten schwierig, vor Gericht etwas zu erreichen.
Lies außerdem, was zur vorzeitigen Beendigung drinsteht. Viele Verträge sehen eine Entschädigung vor, wenn der Mieter früher auszieht. Wenn du dir noch nicht sicher bist, ob du bleibst, verhandle diese Klausel, bevor du unterschreibst.
9 · WENN ES STREIT GIBT
Mietstreitigkeiten gehören vor die Zivilgerichte. Das dauert, und es ist für beide Seiten unangenehm — Chile hat die Verfahren für Vermieter in den letzten Jahren beschleunigt, aber schnell ist anders.
Vorbeugen ist deshalb alles: schriftlicher Vertrag mit notarieller Unterschrift, Übergabeprotokoll mit Fotos, jede Zahlung überweisen und nie bar ohne Quittung, jede Vereinbarung schriftlich nachtragen lassen. Wer diese vier Regeln einhält, wird die chilenischen Gerichte nie von innen sehen.
Und ein letzter Rat: Miete das erste Jahr, kauf nicht sofort. Eine Wohnung in einer Stadt, die du im Juli erlebt hast, siehst du mit anderen Augen als eine, die du im Januar besichtigt hast.