Auto & Verkehr
Auto und Verkehr in Chile: Deinen Führerschein tauschst du nicht um — du machst ihn neu
Chile tauscht nur Führerscheine aus acht Ländern um — Deutschland, Österreich und die Schweiz gehören nicht dazu. Du machst Theorie- und Fahrprüfung neu, und dafür brauchst du einen in Chile anerkannten Schulabschluss. Dazu: warum dein Auto nicht mitkommt, die drei Papiere, die jedes Jahr fällig werden, und wo beim Alkohol die Grenze liegt.
Chile ist ein Land, das man mit dem Auto erlebt. Über 4.000 Kilometer von der Wüste bis zum Eis, dazwischen die Ruta 5 als Rückgrat und tausend Nebenstraßen, die sich lohnen. Nur beim Führerschein wartet eine Überraschung, mit der kaum jemand rechnet.
DEIN FÜHRERSCHEIN GILT — SOLANGE DU BESUCHER BIST
Als Tourist darfst du mit deinem deutschen, österreichischen oder Schweizer Führerschein in Chile Auto fahren, und zwar während der ganzen Gültigkeit deines Besucherstatus. Ein internationaler Führerschein ist dabei nur eine Übersetzung, kein eigenes Dokument — nützlich bei einer Kontrolle, aber kein Ersatz.
Sobald du hier wohnst, endet das. Wer als Ansässiger dauerhaft fahren will, braucht eine chilenische Fahrerlaubnis, die "licencia de conducir". Und Voraussetzung dafür ist eine gültige chilenische Identitätskarte — solange dein Aufenthaltsverfahren läuft, geht gar nichts.
DEUTSCHLAND STEHT NICHT AUF DER LISTE
Chile erkennt ausländische Führerscheine nur an, wenn ein Gegenseitigkeitsabkommen besteht. Diese Liste ist kurz: Spanien, Südkorea, Peru, Ecuador, Kolumbien, Argentinien, Japan und Paraguay. Deutschland, Österreich und die Schweiz stehen nicht darauf.
Für dich heißt das: kein Umtausch, sondern die volle Prüfung wie ein Fahranfänger. Theorieprüfung und praktische Prüfung bei der Verkehrsabteilung deiner Gemeinde, der Dirección de Tránsito, dazu ein ärztliches Zeugnis über körperliche und geistige Fahrtauglichkeit. Die Gebühren sind überschaubar, meist zusammen unter dem Gegenwert von fünfzig Euro.
Ein Trost bleibt: Dein bestehender Führerschein befreit dich von der Mindeststundenzahl an Fahrstunden. Die Prüfungen selbst nimmt dir niemand ab. Die Theoriefragen stammen von der Verkehrssicherheitskommission CONASET, es gibt sie online zum Üben — auf Spanisch, wie alles andere auch.
DIE HÜRDE, DIE NIEMAND ERWARTET
Und jetzt der Punkt, an dem die meisten hängenbleiben. Für eine chilenische Fahrerlaubnis musst du einen Schulabschluss nachweisen, mindestens den achten Klasse entsprechenden Abschluss. Das hat die oberste Rechnungskontrollbehörde Chiles 2020 in ihrer Stellungnahme Nr. 9401 verbindlich festgestellt.
Der Haken: Wurde dieser Abschluss im Ausland erworben, muss er in Chile anerkannt beziehungsweise anerkannt und gleichgestellt sein. Dein deutsches Zeugnis reicht nicht in der Form, in der es in deinem Ordner liegt.
Fang damit früh an, am besten schon vor dem Umzug. Du brauchst dein Abschlusszeugnis, dazu Apostille und beglaubigte Übersetzung, und dann das Anerkennungsverfahren in Chile. Wer damit erst anfängt, wenn er den Termin für die Theorieprüfung schon hat, verliert Monate.
DEIN AUTO BLEIBT ZU HAUSE
Die Vorstellung, den vertrauten Wagen im Container mitzunehmen, funktioniert in Chile nicht. Die Einfuhr gebrauchter Fahrzeuge ist grundsätzlich untersagt; Ausnahmen gibt es im Wesentlichen nur für die Freihandelszonen im äußersten Norden und Süden und für einzelne Sonderfälle. Wenn du glaubst, in einen dieser Fälle zu passen, lass es dir vorher von der chilenischen Zollbehörde bestätigen — und nicht von einem Spediteur, der einen Auftrag will.
Verkauf das Auto also zu Hause und kauf hier neu. Neuwagen sind in Chile durch die niedrigen Einfuhrzölle vergleichsweise günstig, das Angebot ist groß und asiatisch geprägt.
EINEN GEBRAUCHTWAGEN KAUFEN
Fahrzeuge sind in Chile im Registro de Vehículos Motorizados beim Registro Civil eingetragen. Vor jedem Kauf holst du dir das "certificado de anotaciones vigentes", kurz CAV. Darin steht, wem das Fahrzeug wirklich gehört, ob eine Sicherungsübereignung, eine Pfändung oder ein Fahndungseintrag darauf liegt und ob Verkehrsstrafen offen sind. Das kostet wenig und ist die wichtigste halbe Stunde des ganzen Kaufs.
Der Eigentumsübergang wird vor einem Notar beurkundet und danach beim Registro Civil eingetragen. Erst mit dieser Eintragung bist du Halter — bis dahin bekommt der Vorbesitzer die Strafzettel.
DIE DREI PAPIERE, DIE JEDES JAHR FÄLLIG SIND
Das erste ist der "permiso de circulación", die jährliche Zulassungsabgabe an deine Gemeinde. Sie richtet sich nach dem steuerlichen Wert des Fahrzeugs, und die Frist ist der 31. März. Man kann sie auch in zwei Raten zahlen.
Das zweite ist die "revisión técnica", die technische Untersuchung samt Abgasprüfung. Wann sie fällig ist, hängt von der letzten Ziffer deines Kennzeichens ab.
Das dritte ist die Pflichtversicherung SOAP, die jährlich erneuert wird. Sie deckt nur Personenschäden — für Schäden am Auto des anderen brauchst du eine freiwillige Police dazu.
Fehlt eines der drei bei einer Kontrolle, gibt es ein Bußgeld, und dein Fahrzeug kann an Ort und Stelle einbehalten werden.
MAUT UND DIE FAHRBESCHRÄNKUNG
Die Stadtautobahnen in Santiago werden elektronisch abgerechnet. Dafür klebt hinter der Windschutzscheibe ein Sender, der TAG heißt, und die Nutzung kommt monatlich auf die Rechnung. Ohne TAG durch Santiago zu fahren ist möglich, aber nur mit einem vorher gelösten Tagespass — sonst wird es teuer.
Auf den Überlandstrecken stehen klassische Mautstellen, die du bar oder mit Karte bezahlst. Rechne auf längeren Fahrten eine spürbare Summe ein; die Ruta 5 ist gut ausgebaut und entsprechend bemautet.
Dazu kommt in Santiago die "restricción vehicular": An Tagen mit schlechter Luft dürfen Fahrzeuge mit bestimmten Endziffern im Kennzeichen nicht fahren. Welche Ziffern es trifft, wird am Vortag bekanntgegeben.
BEIM ALKOHOL HÖRT DIE GELASSENHEIT AUF
Chile ist hier strenger als Deutschland. Ab 0,3 Gramm Alkohol je Liter Blut gilt Fahren unter Alkoholeinfluss, ab 0,8 Gramm gilt Trunkenheit — mit deutlich härteren Folgen. Praktisch bedeutet das: ein Glas Wein zum Essen kann schon reichen.
Dazu kommt das Gesetz, das hier jeder unter dem Namen "Ley Emilia" kennt: Wer betrunken einen schweren Unfall verursacht oder Fahrerflucht begeht, muss mit tatsächlichem Freiheitsentzug rechnen, nicht mit einer Bewährungsstrafe. Es ist gesellschaftlich völlig normal, dass einer in der Runde nichts trinkt und fährt.
WENN DU NICHT SELBST FAHREN WILLST
In Santiago brauchst du kein Auto. Die Metro ist sauber, schnell und weit ausgebaut, dazu kommen die Busse des Netzes "Red"; bezahlt wird mit der aufladbaren Karte "bip!".
Zwischen den Städten fährt man Fernbus, und das ist in Chile keine Notlösung: Die Sitze der oberen Klassen lassen sich fast flach stellen, die Busse fahren nachts und die Strecken sind engmaschig. Ein Eisenbahnnetz gibt es nur noch in Ansätzen, vor allem zwischen Santiago und dem Süden. Für die ganz weiten Strecken in den Norden oder nach Patagonien ist das Flugzeug der Normalfall, und der Wettbewerb hält die Preise unten.